Morgan Stanley hat gestern die Bewertung von Poste Italiane mit dem Votum „Overweight“ und einem Kursziel von 29 Euro wieder aufgenommen. Im Mittelpunkt stehen erwartete Synergien mit Telecom Italia sowie die Aussicht auf steigende bereinigte Gewinne je Aktie und verbleibende Liquidität nach Dividenden.
Damit richtet sich der Anlegerblick auf die wirtschaftlichen Ergebnisse der Zusammenführung. Das vor rund zwei Wochen abgeschlossene TIM-Übernahmeangebot bildet den Hintergrund. Entscheidend für die positive Einschätzung der Bank sind jedoch die erwarteten Einsparungen und zusätzlichen Erlöse.
Synergien sollen den Gewinn stärken
Morgan Stanley veranschlagt jährliche Synergien vor Steuern von rund 700 Millionen Euro. Dahinter stehen angestrebte Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro und zusätzliche Erlöse von mehr als 200 Millionen Euro.
Die Rechnung beruht somit nicht allein auf niedrigeren Ausgaben. Auch zusätzliche Einnahmen sollen zum wirtschaftlichen Nutzen der Verbindung beitragen. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Die positive Bewertung setzt sowohl Kostendisziplin als auch die Erschließung weiterer Erlösquellen voraus.
Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet die Bank für 2028 und 2029 ein Wachstum von 8–10 Prozent. Dabei handelt es sich um Analystenschätzungen und nicht um bereits erzielte Ergebnisse.
Auch die erwartete Liquidität gehört zur Begründung der Kaufempfehlung. Morgan Stanley betrachtet dabei ausdrücklich die Mittel, die nach den Dividenden verbleiben sollen.
Für die genannten Jahre kalkuliert das Haus mit 1,1 Milliarden Euro beziehungsweise 1,2 Milliarden Euro verbleibender Liquidität. Ein gemeinsamer Geschäftsplan wird im ersten Quartal 2027 erwartet.
Zweite Rückkauftranche abgeschlossen
Neben den längerfristigen Prognosen steht eine bereits abgeschlossene Kapitalmaßnahme. Poste Italiane hat am Montag die zweite Tranche des Aktienrückkaufs beendet. Anders als die erwarteten Synergien ist dieser Schritt bereits umgesetzt.
In dieser Tranche erwarb das Unternehmen 2.806.298 eigene Aktien für insgesamt 67,8 Millionen Euro. Der gesamte Eigenbestand einschließlich früherer Transaktionen entsprach anschließend 1,088 Prozent des Aktienkapitals.
Der Rückkauf ergänzt damit die Nachrichtenlage um eine vollzogene Maßnahme. Er ist getrennt von den prognostizierten Integrationseffekten zu betrachten und belegt noch nicht deren wirtschaftlichen Erfolg.
Geschäftsplan als nächster Prüfstein
Moody’s bestätigte am Freitag die Bonitätsnote Baa2 mit stabilem Ausblick. Für den 11. November 2026 werden die Ergebnisse der ersten neun Monate erwartet.
Für Anleger stehen damit unterschiedliche Prüfsteine an: Die Ergebnisse liefern den nächsten Einblick in die Geschäftsentwicklung. Der erwartete gemeinsame Geschäftsplan soll anschließend die strategische Grundlage der Verbindung konkretisieren. Die positive Analysteneinschätzung beruht vor allem auf künftigen Erträgen und Liquiditätsüberschüssen – ihre Umsetzung bleibt der zentrale Maßstab.
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