Porsche SE: VW-Aktien mit Abschlag – Zukunftsportfolio für 0 Euro
Wer bei der Porsche-Aktie an Sportwagen aus Zuffenhausen denkt, meint in der Regel die Porsche AG. Mit ihr nicht zu verwechseln ist die Porsche Automobil Holding SE, kurz Porsche SE, die ebenfalls an der Börse notiert ist.
Die Stuttgarter Holding ist das Beteiligungsvehikel der Familien Porsche und Piëch. Sie baut keine Autos, sondern hält Anteile an Unternehmen – allen voran an Volkswagen, dazu 25% an der Porsche AG. Während die Autobranche in der Krise steckt, hat sich die Holding-Aktie zu einem der auffälligsten Bewertungsfälle auf dem deutschen Kurszettel entwickelt.
Die Holding ist größter VW-Aktionär – und leidet entsprechend
Die Porsche SE hält 53,3% der Stimmrechte an Volkswagen. Damit hängt ihr Schicksal eng an dem des Wolfsburger Konzerns, und der durchlebt erneut ein schwieriges Jahr: In China verliert VW Marktanteile an die lokalen Elektro-Hersteller, in den USA belasten Zölle, die Margen sind dünn, und bis 2030 sollen rund 50.000 Stellen wegfallen. Bei der Porsche AG sieht es nicht besser aus, der Sportwagenbauer hat seine Gewinnziele in diesem Jahr gleich mehrfach einkassiert.
Die Börse hat die Porsche SE dafür haftbar gemacht. Im Juni flog die Aktie sogar aus dem deutschen Leitindex, im Halbjahresbericht standen 3 Mrd. Euro Abschreibungen auf die VW-Anteile. Der Kurs liegt aktuell bei rund 25 Euro und damit 40% unter dem Jahreshoch von 41,52 Euro. Daraus ergibt sich ein Börsenwert von nur noch etwa 7,5 Mrd. Euro. In Spitzenzeiten war der Wert dreimal höher.
40% Abschlag auf den Beteiligungswert
Interessant wird es beim Blick auf die andere Seite der Rechnung. Der Wert der Beteiligungen lag laut Halbjahresbericht zum 30. Juni bei 12,5 Mrd. Euro. Die Börse bewertet die Holding also rund 40% unter dem, was ihre Anteile an VW und Porsche AG wert sind. Wer die Porsche-SE-Aktie kauft, erwirbt VW- und Porsche-Aktien damit mit einem erheblichen Rabatt.
Ein gewisser Holding-Abschlag ist an der Börse üblich, weil Anleger die indirekte Beteiligung, die Schulden auf Holding-Ebene und die eingeschränkte Flexibilität einpreisen. Die Porsche SE trägt noch immer Verbindlichkeiten aus der gescheiterten VW-Übernahme vor gut 15 Jahren mit sich herum. Ein Abschlag von 40% liegt allerdings deutlich über dem, was bei anderen Beteiligungsgesellschaften üblich ist.
Zusätzlich zum Rabatt kommt die Dividende: Für 2025 zahlte die Holding 1,51 Euro je Vorzugsaktie. Auf dem aktuellen Kursniveau entspricht das einer Rendite von rund 6%.
Raketen, Drohnen, KI-Chips: Das Technologie-Portfolio
Was in der Bewertung praktisch keine Rolle spielt, ist das zweite Standbein der Holding. Seit einigen Jahren investiert die Porsche SE gezielt in junge Technologieunternehmen. Das bekannteste Beispiel ist Isar Aerospace, ein Start-up aus München, das als erstes kommerzielles Unternehmen eine Rakete vom europäischen Festland in die Erdumlaufbahn gebracht hat. Die Stuttgarter gehören seit 2021 zu den Geldgebern und haben bei der jüngsten Finanzierungsrunde über 270 Mio. Euro im Juni erneut mitgezogen.
Isar Aerospace ist dabei nur ein Baustein. Die Porsche SE hält außerdem Anteile am Drohnenhersteller Quantum Systems, am US-Raketenunternehmen Stoke Space, am Chip-Entwickler Celestial AI und am Spezialisten für autonomes Fahren Waabi. Es ist ein kleines, aber bemerkenswert gut sortiertes Portfolio an Zukunftstechnologien aus Raumfahrt, Verteidigung, Halbleitern und Mobilität – und es wird im aktuellen Börsenwert der Holding mit null angesetzt.
Juristische Altlast weggeräumt
Abseits von Rabatten und Renditen gab es Ende September eine Nachricht, die am Markt bislang kaum Beachtung fand: Der Bundesgerichtshof hat Schadenersatzforderungen von Anlegern über 5,4 Mrd. Euro aus der Zeit der gescheiterten VW-Übernahme endgültig zurückgewiesen.
Dieses Verfahren schwebte über ein Jahrzehnt lang über der Holding. Mit dem Urteil ist ein Risiko vom Tisch, das in einem besseren Branchenumfeld durchaus kursrelevant gewesen wäre.
Was für eine Erholung sprechen könnte
Die Frage für Anleger ist, ob die Autokrise schon vollständig im Kurs steckt. Für 2026 stellt Volkswagen erstmals wieder ein höheres Ergebnis in Aussicht, das Einsparungsprogramm von über 10 Mrd. Euro soll greifen. Aus meiner Sicht ist die schlechte Lage bei VW und Porsche AG in einem Abschlag von 40% großzügig berücksichtigt.
Die Mechanik für den Fall einer Besserung ist dabei einfach: Steigt die VW-Aktie, steigt der Beteiligungswert der Holding. Hellt sich die Stimmung im Automobilsektor auf, schrumpft gleichzeitig der Abschlag, mit dem die Börse die Holding bewertet. Beide Effekte würden sich addieren. Zudem könnten die Alt-Schulden auf Holding-Ebene schneller abgebaut werden, was das Finanzergebnis verbessert.
Eine Wette mit mehreren Treibern
Die Porsche SE bleibt eine Aktie, die mit der Autobranche steht und fällt – wer an eine lange Krise bei Volkswagen glaubt, wird auch mit der Holding keine Freude haben.
Für alle anderen bietet sich hier eine äußerst spannende Konstellation: VW- und Porsche-Aktien mit 40% Rabatt, eine Dividendenrendite von rund 6%, ein abgeräumtes Milliarden-Klagerisiko und ein Technologie-Portfolio aus Raketen, Drohnen und KI-Chips, für das der Markt derzeit nichts verlangt.
Als Anlageidee abseits der KI-Branche gehört die Porsche SE damit zumindest auf die Beobachtungsliste.
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