Gestern präzisierte Volkswagen-Chef Oliver Blume die Pläne für einen massiven Stellenabbau und mögliche Werksschließungen. Die Holding Porsche SE, die als Hauptaktionär die Stimmrechtsmehrheit am Wolfsburger Automobilkonzern hält, signalisierte am Donnerstag volle Unterstützung für diesen restriktiven Kurs.
Hintergrund dieser Haltung ist das Ziel, die langfristige Dividendenfähigkeit der Holding zu sichern, die maßgeblich von den Ausschüttungen ihrer Kernbeteiligung abhängt.
Restrukturierung der Kernbeteiligung
Im Rahmen von Belegschaftsversammlungen wurde am gestrigen Donnerstag bekannt, dass weltweit rund 50.000 Stellen zur Disposition stehen könnten. Parallel dazu bereitet Volkswagen Maßnahmen zur Stärkung der Liquidität vor. Wie bereits am 14. August gemeldet, plant der Konzern den Verkauf weiterer Anteile am Lkw-Hersteller Traton SE, um die eigene Beteiligung auf 75 Prozent plus eine Aktie zu reduzieren.
Die Notwendigkeit tiefgreifender Kostensenkungen wurde bereits durch die Halbjahresbilanz der Porsche SE verdeutlicht, über die vor gut drei Wochen berichtet wurde. In diesem Zeitraum verbuchte die Holding einen Nettoverlust von 2,2 Milliarden Euro. Diese Summe resultierte primär aus einer unbaren Wertberichtigung in Höhe von 3,0 Milliarden Euro auf die Beteiligung an der Volkswagen AG.
Diversifizierung und strategische Verkäufe
Während die Sanierung der Kernbeteiligung im Vordergrund steht, treibt die Porsche SE den Ausbau ihres Nebenportfolios in spezialisierten Technologiebereichen voran.
Medienberichten vom Mittwoch zufolge belegt eine detaillierte Auswertung des Halbjahresberichts ein wachsendes Engagement in sogenannten Deep-Tech-Segmenten. Dazu gehören Unternehmen wie Quantum Motion, Waabi und Quantum Systems. Der Buchwert dieses Portfolios stieg zuletzt auf 630 Millionen Euro.
Auf der anderen Seite trennte sich die Tochtergesellschaft Porsche AG am Montag von ihrer IT-Beratungssparte MHP. Der Verkauf an Tata Consultancy Services (TCS) erfolgte zu einem Unternehmenswert von 320 Millionen Euro. Flankiert wird die Transaktion durch eine fünfjährige Partnerschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz mit einem Volumen von 1,25 Milliarden Euro.
Analysten von Morgan Stanley und Citi bewerteten diesen Schritt am Dienstag als strategisch sinnvoll, äußerten jedoch Vorbehalte bezüglich der preislichen Ausgestaltung. Laut ihrer Einschätzung sei der erzielte Erlös unzureichend, was ein Abwärtspotenzial von bis zu 20 Prozent für die Aktie impliziere.
Börse bewertet Stabilitätssignale
Der Kapitalmarkt reagierte zuletzt mit einer leichten Erholung auf die klaren Signale aus Wolfsburg und Stuttgart. Gestern schloss das Papier bei 27,85 Euro, was einem Kursplus von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vortag entsprach. Die Analystenhäuser StockInvest.us stuften die Aktie am 21. August dennoch aufgrund eines verschlechterten technischen Bildes als Verkaufskandidaten ein.
Trotz der jüngsten Stabilisierung bleibt die Bilanz des laufenden Jahres deutlich belastet: Seit Jahresanfang verzeichnete der Wert einen Rückgang von 30 Prozent. Damit notiert die Aktie derzeit 3,6 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief, das am 24. Juli bei 26,87 Euro markiert wurde.
In den kommenden Monaten wird für die Anleger entscheidend sein, wie schnell die angekündigten Effizienzprogramme bei Volkswagen greifen, um den Cashflow der Holding zu stabilisieren.
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