Porsche AG Aktie: Trügerische Erholung

Porsche steigert den Halbjahresgewinn dank Sondereffekten, kämpft aber weiter mit rückläufigen Verkaufszahlen und hohen Kosten.

Auf einen Blick:
  • Gewinnsprung durch Rückstellungsauflösung
  • Absatzrückgang von 18 Prozent
  • Stellenabbau von 5.000 Stellen geplant
  • Kapitalmarkttag im Oktober erwartet

Auf den ersten Blick sieht es nach einer Wende aus: Der Gewinn springt im ersten Halbjahr um fast die Hälfte nach oben. Wer genauer hinschaut, erkennt aber schnell, dass der Sportwagenbauer noch mitten in seiner schwersten Krise seit Jahren steckt.

Porsche wies für die erste Jahreshälfte ein Ergebnis nach Steuern von 1,07 Milliarden Euro aus. Der Umsatz sank dagegen um gut fünf Prozent auf 17,23 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis um ein Drittel auf knapp 1,35 Milliarden Euro zulegte. Finanzvorstand Jochen Breckner bezeichnete die Zahlen als im Rahmen der eigenen Erwartungen und bestätigte die Jahresprognose mit einem angepeilten Umsatz von 35 bis 36 Milliarden Euro.

Der Gewinnsprung hat einen Haken

Der Vorjahresvergleich täuscht. Im ersten Halbjahr 2025 war das Konzernergebnis wegen Sonderkosten für die Korrektur der E-Auto-Strategie und den Konzernumbau um 71 Prozent auf gut 718 Millionen Euro eingebrochen. Diesmal fielen zwar erneut rund 400 Millionen Euro Sonderaufwand an — größtenteils aber wurden diese durch die Auflösung von Rückstellungen aus dem Vorjahr in Höhe von rund 300 Millionen Euro kompensiert. Ohne diesen Effekt stünde Porsche kaum besser da als 2025.

Die eigentliche Baustelle bleibt der Absatz. Die Auslieferungen gingen zuletzt um 18 Prozent zurück, 2025 hatte der Konzern mit 279.400 verkauften Fahrzeugen bereits den niedrigsten Stand seit dem Corona-Jahr 2020 erreicht. In China haben sich die Verkaufszahlen zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert, und Breckner erwartet auch für 2027 weiter sinkende Absätze. Dass der durchschnittliche Verkaufspreis dank eines starken Modellmix beim 911 um 14 Prozent stieg, konnte den Rückgang bei der Stückzahl abfedern — mehr aber auch nicht.

Kleinere Werke, teurer Umbau

Porsches Fertigungsnetz wurde einst für 350.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt. Bei der aktuellen Nachfrage laufen die Werke damit weit unter Kapazität, während viele Kosten unverändert weiterlaufen. Vorstandschef Michael Leiters will das neue, deutlich niedrigere Zielbild Anfang Oktober bei einem Kapitalmarkttag vorstellen.

Parallel dazu treibt der Konzern sein mit Betriebsrat und IG Metall verhandeltes „Zukunftspaket“ voran. Bis 2035 sollen in der Region Stuttgart rund 5.000 weitere Stellen abgebaut werden, verteilt auf etwa 4.000 in Zuffenhausen und 1.000 in Weissach — betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin ausgeschlossen. Nach internen Berechnungen soll das Paket insgesamt Einsparungen von rund 5,7 Milliarden Euro bringen, wovon der Stellenabbau allein mehr als 3,6 Milliarden Euro beitragen soll. Im Gegenzug investiert Porsche 2,1 Milliarden Euro in die beiden Standorte, finanziert unter anderem durch Einschnitte bei Tariferhöhungen und Weihnachtsgeld.

Analysten bleiben zurückhaltend

Bernstein Research beließ die Einstufung nach den Zahlen auf „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 45 Euro und verwies auf einen Umsatz im Rahmen der Konsensschätzung. Bei Jefferies attestierte Analyst Philippe Houchois dem Konzern eine besser als erwartet ausgefallene operative Profitabilität. An der Börse hielt die anfängliche Erleichterung nicht lange an — die Vorzugsaktie hatte am Morgen zeitweise deutlich zugelegt, gab die Gewinne im Tagesverlauf aber wieder ab.

Die eigentliche Weichenstellung steht noch aus. Erst beim Kapitalmarkttag Anfang Oktober will Leiters zeigen, wie klein und wie profitabel Porsche künftig wirklich sein soll.

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