Weniger Autos auf der Straße, mehr Optimismus an der Börse — bei Porsche klaffen Realität und Erwartung gerade auseinander. Während die Auslieferungszahlen für das erste Halbjahr einen deutlichen Rückgang zeigen, wagen sich Analysten mit spürbar zuversichtlicheren Prognosen aus der Deckung. Der Grund: Value over Volume statt Rabattschlacht.
Absatz bricht in allen Regionen ein
Von Januar bis Juni lieferte Porsche weltweit 122.306 Fahrzeuge aus — 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 146.391 Einheiten. Besonders deutlich fiel der Rückgang in China aus, dort brach der Absatz um 32 Prozent auf 14.501 Fahrzeuge ein. Auch in Nordamerika, weiterhin die größte Vertriebsregion, ging es um 13 Prozent auf 37.712 Auslieferungen nach unten.
Die Gründe liegen auf der Hand: Ausgelaufene Steuervergünstigungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge in den USA, ein außergewöhnlich starker Vorjahreszeitraum durch den Marktstart des elektrischen Macan sowie das Produktionsende der Baureihe 718 im Oktober 2025. Direkte Nachfolger für Boxster und Cayman gibt es bislang nicht, entsprechend brach der Absatz dieser Modellreihe um 73 Prozent ein. Einzig der 911 legte zu — um 19 Prozent auf 30.534 Fahrzeuge. Seit Ende Juni liefert Porsche zudem den Cayenne Electric aus, laut Vertriebsvorstand Matthias Becker mit positiver Resonanz aus dem Handel.
Analysten wittern Trendwende
Trotz der schwachen Zahlen mehren sich optimistische Stimmen. UBS-Analyst Patrick Hummel sieht die Elemente einer Wende zunehmend sichtbar werden — etwa durch die Rückkehr zu Verbrenner- und Hybridmodellen sowie eine schlankere Organisation. Er rechnet damit, dass sich Porsche künftig auf ein Jahresvolumen von 250.000 bis 280.000 Einheiten einstellt, deutlich unter den 350.000 zum Zeitpunkt des Börsengangs. Sein Kursziel liegt bei 60 Euro.
Goldman-Sachs-Analyst Christian Frenes argumentiert ähnlich: Der strukturelle Gegenwind sei in den gesunkenen Erwartungen längst eingepreist. Er sieht in einem verbesserten Modellmix und indirekten Kostenvorteilen noch unterschätztes Potenzial und rechnet bis 2030 mit einem durchschnittlichen jährlichen Ergebnisplus von 30 Prozent.
Die eigentliche Standortbestimmung steht aber noch aus. Ende Juli soll ein zweites Sparpaket mit weiterem Stellenabbau stehen, im Herbst will CEO Michael Leiters beim Capital Markets Day seine Strategie 2035 für Unternehmen und Modellpalette vorstellen.
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