Polestar setzt in Großbritannien auf stärkere Kaufanreize für gebrauchte Elektroautos. Der britische Geschäftsführer Matt Galvin fordert heute Zuschüsse und günstigere öffentliche Ladetarife im Rahmen des britischen Herbsthaushalts. Für Anleger steht dahinter eine wichtige Absatzfrage: Wie lässt sich das Interesse an Elektroautos in zusätzliche Nachfrage übersetzen? Polestar verweist dabei auf deutlich gestiegene eigene Gebrauchtwagenverkäufe.
Gebrauchtwagen als Ansatzpunkt
Nach Angaben Galvins hat Polestar seine Gebrauchtwagenverkäufe zuletzt verdoppelt. Die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos sei um 40 % gestiegen. Mit einem staatlichen Kaufzuschuss will er diesen Markt zusätzlich unterstützen.
Der Vorstoß richtet sich damit nicht allein auf den Verkauf neuer Fahrzeuge. Galvin nimmt auch Käufer gebrauchter Elektroautos in den Blick. Die Forderung ist allerdings ein politischer Vorschlag und keine beschlossene Förderung. Aus ihr lässt sich deshalb noch kein zusätzlicher Absatz für Polestar ableiten.
Zugleich verlangt Galvin eine Senkung der Mehrwertsteuer auf öffentliches Laden von 20 % auf 5 %. Zuschüsse für Ladepunkte sollten über März hinaus verlängert werden. Damit verbindet er die Kaufentscheidung mit den laufenden Nutzungskosten.
Ladekosten und Steuern im Fokus
Auch elektroautospezifische Steuern möchte Galvin aussetzen lassen. Sie sollten seiner Ansicht nach erst greifen, wenn Elektroautos die Mehrheit der Fahrzeuge auf britischen Straßen stellen. Sein Maßnahmenpaket zielt damit sowohl auf die Anschaffung als auch auf den Betrieb.
Für das Laden zu Hause nennt Galvin im Standardtarif Kosten von rund 7 Pence je Meile. Dem stellt er 20 Pence für Benzin und 21 Pence für Diesel gegenüber. Diese Angaben beziehen sich ausdrücklich auf das Heimladen, nicht auf öffentliche Ladepunkte.
Für Anleger ist die Unterscheidung wichtig: Galvin wirbt einerseits mit Kostenvorteilen beim Laden zu Hause. Andererseits fordert er steuerliche Entlastungen beim öffentlichen Laden. Beides sind getrennte Bestandteile seines Vorschlags.
Europas Nachfrage ist für Polestar entscheidend
Der politische Vorstoß betrifft einen für Polestar wichtigen Absatzraum. Inzwischen stammen rund 80 % der Verkäufe aus Europa. Eine breitere Nachfragebasis für Elektroautos ist deshalb für die weitere Geschäftsentwicklung besonders relevant.
Das Unternehmen kann sich dabei nicht allein auf einen wachsenden Elektromarkt verlassen. Entscheidend bleibt, ob daraus auch mehr Nachfrage nach den eigenen Fahrzeugen entsteht.
Im ersten Halbjahr 2026 stiegen Polestars weltweite Verkäufe lediglich um 0,4 % auf 30.423 Fahrzeuge. Der Umsatz sank zugleich um rund 4 %.
Polestar hat seine Jahreswachstumsprognose bereits von einem niedrigen zweistelligen auf ein niedriges bis mittleres einstelliges Prozentwachstum gesenkt. Galvins Forderungen setzen an möglichen Nachfragehürden an. Die gestiegenen Gebrauchtwagenverkäufe sind ein positives Signal, ersetzen aber noch keine Belebung des Neuwagengeschäfts.
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