POET Technologies Aktie: Zwischen Absturz und Wende

POET Technologies erholt sich leicht, bleibt aber unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der Produktionsstart in Malaysia und der Quartalsbericht am 10. August 2026 sind die nächsten entscheidenden Wegmarken für die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Aktie erholt sich nach starken Verlusten
  • Produktionsstart in Malaysia im Fokus
  • Quartalsbericht am 10. August 2026 erwartet
  • Sammelklagen belasten weiterhin die Bewertung

Zehn Prozent Sprung an einem Tag, nach einem Monat mit über 30 Prozent Verlust. POET Technologies zeigt gerade, wie nervös der Markt auf jedes Signal aus Malaysia reagiert. Die Aktie klettert auf 6,17 Euro und bleibt trotzdem ein Fall für Anleger mit starken Nerven.

Der Kursrutsch der vergangenen Wochen hat einen konkreten Auslöser. Im April stornierte Celestial AI, eine Tochter von Marvell Semiconductor, sämtliche Bestellungen bei POET. Der Vorwurf: Bruch von Vertraulichkeitsvereinbarungen. Seither laufen Sammelklagen gegen das Unternehmen, und die Aktie hat sich von ihrem Jahreshoch bei 18,84 Euro auf weniger als ein Drittel dieses Werts zurückgezogen.

Die entscheidende Frage: Reicht die Kapazität für den Umsatz?

POET wandelt sich vom Forschungsunternehmen zum Serienproduzenten. Der offizielle Start der Massenfertigung für optische Engines soll im zweiten Halbjahr 2026 in Malaysia beginnen. Genau hier liegt der Knackpunkt für die Bewertung.

Das Management spricht von einem Auftragsvolumen, das jährlich wiederkehrende Umsätze von über 100 Millionen US-Dollar erreichen könnte. Bewiesen ist das nicht. Die Aktie notiert weiterhin knapp zehn Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 6,84 Euro. Der Markt verlangt sichtbare Stückzahlen, bevor er der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 417 Millionen Euro mehr Vertrauen schenkt.

Bullen-Szenario: Die 1,6T-Welle in Rechenzentren

Die optimistische Lesart stützt sich auf die Position von POET im Markt für optische Verbindungen in KI-Rechenzentren. Die Branche wechselt gerade von 800G-Standards zu 1,6T- und künftig 3,2T-Technologie. POETs „Optical Interposer“-Plattform verspricht dabei geringeren Stromverbrauch als klassische aktive Ausrichtungsverfahren.

Mehrere Entwicklungen sprechen für dieses Szenario:

  • Kapazitätsausbau: Laut Angaben von der Hauptversammlung im Juni 2026 will POET die Fertigungskapazität bis Ende 2027 auf eine Million Einheiten pro Monat steigern – das Zehnfache des heutigen Niveaus. Dafür sind für das zweite Halbjahr 2026 rund 50 Millionen US-Dollar an Investitionen in Fertigungsanlagen vorgesehen.
  • Partnerschaften: Eine Kooperation mit Mitsubishi Electric zur gemeinsamen Entwicklung von 3,2T-Engines läuft bereits. Hinzu kommt eine Erstbestellung von Lumilens über 50 Millionen US-Dollar.
  • Liquiditätspolster: Eine Finanzierungsrunde über 400 Millionen US-Dollar, abgeschlossen im Mai 2026, hat die Bilanz gestärkt und dürfte kurzfristige Zweifel an der Fortführungsfähigkeit entschärfen.

Bären-Szenario: Ausführungsrisiko und der Schatten von Marvell

Die pessimistische Sicht setzt genau an der Lücke zwischen Ankündigung und Umsetzung an. Kritiker verweisen darauf, dass die geplante Verzehnfachung der Kapazität weit über die aktuell vertraglich gesicherte Umsatzsichtbarkeit von etwa 60 Millionen US-Dollar hinausgeht.

Verzögern sich Kundenqualifizierungen oder verläuft die Marktdurchdringung von 1,6T-Technologie langsamer als erwartet, drohen weiterhin hohe Verluste durch Unterauslastung der Anlagen. Die laufenden Sammelklagen im Zusammenhang mit der Marvell-Kündigung belasten zusätzlich die Bewertung.

Technisch bleibt das Bild angespannt. Mit einem RSI von 40,1 hat sich die Aktie zwar aus überverkauftem Terrain gelöst, ein stabiler Aufwärtstrend ist damit aber noch nicht bestätigt.

Ausblick: Der 10. August als Wegmarke

Solange POET unterhalb seines 200-Tage-Durchschnitts von 6,84 Euro bleibt, dürfte der Markt die aktuelle Erholung als taktischen Ausschlag werten – nicht als echte Trendwende. Gelingt es der Aktie dagegen, dieses Niveau zurückzuerobern und sich oberhalb von 7,00 Euro zu stabilisieren, wäre das ein Signal, dass Anleger einen erfolgreichen Produktionsanlauf einzupreisen beginnen.

Der nächste konkrete Termin: der Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026, erwartet am 10. August 2026. Investoren werden auf zwei Punkte achten. Erstens: die formale Bestätigung, dass die Volumenlieferungen aus Malaysia tatsächlich begonnen haben. Zweitens: ein Update zum Sampling-Programm für 1,6T-Chipsätze.

Bestätigt POET den Zeitplan und liefert belastbare Prognosen zur Umsatzumwandlung, spricht mehr für eine fortgesetzte Erholung Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei 9,09 Euro. Kommen weitere Verzögerungen oder neue Kundenabsagen hinzu, bleibt ein erneuter Test des 52-Wochen-Tiefs bei 3,40 Euro ein reales Risiko.

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