63 Prozent unter dem Hoch, aber Analysten sprechen von einer Kaufgelegenheit. Bei POET Technologies klafft die Kursrealität weit auseinander von dem, was das operative Geschäft gerade liefert. Genau dieser Widerspruch macht die Aktie derzeit so spannend.
Charttechnik zeigt möglichen Boden
Am Montag schloss die Aktie bei 6,94 Euro. Das liegt nur 1,36 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 6,85 Euro. Schaeffer’s Investment Research verweist auf genau diese Marke: Historisch hat sich dieser Bereich schon öfter als Wendepunkt erwiesen.
Der Weg dorthin war brutal. Innerhalb von 30 Tagen verlor das Papier 42,26 Prozent. Der 14-Tage-RSI steht bei 36,4 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Die Verkaufswelle scheint an dieser Linie zumindest vorübergehend zu bremsen.
Wie volatil die Lage ist, zeigt ein Blick auf die Bandbreite des vergangenen Jahres. Vom Tief bei 3,40 Euro im November 2025 ging es bis auf 18,84 Euro im Mai 2026 – und wieder zurück auf aktuell 6,94 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 118,50 Prozent. Trotz des Absturzes der letzten Wochen steht die Aktie seit Jahresbeginn noch mit 13,40 Prozent im Plus.
800G-Serienfertigung startet planmäßig
Während der Kurs taumelt, hält das Management am Fahrplan fest. Bei der Hauptversammlung am 26. Juni und einem Update am 30. Juni bestätigte POET: Die Serienfertigung der 800G-Optikmodule startet wie geplant im dritten Quartal 2026.
Diese Produkte sollen die sogenannte Bandbreiten-Wand in KI-Rechenzentren durchbrechen. Für das Gesamtjahr 2026 peilt POET den Versand von mehr als 30.000 optischen Modulen an. Kern der Technologie ist die firmeneigene Optical-Interposer-Plattform. Sie bringt Laser und photonische Schaltkreise auf einem einzigen Halbleiter-Substrat unter und verbessert so Skalierbarkeit und Energieeffizienz in schnellen optischen Netzwerken.
Kapitalpolster für den Ausbau
Für den Sprung von der Entwicklung in die Massenfertigung hat sich POET finanziell abgesichert. Nach einer im Mai 2026 abgeschlossenen Kapitalerhöhung über 400 Millionen Dollar verfügt das Unternehmen nun über eine Kasse von rund 430 Millionen Dollar.
Das Management hat bereits konkrete Pläne für dieses Geld. Rund 50 Millionen Dollar fließen in der zweiten Jahreshälfte 2026 in neue Fertigungsanlagen. Das langfristige Ziel: eine Kapazität von bis zu einer Million Einheiten pro Monat bis Ende 2027. Diese Expansion soll mehr als zehn aktive Geschäftsbeziehungen bedienen, darunter das bereits bekannte Rahmenabkommen mit Lumilens.
Für die kommenden Monate richten sich alle Blicke auf zwei Termine: den tatsächlichen Produktionsstart im dritten Quartal und die ersten Auslieferungen in großem Volumen. Erst wenn diese Meilensteine stehen, lässt sich prüfen, ob POET den Sprung vom Entwicklungsunternehmen zum kommerziellen Zulieferer für die KI-Infrastruktur wirklich schafft.
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