Der kanadische Chip-Spezialist POET Technologies steht vor einem entscheidenden Wendepunkt. Nach Jahren der Entwicklung beginnt nun die kommerzielle Fertigung. Das bestätigte das Management auf der Hauptversammlung. Der Produktionshochlauf der optischen Motoren soll planmäßig in der zweiten Jahreshälfte 2026 anlaufen.
Milliardenschwere Kapitaldecke
Um die Serienfertigung zu stemmen, plant POET Investitionen von rund 50 Millionen US-Dollar in neue Anlagen. Das Geld fließt im zweiten Halbjahr 2026 in die Produktion Photonischer Integrierter Schaltkreise (PICs). Die Komponenten sind für KI-Rechenzentren und datenintensive Netzwerke zentral.
Das Unternehmen hat sich finanziell breit aufgestellt. Rund 830 Millionen US-Dollar nahm POET in den letzten zwölf Monaten über Kapitalerhöhungen ein. Weitere 661 Millionen könnten durch die Ausübung ausstehender Optionsscheine hinzukommen. Die Liquidität sichert strategische Partnerschaften und schützt vor Engpässen bei kritischen Bauteilen.
Kundenprojekte in der Pipeline
CEO Dr. Suresh Venkatesan berichtet von mehr als zehn aktiven Kundenprojekten. Deren gemeinsames Potenzial: über 100 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Die ersten Massenlieferungen sind für die zweite Jahreshälfte 2026 angesetzt. Bis 2027 soll die Fertigungskapazität deutlich ausgeweitet werden.
Das Unternehmen stellt zudem rund 50 neue Mitarbeiter ein. Für 2028 ist der POET Blazar angekündigt – ein Hybridlaser für extrem schnelle Datenübertragung.
Kurs unter Druck
Die Börse reagiert verhalten. Die Aktie notiert bei 7,21 Euro und liegt damit 30 Prozent unter der 50-Tage-Linie. Seit dem Rekordhoch von 18,84 Euro im Mai hat sich der Kurs mehr als halbiert. Auf Jahressicht steht trotz der Korrektur ein Plus von knapp 18 Prozent.
Anleger wägen ab: Die finanziellen Mittel für den Hochlauf sind gesichert. Das operative Risiko einer schnellen Skalierung bleibt aber hoch. Der Produktionsstart im zweiten Halbjahr wird zeigen, ob POET die hohen Erwartungen erfüllen kann.
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