Die Aktie von POET Technologies rutscht weiter ab. Am Dienstag verliert das Papier 4,17 Prozent und schließt bei 5,97 Euro. Damit durchbricht der Kurs seine 200-Tage-Linie bei 6,84 Euro – ein technisches Warnsignal für langfristig orientierte Anleger.
Der Abwärtstrend zieht sich bereits seit Wochen. Binnen sieben Tagen hat die Aktie 18,55 Prozent verloren, auf Monatssicht sind es 30,66 Prozent. Der Halbleiterspezialist steckt in einer der volatilsten Phasen seiner Börsengeschichte.
Klagen und Auftragsstornierung belasten das Vertrauen
Der Kurssturz hat eine Vorgeschichte. Im April 2026 stornierte Celestial AI, eine Tochter von Marvell Semiconductor, eine größere Bestellung bei POET. Der Grund: ein angeblicher Vertraulichkeitsbruch. Die juristischen Folgen wirken bis heute nach.
Mehrere Sammelklagen laufen derzeit gegen das Unternehmen. Die Kläger werfen POET vor, den steuerlichen Status falsch dargestellt und Risiken verschwiegen zu haben, die letztlich zum Bruch mit Marvell führten.
Hinzu kommt personelle Unsicherheit. CFO Thomas Mika kündigte am 15. Mai 2026 seinen Rückzug zum Jahresende an. Eine Kapitalerhöhung über 400 Millionen US-Dollar per Direktplatzierung nährt zudem Sorgen vor einer Verwässerung bestehender Aktionäre.
Die Bilanz zeigt allerdings auch eine Stärke: Liquidität. Zum 31. März 2026 verfügte POET über eine Cash-Position von 429,1 Millionen US-Dollar. Die im Mai abgeschlossene Kapitalerhöhung hat dieses Polster weiter aufgestockt.
Der Blick richtet sich auf die zweite Jahreshälfte
Mit einem 14-Tage-RSI von 36,0 gilt die Aktie inzwischen als überverkauft. Der Markt fragt sich, ob POET seine angekündigte Hochlaufphase bei der Produktion tatsächlich einhalten kann. Für das zweite Halbjahr 2026 hat das Unternehmen mehrfach einen Produktionsstart im großen Maßstab für seine optischen Engines bestätigt.
Mehrere Meilensteine stehen bis Jahresende an:
- Malaysia-Werk: Hochlauf der 800G-Optikengine-Produktion beim Fertigungspartner
- Kundenaufträge: Erfüllung eines gemeldeten 50-Millionen-Dollar-Auftrags von Lumilens
- Skalierungsziel: Bis Ende 2027 will das Management eine Kapazität von einer Million Einheiten pro Monat erreichen
Beim Umsatz gibt es bereits Fortschritte. Im ersten Quartal 2026 stieg er auf 503.389 US-Dollar, gegenüber 169.000 US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten werten das als Fortschritt, betonen aber: Der Markt verlangt inzwischen handfeste Produktionsnachweise, keine Entwicklungsversprechen mehr.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 18,84 Euro, erreicht am 15. Mai 2026, beträgt mittlerweile 68,31 Prozent. Das unterstreicht, wie stark sich die Stimmung gedreht hat. Ob die Aktie die 200-Tage-Linie zurückerobern kann, dürfte sich an den ersten verifizierten Lieferzahlen aus Malaysia entscheiden.
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