Der KI-Zulieferer POET Technologies steckt in einer schwierigen Phase. Eine Wertpapier-Sammelklage belastet das Unternehmen zusätzlich zu operativen Herausforderungen. Im Zentrum stehen Steuerfragen und ein öffentlich gewordener Vertrauensbruch.
Neue Frist für Aktionäre
Mehrere Anwaltskanzleien haben Aktionäre an die laufende Sammelklage erinnert. Betroffen sind Anleger, die zwischen dem 15. Mai 2024 und dem 13. Mai 2025 in POET investiert waren.
Der Vorwurf: Das Unternehmen soll seinen Status als Passive Foreign Investment Company (PFIC) nicht korrekt offengelegt haben. Das wäre für US-Aktionäre steuerlich relevant. Zudem soll ein Vorstandsmitglied in einem Interview gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung verstoßen haben. Das könnte Geschäftsbeziehungen gefährden.
Betroffene Aktionäre müssen sich bis zum 29. Juni 2026 als Hauptkläger melden.
Quartalszahlen: Licht und Schatten
Das erste Quartal 2026 lieferte gemischte Signale. Der Umsatz lag mit 503.389 Dollar über den Analystenerwartungen. Die Prognose hatte nur bei rund 348.000 Dollar gelegen.
Die Kehrseite: Der Verlust je Aktie fiel mit 0,08 Dollar höher aus als erwartet. Analysten hatten mit minus 0,05 Dollar gerechnet. Grund sind die hohen Kosten für Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen arbeitet an einer optischen Plattform für schnelle KI-Netzwerke.
Finanzierung sorgt für Kursdruck
Ein milliardenschweres Geschäft belastet die Aktie zusätzlich. POET sicherte sich im Mai rund 400 Millionen Dollar von einem institutionellen Investor.
Die Emission: knapp 19 Millionen Aktien plus gleich viele Optionsscheine. Der Ausgabepreis lag bei 21,00 Dollar je Einheit – leicht über dem damaligen Börsenkurs von 20,57 Dollar. Die Warrants können zu 26,15 Dollar eingelöst werden, Laufzeit drei Jahre.
Das frische Geld soll in den Ausbau der Fertigung fließen. Die Aussicht auf künftige Aktienverwässerung drückt jedoch auf die Stimmung.
Entscheidender Aktionärsvotum im Juni
Die Unternehmensführung will das PFIC-Problem grundlegend lösen. Der Plan: den Firmensitz von Kanada in die USA verlegen.
Die Aktionäre stimmen im Juni darüber ab. Gelingt der Schritt, würde POET den Steuerstempel als ausländisches Unternehmen verlieren. Das könnte den Weg für institutionelle Großanleger ebnen, die solche Risiken bislang scheuten.
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