Innerhalb von sieben Tagen hat POET Technologies fast 30 Prozent seines Börsenwerts verloren. Hinter dem Einbruch stecken zwei unabhängige Belastungen — eine sektorweite Neubewertung und ein juristisches Erdbeben, das das Unternehmen seit Wochen erschüttert.
CPO-Verzögerung trifft die ganze Branche
Den unmittelbaren Auslöser lieferte ein Forschungsbericht des Analystenhauses SemiAnalysis vom 9. Juni 2026. Die Analysten prognostizieren, dass sich die kommerzielle Einführung von Co-Packaged Optics (CPO) auf 2028 bis 2029 verschieben dürfte — später als bisher erwartet. Das reichte, um einen breiten Ausverkauf im Bereich optischer Module und KI-Photonik auszulösen. POET verlor allein am Dienstag rund 13 Prozent im US-Handel.
Die technischen Hürden sind real. Hohe Systemausbeuten bleiben ein branchenweites Problem — nicht nur bei POET.
Klage, Kundenverlust, Kurscrash
Schwerer wiegt das juristische Erbe der vergangenen Wochen. Mehrere Sammelklagen laufen vor dem US-Bezirksgericht in New Jersey. Der Vorwurf: Das Unternehmen soll falsche Angaben zu seinem PFIC-Status gemacht und eine Vertraulichkeitsvereinbarung gebrochen haben.
Ausgangspunkt war ein Interview von CFO Thomas Mika am 21. April 2026. Danach stornierte Großkunde Celestial AI — über Marvell Semiconductor abgewickelt — sämtliche offenen Bestellungen. Die Folge: ein Tageseinbruch von rund 47 Prozent. Investoren, die zwischen dem 1. und 27. April Aktien kauften, haben bis zum 29. Juni Zeit, sich der Klage anzuschließen.
AGM als nächster Prüfstein
Vom Allzeithoch bei 18,84 Euro Mitte Mai ist die Aktie inzwischen mehr als halbiert. Der Kurs notiert knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,17 Euro — eine technisch fragile Zone.
Finanziell steht POET auf dünnem Eis. Im ersten Quartal stand einem Umsatz von rund 503.000 Dollar ein Nettoverlust von etwa 12,3 Millionen Dollar gegenüber. Eine milliardenschwere Finanzierungsrunde hat zwar frisches Kapital gebracht, aber auch die Aktionärsstruktur verwässert: 19,05 Millionen neue Aktien und Warrants wurden ausgegeben.
Als mittelfristigen Hoffnungsträger nennt das Management einen 50-Millionen-Dollar-Auftrag von Lumilens, der sich über fünf Jahre auf über 500 Millionen Dollar ausweiten könnte. Ob das trägt, wird die Hauptversammlung am 26. Juni zeigen — dort dürften Aktionäre klare Antworten zur Strategie einfordern.
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