POET Technologies Aktie: 500 Millionen Dollar von Lumilens über fünf Jahre

Der Halbleiterspezialist konzentriert sich auf die Abarbeitung bestehender Aufträge und plant eine Verzehnfachung der Produktionskapazität bis 2027.

Auf einen Blick:
  • Vertriebsstrategie wird umgestellt
  • Fokus auf bestehende Kundenaufträge
  • Produktionskapazität soll verzehnfacht werden
  • Finanzchef kündigt Ruhestand an

POET Technologies zieht die Reißleine bei der Vertriebsstrategie. Statt neue Kunden zu jagen, konzentriert sich der Halbleiterspezialist jetzt auf eines: Bestehende Aufträge in großem Stil abarbeiten. Die Aktie notiert bei 6,71 Euro und legt damit leicht um 0,45 Prozent zu — nach Wochen heftiger Kursschwankungen ein erster Hauch von Stabilität.

Kein Fokus mehr auf neue Kunden

Auf der jüngsten Hauptversammlung machte CEO Suresh Venkatesan die neue Marschrichtung klar. In den kommenden zwölf Monaten will POET kaum neue Kunden verkünden. Nur wenige große Ausnahmen sind möglich.

Der Grund: Die Pipeline an bereits gewonnenen Design-Aufträgen ist so prall gefüllt, dass sie die Ressourcen komplett auffrisst. Venkatesan will die Entwicklung abschließen, Produkte qualifizieren und die Fertigung für bestehende Kunden hochfahren. Das markiert den Übergang von der Forschungsphase zur echten Massenproduktion.

Zu den größten Verpflichtungen zählt eine Vereinbarung mit Lumilens. Sie startet mit einer Erstbestellung über 50 Millionen Dollar und kann sich über fünf Jahre auf mehr als 500 Millionen Dollar ausweiten.

Zehnfache Kapazität in Malaysia

Um die Nachfrage seiner Kunden zu stemmen, baut POET seine Fertigung radikal aus. Ziel ist eine Verzehnfachung der Produktionskapazität für optische Module: eine Million Einheiten pro Monat bis Ende 2027. Aktuell schafft der Konzern etwa eine Million Einheiten — pro Jahr.

Zentrum des Ausbaus ist Penang in Malaysia, wo POET über Vertragsfertiger mit Globetronics und NationGate Solutions arbeitet. Für die zweite Jahreshälfte 2026 plant der Konzern Investitionen von rund 50 Millionen Dollar in Spezialmaschinen und Lichtquellen-Equipment.

Das Kapital dafür ist vorhanden. In den vergangenen zwölf Monaten hat POET rund 830 Millionen Dollar an Eigenkapital eingesammelt, darunter eine im Mai 2026 abgeschlossene Kapitalerhöhung über 400 Millionen Dollar aus Aktien und Warrants.

Führungswechsel und Rechtsstreit

Während der Konzern operativ hochfährt, steht er auch vor personellen und rechtlichen Baustellen. Langjähriger Finanzchef Thomas Mika kündigte nach zehn Jahren im Amt seinen Ruhestand für später in diesem Jahr an. Der Aufsichtsrat sucht bereits einen Nachfolger — auch weil eine geplante Verlegung des Firmensitzes in die USA ansteht.

CEO und Executive Chairman Venkatesan bleibt hingegen im Amt und führt die technische und kommerzielle Expansion weiter. Diese Kontinuität an der Spitze dürfte wichtig sein, denn POET kämpft parallel mit Sammelklagen von Investoren. Die Vorwürfe drehen sich um angebliche Falschdarstellungen zum steuerlichen PFIC-Status sowie um einen früheren Streit über Vertraulichkeit mit einem ehemaligen Kunden.

Charttechnik zeigt Bodenbildungsversuch

Nach dem scharfen Rückgang von den Jahreshochs versucht die Aktie gerade, einen Boden zu finden. Der aktuelle Kurs von 6,71 Euro liegt nur noch 2,06 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 6,85 Euro — ein Bereich, der oft als Signal für eine mittelfristige Trendwende gilt.

Der RSI von 39,9 deutet darauf hin, dass sich der Verkaufsdruck der vergangenen Wochen allmählich beruhigt, ohne dass die Aktie bereits als überverkauft gilt. Mit einer annualisierten Volatilität von 98,40 Prozent bleiben die Kursausschläge jedoch enorm — der Markt wägt weiterhin die Verwässerung durch die jüngsten Kapitalerhöhungen gegen das Umsatzpotenzial der Lumilens-Vereinbarung und der Fertigungsexpansion ab.

Bis Ende 2027 muss POET liefern: die zehnfache Produktionskapazität, die Abarbeitung der bestehenden Kundenpipeline und einen Nachfolger für die Finanzchef-Position. Wie der Markt diese drei Baustellen bewertet, dürfte sich in den kommenden Quartalsberichten zeigen, wenn erste Zahlen zur Malaysia-Expansion vorliegen.

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