Die Aktie von POET Technologies zeigt am Mittwoch erste Stabilisierungstendenzen. Das Papier steigt um 1,35 Prozent auf 6,01 Euro. Nach einem brutalen Absturz von 30,20 Prozent binnen 30 Tagen ist das eine kleine Verschnaufpause.
Der eigentliche Test kommt erst noch. POET muss in der zweiten Jahreshälfte 2026 beweisen, dass aus der Strategie echte Stückzahlen werden.
Vom Entwicklungsprojekt zur Serienfertigung
POET Technologies befindet sich mitten im Umbau vom Vorserien-Unternehmen zum Massenhersteller. Für die zweite Hälfte 2026 plant der Konzern den Produktionshochlauf seiner integrierten optischen Engines. Das Management hat dafür rund 50 Millionen Dollar an Investitionen eingeplant.
Das Geld fließt in den Ausbau von Montage- und Testkapazitäten im malaysischen Fertigungsnetzwerk. Bis Ende 2027 will POET die Produktionskapazität auf eine Million Einheiten pro Monat steigern. Das wäre mehr als das Zehnfache des aktuellen Niveaus.
Im Zentrum der laufenden Produktion stehen 800G- und 1,6T-Optikmodule auf Basis der hauseigenen Optical-Interposer-Plattform. Parallel treibt POET die nächste Generation voran: gemeinsam mit Quantum Computing Inc. entwickelt der Konzern 3,2-Tbps-Optikmodule. Die im November 2025 geschlossene Partnerschaft kombiniert Hochleistungs-Modulatoren mit 400G pro Kanal mit der POET-Plattform. Fertigstellung: ebenfalls zweite Jahreshälfte 2026.
Kapitalpolster gegen Rechtsstreit
Für die Expansion hat sich POET in den vergangenen zwölf Monaten kräftig Kapital besorgt. Rund 830 Millionen Dollar an Eigenkapital sind zusammengekommen. Ein Teil davon sichert langfristige Lieferungen kritischer Bauteile, ein anderer finanziert rund 20.000 Quadratfuß zusätzliche Montagefläche in Malaysia.
Belastet wurde der Kurs zuletzt durch mehr als nur die branchenweite Neubewertung von KI-Hardware-Anbietern. POET musste sich mit einer Sammelklage auseinandersetzen, deren Frist für die Anmeldung als Hauptkläger am 29. Juni 2026 ablief. Diese Gemengelage aus juristischem Druck und Sektor-Skepsis erklärt einen Teil des scharfen Kursrückgangs der vergangenen Wochen.
Charttechnik: Nähe zum überverkauften Bereich
Der aktuelle Kurs liegt 68,10 Prozent unter dem Mai-Hoch von 18,84 Euro, aber weiterhin deutlich über dem November-Tief von 3,40 Euro. Der 14-Tage-RSI von 36,8 nähert sich der überverkauften Zone. Das könnte wertorientierte Käufer anlocken, die auf erste verifizierte Umsatzbeiträge aus der Produktionsrampe setzen.
Die Aktie notiert weiterhin unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 6,84 Euro. Eine nachhaltige Erholung dürfte davon abhängen, ob die malaysischen Partner tatsächlich in Volumen liefern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob aus der angekündigten Kapazitätserweiterung reale Auslieferungen werden — und ob das die Skepsis der vergangenen Wochen rechtfertigt oder widerlegt.
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