Während die Plug-Power-Aktie am Freitag im Zuge einer sektorweiten Erholungsbewegung bei Wasserstoff-Nebenwerten um 3,3 Prozent zulegte, richtet sich der Blick auf eine Entwicklung mit größerer Tragweite: Regulatorische Meldungen zeigen, dass institutionelle Anleger im zweiten Quartal ihre Bestände deutlich aufgestockt haben. Renaissance Technologies erhöhte seine Position um 98 Prozent, Handelsbanken Fonder AB baute seinen Anteil sogar um 440 Prozent aus.
Der Kursausschlag vom Freitag selbst war laut Medienberichten weniger fundamental begründet als vielmehr Ausdruck einer allgemeinen Kaufbereitschaft bei kleineren, volatilen Wasserstoff-Titeln nach einem vorangegangenen Ausverkauf der Branche. Neue unternehmensspezifische Nachrichten lieferte der Tag nicht.
Institutionelles Vertrauen trifft auf technische Skepsis
Der deutliche Positionsaufbau der beiden Fondsgesellschaften fällt in eine Phase, in der Plug Power operativ Fortschritte zeigt. Vor gut einer Woche hatte das Unternehmen für das zweite Quartal einen Umsatz von 178,3 Millionen US-Dollar gemeldet und damit die Konsensschätzung von rund 169 Millionen US-Dollar übertroffen.
Die Bruttomarge verbesserte sich von minus 30,7 Prozent im Vorjahreszeitraum auf minus 0,9 Prozent. Das Management hob zudem die Umsatzwachstumsprognose für das laufende Geschäftsjahr auf eine Spanne von 15 bis 16 Prozent an, nach zuvor 13 bis 15 Prozent, und hält am Ziel fest, im vierten Quartal ein positives EBITDAS zu erreichen. Seit der Zahlenvorlage hat sich der Kurs um 2,1 Prozent zurückgezogen.
Diesem fundamentalen Aufwärtstrend steht eine technische Einschätzung entgegen: Der Analysedienst StockInvest.us stufte die Aktie am Donnerstag von „Hold“ auf „Sell Candidate“ herab und verwies auf negative Signale bei kurz- und langfristigen gleitenden Durchschnitten. Ein solches automatisiertes Screening-Urteil ersetzt keine fundamentale Analyse, zeigt aber, dass die Marktstimmung gespalten bleibt.
Kursziele der Analysehäuser weit gestreut
Die Reaktionen der Analystenhäuser auf die Quartalszahlen vor gut einer Woche fielen uneinheitlich aus. H.C. Wainwright-Analyst Amit Dayal bekräftigte am 13. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 7,00 US-Dollar und verwies auf den Umsatzüberschuss sowie die angehobene Jahresprognose.
Susquehanna senkte dagegen sein Kursziel von 3,75 auf 2,50 US-Dollar bei neutraler Einstufung, während Morgan Stanley sein Ziel von 1,50 auf 1,65 US-Dollar anhob, aber bei „Underweight“ blieb. BMO Capital Markets bestätigte seine negative Einstufung „Underperform“.
Bilanz und Liquidität im Blick
Neben dem operativen Geschäft rückt die Kapitalstruktur in den Fokus: Der Quartalsbericht bestätigte, dass die Zahl der genehmigten Stammaktien nach einer Aktionärsabstimmung im Februar von 1,5 Milliarden auf 3 Milliarden verdoppelt wurde. Zum 30. Juni verfügte Plug Power über frei verfügbare liquide Mittel von 161,9 Millionen US-Dollar.
Über sein Programm zur Vermögensmonetarisierung sammelte das Unternehmen im Juli und August rund 47 Millionen US-Dollar ein, unter anderem durch den bereits vor rund einem Monat vollzogenen Verkauf des Graham-Projekts in Texas sowie den gestaffelten Abschluss der New-York-Gateway-Anlage.
Auf Projektebene meldete Plug Power vor gut einer Woche zudem die endgültige Investitionsentscheidung für das 30-Megawatt-Projekt Barrow Green Hydrogen für Carlton Power in Großbritannien sowie die Auswahl für einen FEED-Auftrag über 275 Megawatt im Rahmen des Courant-Projekts von Hy2gen in Québec.
Mit einem Schlusskurs von 1,94 Euro notiert die Aktie derzeit rund 52 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 4,04 Euro vom 6. Oktober, aber gut 62 Prozent über dem Jahrestief von 1,20 Euro vom 5. September. Der stark zunehmende institutionelle Zuspruch trifft damit auf eine Aktie, die sich technisch noch nicht von ihren tieferen Ständen gelöst hat.
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