Es gibt Aktien, bei denen die Wall Street ein einigermaßen geschlossenes Bild abgibt. Plug Power gehört gerade nicht dazu. Innerhalb weniger Tage Anfang August meldeten sich gleich fünf Analysehäuser zu Wort – und lieferten ein Bild, das eher an ein Vexierbild erinnert als an einen Analystenkonsens.
Roth Capital hob sein Kursziel Mitte August von 3,50 auf 5,00 Dollar an und bekräftigte die Kaufempfehlung. Nur einen Tag zuvor hatte UBS ebenfalls ein Kursziel von 5,00 Dollar ausgerufen, verbunden mit einem Buy-Rating.
Noch optimistischer zeigte sich HC Wainwright mit einem Kursziel von 7,00 Dollar. Craig Hallum reihte sich mit einer eigenen Kaufempfehlung ein. Und dann, mittendrin, Oppenheimer Holdings: Market Perform, sprich neutral – eine bewusste Abgrenzung von der Euphorie der Konkurrenz.
Eine Branche im Umbruch, eine Aktie als Spiegelbild
Genau diese Zerrissenheit macht Plug Power zu einem interessanten Fall für alle, die den Wasserstoffsektor als Ganzes beobachten. Die Wette auf grünen Wasserstoff war über Jahre eine Wette auf die Zukunft der Industrie – auf eine Welt, in der Gabelstapler, Lkw und Kraftwerke mit Brennstoffzellen statt mit fossilen Antrieben laufen. Diese Vision ist nicht verschwunden, aber sie ist teurer und langwieriger geworden, als es die ersten Kursziele der frühen 2020er-Jahre suggerierten.
Wer sich die Historie der jüngsten Kursziel-Bewegungen ansieht, erkennt ein Muster: Wo die einen Häuser Fortschritt sehen, sehen die anderen weiterhin strukturelle Risiken.
Morgan Stanley beispielsweise hob Anfang Juli sein Kursziel zwar leicht von 1,50 auf 1,65 Dollar an – beließ die Aktie aber bei einem Underweight-Rating. Das ist bezeichnend: Selbst eine positive Kursziel-Korrektur bedeutet nicht zwangsläufig eine positive Einschätzung des Geschäftsmodells. Susquehanna senkte sein Kursziel im Juli sogar von 3,75 auf 2,50 Dollar.
Parallel dazu bewerteten automatisierte Ratingdienste wie Weiss Ratings und Wall Street Zen die Aktie zuletzt eher skeptisch – solche Einschätzungen sind aber eher ein Randnotiz als ein echtes Signal für Anleger.
Der Kurs bleibt der eigentliche Schiedsrichter
Die Aktie selbst notiert aktuell bei 1,86 Euro und damit spürbar unterhalb selbst der vorsichtigeren Kursziele mancher Analysten – umgerechnet liegen etwa die Ziele von Morgan Stanley oder Susquehanna näher am derzeitigen Niveau als jene von HC Wainwright oder UBS.
Diese Kluft zwischen Kurszielen und Realkurs ist selten so groß gewesen wie in den vergangenen Wochen, und sie zeigt, wie unsicher selbst Profis bei der Bewertung von Wasserstoffwerten geworden sind.
Zum Vergleich: Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs um 53 Prozent erholt, was zeigt, dass die Aktie durchaus zu heftigen Bewegungen fähig ist – in beide Richtungen. Gleichzeitig liegt sie weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 4,04 Euro, das im Oktober vergangenen Jahres markiert wurde.
Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich derzeit die gesamte Debatte um Plug Power: Ist der jüngste Rücksetzer eine Verschnaufpause auf dem Weg zurück zur alten Stärke, oder ist er Ausdruck eines strukturellen Problems, das auch großzügige Kursziele nicht kaschieren können?
Eine endgültige Antwort liefert keiner der genannten Analysten. Was bleibt, ist ein Unternehmen, das zwischen Wachstumsversprechen und Skepsis hin- und hergerissen wird – und eine Aktie, die genau das widerspiegelt: hohe Schwankungsbreite, geteilte Meinungen, und eine Branche, die noch immer nach ihrem endgültigen Platz in der Energiewende sucht. Wer in Plug Power investiert ist, investiert letztlich in diese offene Frage mit.
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