Plug Power steht vor einer entscheidenden Woche. Am 25. Juli läuft eine Prüffrist ab, die über Millionen an frischer Liquidität entscheidet. Die Aktie legte am Dienstag um 5,76 Prozent auf 1,98 Euro zu — Anleger positionieren sich offenbar vor dem Stichtag.
Ein Käufer mit Ausstiegsrecht
Im Zentrum steht der Verkauf des texanischen Graham-Projekts an Stream US Data Centers. Der Deal ist Teil von Plug Powers Programm, durch Anlagenverkäufe Kapital freizusetzen. Das sogenannte Limestone Agreement räumt Stream eine Prüffrist bis zum 25. Juli 2026 ein. In dieser Zeit kann Stream den Vertrag nach eigenem Ermessen kündigen.
Genau das macht die kommenden Tage zur Zitterpartie. Stream hat zugesagt, 50 Millionen Dollar sofort für das Graham-Projekt zu zahlen. Hinzu kommen rund 14 Millionen Dollar an Kautionsleistungen, sobald Plug die Netzanschlusspflichten überträgt. Weitere 26,5 Millionen Dollar sind möglich, falls die finale Anschlusskapazität den Zielwert von 164 Megawatt erreicht.
Plug Power plant den Abschluss für den 31. Juli. Bis dahin behält Stream jedoch die volle Kontrolle über den Ausstieg. Sinkt die finale Anschlussleistung unter den Zielwert, schrumpft zudem die variable Zahlung automatisch.
Kasse schmilzt schneller als geplant
Der Druck hinter dem Deal ist real. Plug Power verfügte zum 30. Juni über rund 162 Millionen Dollar an frei verfügbaren Mitteln. Das ist ein Rückgang von 27 Prozent gegenüber den 223,2 Millionen Dollar Ende März. Allein im ersten Quartal verbrannte das operative Geschäft 150 Millionen Dollar.
Gehen alle geplanten Transaktionen wie vorgesehen über die Bühne, würde sich die Liquidität auf etwa 242,5 Millionen Dollar erhöhen. Das laufende Tagesgeschäft nach dem 30. Juni ist darin noch nicht eingerechnet.
Ein zweiter Verkauf bringt kurzfristig weniger Entlastung. Das New Yorker Gateway-Projekt ist mit 142 Millionen Dollar zwar größer bewertet. Der Abschluss für die restlichen Vermögenswerte zieht sich aber bis März 2027 hin, weil staatliche Umwelt- und Regulierungsprüfungen noch laufen.
Analysten uneins, Kurs unter Druck
An der Wall Street herrscht Uneinigkeit über die Aktie. Susquehanna senkte das Kursziel auf 2,50 Dollar, hält aber an „Neutral“ fest. Morgan Stanley hob sein Kursziel auf 1,65 Dollar an, bleibt jedoch bei „Underweight“. Wells Fargo setzte das Kursziel ebenfalls auf 2,50 Dollar herauf und bestätigte „Equal-Weight“. RBC Capital bekräftigte im Juli seine Hold-Einstufung, während BMO Capital zur gleichen Zeit ein Sell-Rating vergab.
CEO Jose Luis Crespo bezeichnet die Anlagenverkäufe als „einen zentralen Baustein unserer diesjährigen Strategie“. Das Unternehmen fokussiere sich auf Margen, Liquidität und den Ausbau der Projekt-Pipeline, so Crespo.
Der Kurs bleibt trotz des jüngsten Sprungs angeschlagen. Mit 1,98 Euro notiert die Aktie fast 47 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 3,72 Euro aus dem Juni. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 2,60 Euro liegt deutlich höher — ein Zeichen, dass der jüngste Ausschlag den mittelfristigen Abwärtstrend bislang nicht bricht.
Zwei Szenarien, ein Stichtag
Die kommenden Tage laufen auf ein klares Entweder-oder hinaus. Lässt Stream die Prüffrist ohne Kündigung verstreichen, rückt Plug Power dem Abschluss zum 31. Juli und damit der dringend benötigten Liquidität ein Stück näher. Zieht sich Stream hingegen zurück, fehlt der größte Einzelposten der von Plug Power erwarteten 80 Millionen Dollar an kurzfristiger Liquidität — und der Blick auf den nächsten Quartalsbericht dürfte deutlich kritischer ausfallen.
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