Wer bei Plug Power auf den Chart schaut, sieht vor allem eines: Ernüchterung. Von 3,72 Euro im Juni auf jetzt 1,85 Euro – die Aktie hat sich seit ihrem 52-Wochen-Hoch mehr als halbiert. Und doch steckt in dieser Geschichte mehr als nur ein weiterer gescheiterter Wasserstoff-Hype.
Der grüne Wasserstoff hat seine Phase der großen Visionen hinter sich. Jetzt beginnt die Phase der harten Arbeit – und Plug Power steckt mittendrin in diesem Übergang.
Vom Wachstumsrausch zur Disziplin
Das Unternehmen vollzieht gerade einen Kurswechsel, der so manchem Wachstumsversprechen der vergangenen Jahre widerspricht. Statt „Wachstum um jeden Preis“ heißt die neue Devise „Weg zur Profitabilität“. Konkret bedeutet das: Plug Power zieht sich aus Teilen der heimischen Wasserstoffproduktion zurück und konzentriert sich stärker auf den Elektrolyseur-Verkauf und internationale Projekte.
Der Grund für diese Neuausrichtung ist simpel: Liquidität. Das Unternehmen hat zuletzt Vermögenswerte verkauft, um Kasse zu machen. Das Texas-Projekt in Graham ging über den Tisch, ebenso ein neu verhandelter Deal für den New-York-Standort Gateway mit Stream Data Centers. Allein der Texas-Verkauf soll rund 90,5 Millionen US-Dollar an zusätzlicher Liquidität bringen.
Die Zahlen zeigen, warum dieser Schritt nötig war. Im ersten Quartal 2026 erzielte Plug Power einen Umsatz von 163,51 Millionen US-Dollar – mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich blieb trotzdem ein Nettoverlust von 245,3 Millionen US-Dollar. Umsatzwachstum ist eine Sache. Profitabilität eine ganz andere.
Das Management hält trotzdem an ambitionierten Zielen fest: EBITDAS-positiv im vierten Quartal 2026, ein positives operatives Ergebnis bis Ende 2027, vollständige Profitabilität bis Ende 2028. Drei Zeitmarken, die zeigen, wie viel Geduld dieses Geschäftsmodell noch braucht.
Projekte laufen, die Stimmung nicht
Während die Bilanz Sorgen macht, läuft das operative Geschäft an mehreren Fronten weiter. Im Mai 2026 fiel die finale Investitionsentscheidung für das 30-Megawatt-Projekt Barrow Green Hydrogen in Großbritannien. Plug Power liefert dafür sechs 5-Megawatt-PEM-Elektrolyseure der GenEco-Reihe. Das Projekt soll künftig jährlich rund 100 Gigawattstunden grünen Wasserstoff an ein Kimberly-Clark-Werk liefern.
Auch der Hunter Valley Hydrogen Hub in Australien, ein 50-Megawatt-Vorhaben, hat seine finale Investitionsentscheidung erreicht. Das Elektrolyseur-Geschäft wächst dabei überproportional – getrieben von der Nachfrage aus Europa und einem regulatorischen Umfeld, das grünen Wasserstoff dort begünstigt.
Nur: Die Börse honoriert das derzeit nicht. Die gesamte Wasserstoffbranche kämpft mit einer abkühlenden Investorenstimmung, und Plug Power bekommt das besonders deutlich zu spüren. Die Aktie notiert 29,91 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 17,08 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 27 signalisiert einen überverkauften Zustand – ein Hinweis darauf, dass der Abwärtsdruck der letzten Wochen ungewöhnlich stark war.
Bemerkenswert ist der Gegensatz zum Analystenkonsens: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 3,10 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von rund 67 Prozent entspräche. Zwischen Markteinschätzung und Kursverlauf liegt derzeit eine erhebliche Lücke.
Die eigentliche Frage bleibt offen
Der langfristige Trend spricht für die Wasserstoffwirtschaft. Neue Nachfragetreiber wie der Strombedarf von KI-Rechenzentren könnten dem Sektor mittelfristig neuen Schub geben. Für Plug Power bleibt aber die entscheidende Frage: Reicht das gefüllte Projektportfolio aus, um aus technologischer Führungsrolle tatsächlich nachhaltigen, profitablen Wachstum zu machen?
Bislang liefert das Unternehmen auf diese Frage nur Teilantworten. Die Projekte in Großbritannien und Australien zeigen, dass die Nachfrage nach der Technologie da ist. Die Bilanz zeigt, dass der Weg zur schwarzen Null noch lang ist. Die kommenden Quartale bis zum angepeilten EBITDAS-Turnaround Ende 2026 dürften zeigen, welche der beiden Geschichten am Ende überwiegt.
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