Pirelli-Aktie: Chinesischer Großaktionär lenkt ein!

Sinochem legt Vorschlag zur Lösung des Governance-Streits bei Pirelli vor, um drohende US-Marktrisiken abzuwenden.

Auf einen Blick:
  • Sinochem schlägt strukturierte Lösung für Governance-Konflikt vor
  • Über 20 Prozent des Umsatzes kommen aus den USA
  • Camfin will Aktionärspakt mit Chinesen nicht verlängern
  • US-Regierung verschärft Restriktionen gegen chinesische Technologie

Der chinesische Großaktionär Sinochem bewegt sich. Nach wochenlangem Tauziehen um die Kontrolle bei Pirelli hat die Sinochem-Tochter China National Tire & Rubber am Montag einen Vorschlag vorgelegt. Dieser soll sowohl die Governance-Fragen als auch mögliche US-Regulierungsprobleme lösen. Die Chinesen halten 34 Prozent an dem italienischen Reifenhersteller und sind damit größter Einzelaktionär.

Der Konflikt eskalierte, nachdem Pirellis Aufsichtsrat im vergangenen Jahr das Ende der chinesischen Kontrolle erklärte. Italienische Regulierer hatten Druck gemacht und sogenannte Golden-Power-Regeln ins Spiel gebracht. Sinochem bestreitet diese Einschätzung vehement und pocht auf seine Position als größter Anteilseigner.

Doch der Streit hat längst eine neue Dimension erreicht. Über 20 Prozent seines Umsatzes erzielt Pirelli in den USA. Genau dort verschärft Washington gerade die Restriktionen gegen chinesisch kontrollierte Technologie in vernetzten Fahrzeugen. Pirelli-Manager warnen bereits offen, dass ungelöste Governance-Fragen den Zugang zum US-Markt gefährden könnten.

Camfin zieht die Notbremse

Der zweitgrößte Investor Camfin, Vehikel des stellvertretenden Aufsichtsratschefs Marco Tronchetti Provera mit 25,3 Prozent Anteil, hat vergangene Woche bereits Konsequenzen gezogen. Der Aktionärspakt mit Sinochem wird nicht verlängert. Begründung: Die Governance lasse sich nicht an die US-Anforderungen anpassen. Camfin plant gleichzeitig, den eigenen Anteil auf bis zu 29,9 Prozent aufzustocken.

Sinochem spricht nun von einer strukturierten Lösung auf Basis internationaler Best Practice. Details nennt die Gruppe allerdings nicht. Man sei bereit für Gespräche in gutem Glauben mit allen Beteiligten und hoffe auf eine neutrale, faktenbasierte Prüfung des Vorschlags.

Die italienische Regierung prüft derweil eigene Optionen. Im Raum steht, Sinochems Einfluss zu begrenzen oder die Chinesen sogar zu passiven Aktionären zu machen. Für Pirelli wird die Zeit knapp. Ohne Lösung droht der Verlust wichtiger US-Geschäfte. Ob Sinochems Vorschlag ausreicht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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