Pfisterer hat sich ein Patent für eine steckbare HVDC-Verbindungstechnologie gesichert. Die Neuerung fügt sich in eine Woche, in der der Kabelspezialist mit soliden Halbjahreszahlen und einem prall gefüllten Auftragspolster aufwartete – und dennoch mit einer nervösen Aktie kämpft.
Auftragsbestand reicht bis 2027
Der Auftragsbestand lag zum 30. Juni bei 340,3 Millionen Euro, ein deutliches Plus gegenüber den 312,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Nach Unternehmensangaben deckt dieses Polster die Produktion bereits bis in das Jahr 2027 ab.
Der Auftragseingang im ersten Halbjahr fiel mit 263,0 Millionen Euro zwar niedriger aus als die 290,2 Millionen Euro des Vorjahres, gilt aber als erwartete Normalisierung nach zuvor außergewöhnlich hohen Eingängen. Zugleich bestätigte das Unternehmen seine Mittelfristprognose bis 2030 – ein Signal, dass der Wachstumspfad trotz der Normalisierung bei den Neuaufträgen intakt bleibt.
Das frisch erteilte Patent für die steckbare HVDC-Verbindungstechnologie zielt auf ein Segment, das mit dem Ausbau von Gleichstromnetzen für die Energiewende an Bedeutung gewinnt.
Verbindungstechnik für Hochspannungs-Gleichstromübertragung gilt als technisch anspruchsvoll, steckbare Lösungen können Installationszeiten und Wartungsaufwand senken. Für Pfisterer ist die Patenterteilung damit mehr als eine technische Randnotiz – sie untermauert den Anspruch, im Zukunftsfeld HVDC eine eigene Position zu besetzen.
Starke Zahlen, schwache Reaktion
Die zugrundeliegenden Halbjahreszahlen fielen kräftig aus: Der Umsatz kletterte um 20,2 Prozent auf 256,7 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 33 Prozent auf 52,4 Millionen Euro zu, der Nettogewinn sprang um 76 Prozent auf 38,3 Millionen Euro.
Im zweiten Quartal übertraf der Gewinn je Aktie von 1,11 Euro die Konsenserwartung von 0,86 Euro deutlich. Dennoch reagierte der Markt zunächst mit Verkäufen – die Aktie büßte nach Veröffentlichung der Zahlen rund neun Prozent ein.
Diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursreaktion zeigt sich auch in den aktuellen Handelsdaten. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 73,20 Euro, nach einem Tagesplus von 2,0 Prozent. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von 10 Prozent stehen, was den Nachhall der enttäuschten Kursreaktion auf die Quartalszahlen widerspiegelt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 114,60 Euro, erreicht im Mai, trennen die Aktie inzwischen 36 Prozent.
Kapazitätsausbau als strategischer Hebel
Die vor rund drei Wochen angekündigte Verdreifachung der Produktionskapazität am tschechischen Standort Kadaň fügt sich in dieses Bild eines Unternehmens, das trotz der Normalisierung beim Auftragseingang auf weiteres Wachstum setzt. Zusammen mit dem neuen Patent und dem bis 2027 reichenden Auftragsbestand ergibt sich ein Bild struktureller Stärke, das im Kontrast zur kurzfristigen Kursschwäche steht.
Auch von Analystenseite gab es zuletzt Rückenwind: Oddo BHF stufte die Aktie am 11. August auf „Buy“ mit einem Kursziel von 95 Euro hoch. Gemessen am aktuellen Kursniveau impliziert das erhebliches Aufwärtspotenzial, sollte sich die fundamentale Entwicklung in den kommenden Quartalen in einer stabileren Kursreaktion niederschlagen.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob der Markt die technologische und operative Substanz – Patent, Kapazitätsausbau und gesicherter Auftragsbestand – künftig stärker honoriert als in der jüngsten Vergangenheit.
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