Rekordumsatz, deutlich mehr Gewinn – und trotzdem ein Kurs, der seit Wochen abrutscht. Bei PFISTERER klafft die operative Realität und die Börsenbewertung derzeit weit auseinander. Der Halbjahresbericht vom 19. August 2026 liefert die Erklärung für diesen Widerspruch.
Kadaň wächst, Amerika bremst
Auf der Telefonkonferenz zu den Zahlen ging es zunächst um die Expansionspläne am tschechischen Standort Kadaň. Vorstand Johannes Linden bestätigte, dass PFISTERER dort in zwei Schritten Flächen gekauft hat. Im Vorjahr waren es rund 50.000 Quadratmeter, in diesem Jahr kamen weitere 45.000 Quadratmeter hinzu, inklusive Lager- und Bürogebäuden. Ob das Unternehmen weitere Grundstücke sichern will, ließ das Management offen. Man befinde sich weiterhin in Verhandlungen, hieß es lediglich.
Weniger erfreulich fiel der Blick auf das Amerika-Geschäft aus. Die Region North und South America verzeichnete im zweiten Quartal einen deutlichen Ergebnisrückgang. Das EBITDA fiel auf 1,4 Millionen Euro, nach 4,1 Millionen Euro im ersten Quartal – trotz leicht gestiegenem Umsatz.
Linden nannte den Grund: einen ungünstigeren Projektmix. Im ersten Quartal hatten ein margenstarkes Projekt in Argentinien und eine gute US-Marge für ein starkes Zwischenergebnis gesorgt. Im zweiten Quartal dominierten dagegen vorkonfektionierte Kabel mit hohem Fremdmaterialanteil – das drückte die Marge.
Konzernweit stimmt die Dynamik
Auf Konzernebene zeigt sich ein deutlich freundlicheres Bild. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 stieg um 20,2 Prozent, das bereinigte EBITDA legte um 32,7 Prozent zu. Im zweiten Quartal erreichte PFISTERER mit 129,8 Millionen Euro einen Rekordumsatz, ein Plus von 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das bereinigte EBITDA kletterte im selben Zeitraum um 33,4 Prozent auf 24,7 Millionen Euro. Bemerkenswert: Die Bruttomarge liegt bereits im vierten Quartal in Folge über 40 Prozent. Das deutet auf eine strukturelle Verbesserung der Profitabilität hin, nicht nur auf einen kurzfristigen Ausreißer.
Der Auftragsbestand von 340 Millionen Euro reicht bereits bis ins Jahr 2027. Das gibt PFISTERER eine gewisse Planungssicherheit, auch wenn sich der Auftragseingang gegenüber dem sehr hohen Vorjahresniveau normalisiert hat.
Der Markt sieht die Zahlen anders
An der Börse kommt diese operative Stärke bislang nicht an. Die Aktie schloss am Freitag bei 73,20 Euro, ein Plus von 2,0 Prozent – auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von 10 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 114,60 Euro, aufgestellt am 18. Mai 2026, trennen den Titel inzwischen rund 36 Prozent.
Der RSI-Wert von 39,6 signalisiert keine überverkaufte Lage, aber auch keine unmittelbare Erholungstendenz. Die hohe annualisierte Volatilität von 57 Prozent zeigt: Anleger preisen weiterhin erhebliche Unsicherheit ein, trotz der soliden Geschäftszahlen.
Investitionen als nächster Prüfstein
Für die kommenden Wochen rückt vor allem eine Frage in den Fokus: Wie entwickelt sich das für 2026 geplante Investitionsvolumen von 65 Millionen Euro angesichts der laufenden Flächenkäufe in Kadaň und des Baus des HVDC-Qualifizierungszentrums in Winterbach? Das Management bekräftigte zudem die Mittelfristprognose bis 2030 – der Umsatz soll dann auf 800 bis 900 Millionen Euro steigen.
Entscheidend wird sein, ob sich die schwächere Entwicklung im Amerika-Geschäft im dritten Quartal fortsetzt. Findet PFISTERER dort zu einem ausgewogeneren Projektmix zurück, dürfte das die Diskrepanz zwischen Zahlen und Kurs weiter verkleinern.
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