Pernod Ricard-Aktie: Krieg, Kater und ein Konkurrent!

Der Spirituosenkonzern senkt seine Jahresprognose nach enttäuschenden Quartalszahlen. Politische Konflikte und veränderte Konsumgewohnheiten belasten das Geschäft.

Auf einen Blick:
  • Pernod Ricard erwartet für das Gesamtjahr einen organischen Umsatzrückgang von 3% bis 4%
  • Der Nahost-Konflikt belastet das Travel-Retail-Geschäft spürbar
  • USA-Umsatz brach im Quartal um 12% ein, China-Umsatz um 7%
  • Sazerac bietet rund 15 Milliarden Dollar für Brown-Forman und stört Pernods Fusionspläne

Pernod Ricard hat dieser Tage mehr Probleme als ein Barkeeper kurz vor Sperrstunde. Der Absolut-Vodka- und Jameson-Konzern meldete für das dritte Quartal bis März Umsätze von knapp 1,945 Milliarden Euro, organisch ein hauchdünnes Plus von 0,1 Prozent. Reported, also nach Wechselkurseffekten, ein Minus von fast 15 Prozent. Und das war noch der bessere Teil der Meldung.

Der Krieg trifft den Duty-Free

Denn der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran hat Golfhubs lahmgelegt und Fluglinien aus der Region verbannt. Das trifft Pernods Travel-Retail-Sparte direkt. Zwar wuchs das Segment im Quartal noch um 11 Prozent, befeuert vom Lunar New Year und einem Kreuzfahrt-Aufschwung. Doch fürs Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem Rückgang in diesem Bereich. Entsprechend hat Pernod die Jahresprognose gesenkt: organisch sollen die Nettoumsätze um 3 bis 4 Prozent fallen. Im Vorjahr waren es schon minus 3 Prozent.

Pernod Ricard SA Aktie Chart

Amerika trinkt weniger, China auch

In den USA brachen die Umsätze im Quartal um 12 Prozent ein. Gesundheitsbewusste Konsumenten meiden Alkohol, demnach versucht Pernod mit neuen Produkten gegenzusteuern: Absolut mit Tabasco-Geschmack, dreifach destillierter Jameson, pinker Malibu mit Tropenfrüchten. Ob das reicht?

In China läuft es ebenfalls nicht rund. Die Antikorruptionskampagne der Partei drückt den Absatz von Martell-Cognac und Scotch Whisky, die Konsumstimmung bleibt gedrückt. Chinas Umsatz fiel im Quartal um 7 Prozent, im bisherigen Geschäftsjahr liegt das Minus bei fast einem Viertel. Einzig Indien liefert einen Lichtblick: dort legte der Umsatz um 11 Prozent zu.

Und dann ist da noch Brown-Forman

Finanzchefin Helene de Tissot bestätigte auf einer Analystenkonferenz, dass die Fusionsgespräche mit Brown-Forman, dem Hersteller von Jack Daniel’s, „ongoing“ seien. Mehr wollte sie nicht sagen. Das Problem: Der US-Spirituosenkonzern Sazerac hat nun ebenfalls ein Angebot über rund 15 Milliarden Dollar für Brown-Forman auf den Tisch gelegt. Pernod bekommt also Konkurrenz im Übernahmepoker, ausgerechnet in einem Moment, in dem der eigene Laden brennt.

Absolut mit Tabasco, und trotzdem kein Feuer unter dem Kurs.

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