Ausgangslage
Die Übernahmegespräche zwischen PayPal und dem Duo Stripe/Advent International könnten laut einem Medienbericht in den kommenden Wochen zu einer Einigung führen. Das ursprüngliche Angebot von 60,50 Dollar je Aktie, das PayPal im Juli auf Basis von umgerechnet 53 Milliarden Dollar Unternehmenswert erhalten und abgelehnt hatte, gilt als überholt.
Nun rückt die Frage in den Mittelpunkt, welchen Preis Stripe und Advent nachlegen müssen, damit PayPal-Chef Enrique Lores von „überlegenem Wert“ für die Aktionäre sprechen kann.
Für Anleger ist das keine abstrakte Personalie, sondern die zentrale Weiche der kommenden Wochen: Kommt ein Deal zustande, dürfte er den Kurs deutlich bewegen. Scheitert er, rückt die operative Entwicklung von PayPal wieder in den Vordergrund.
An der Börse notierte das Papier zuletzt bei 52,24 Euro, nach einem Rückgang von 1,8 Prozent am Vortag. Über die vergangenen sieben Handelstage hat sich der Kurs um 2,2 Prozent erholt, auf Sicht von 30 Tagen um 4,9 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 70,78 Euro, erreicht Ende Oktober 2025, trennen die Aktie aber weiterhin 26 Prozent – ein Abstand, der die Spanne markiert, in der sich Übernahmefantasie und Skepsis derzeit bewegen.
Die entscheidende Frage
Der eine Faktor, der über die kommenden Wochen entscheidet: Wie hoch treibt Stripe sein Gebot, und wo liegt die Schmerzgrenze, ab der PayPal zustimmt?
Lores hat öffentlich signalisiert, dass 60,50 Dollar den Wert des Unternehmens nicht korrekt widerspiegeln. Damit ist die Verhandlung auf eine reine Preisfrage reduziert – nicht auf die grundsätzliche Bereitschaft zu einem Verkauf. Jede neue Meldung zur Bewertungsspanne wird den Kurs kurzfristig stärker bewegen als operative Nachrichten aus dem Tagesgeschäft.
Bullisches Szenario
Sollten sich Stripe und Advent tatsächlich auf ein höheres Gebot einigen, hätte die Aktie erheblichen Nachholbedarf zum bisherigen 52-Wochen-Hoch. Ein Abschluss würde zudem die aktuellen Fortschritte im Sparprogramm honorieren: PayPal will bis Jahresende rund 400 Millionen Dollar an Kosten einsparen und langfristig mindestens 1,5 Milliarden Dollar an jährlichen Einsparungen erzielen, unter anderem durch den Abbau von drei Organisationsebenen.
Ein Käufer würde diese Restrukturierung mit übernehmen, was das Argument für einen höheren Preis stützt. Auch die zuletzt über den 50- und 200-Tage-Durchschnitten liegende Kursentwicklung – die Aktie notiert rund 19 Prozent über beiden Linien – deutet darauf hin, dass der Markt eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Abschluss bereits einpreist.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in einer Hängepartie oder einem endgültigen Scheitern der Gespräche. PayPal hat bereits ein Angebot abgelehnt, ohne dass ein neues vorliegt. Zieht sich die Preisfindung monatelang hin oder springt Stripe ab, dürfte die Übernahmeprämie aus dem Kurs verschwinden. Die annualisierte Volatilität von 55 Prozent über 30 Tage zeigt, wie nervös der Markt die Situation bereits handelt.
Kommt es zu keiner Einigung, müsste PayPal allein mit dem eigenen Turnaround überzeugen – und dort bestehen Unsicherheiten: Finanzchefin Jamie Miller hatte für die zweite Jahreshälfte transformationsbedingte Sonderbelastungen von 120 bis 140 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, die kurzfristig auf die Marge drücken können.
Auch Insiderverkäufe mehrerer Führungskräfte im Rahmen vorab festgelegter Handelspläne – darunter der Chief Accounting Officer und der Präsident der Sparte Checkout Solutions – ändern zwar nichts an der fundamentalen Lage, sind aber ein Signal, das manche Anleger als Vorsicht deuten.
Ausblick
Solange die Verhandlungen mit Stripe und Advent als aktiv und ernsthaft gelten, dürfte die Aktie von der Übernahmefantasie getragen bleiben und Rücksetzer eher begrenzt ausfallen.
Kippt diese Erwartung – etwa durch eine offizielle Absage einer der beiden Seiten oder ein erneut als unzureichend zurückgewiesenes Gebot ohne Nachbesserung – droht ein Rückfall in Richtung der Kursniveaus vor Bekanntwerden der Gespräche.
Der nächste konkrete Prüfstein ist die angekündigte Frist von „den kommenden Wochen“, innerhalb derer laut Medienberichten eine Entscheidung fallen könnte. Bis dahin bleibt die entscheidende Kennzahl nicht der Quartalsbericht, sondern die Zahl, die Stripe und Advent auf den Tisch legen.
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