PayPal hat am Dienstagabend (3. Februar) die Zahlen für das volle Geschäftsjahr 2025 rausgehauen. Und auf den ersten Blick? Wow, das sieht richtig stark aus!
PayPal hat 25,4 Mrd. Transaktionen abgewickelt, mit einem Total Payment Volume (TPV) von 1,79 Bio. US-Dollar. Das TPV ist damit um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen – auch wenn die reine Anzahl der Transaktionen um 4 Prozent zurückgegangen ist.
Der Umsatz von PayPal? Neuer Allzeit-Rekord! Höher als je zuvor in der gesamten Firmengeschichte.
Und der Gewinn? Der hat endlich wieder die magische 5-Milliarden-Dollar-Marke geknackt. Die Gewinnmarge klettert auf 15,8 Prozent – der beste Wert seit den verrückten Corona-Jahren 2020 und 2021, als Sondereffekte für irre 19,6 Prozent bzw. 16,4 Prozent gesorgt hatten.
PayPal: Aktie im Krisenmodus
Klingt nach einem echten Comeback, oder? PayPal scheint wieder auf Schiene zu sein – nach all den Turbulenzen der letzten Jahre.
Doch jetzt kommt der Haken: Die Aktie von PayPal steckt trotz dieser Zahlen tief im Krisenmodus fest. Der Kurs crasht und nähert sich der Marke von 40 Dollar. Allein seit Jahresbeginn stürzte sie um fast 30 Prozent ab. Vom Rekordhoch aus dem Juli 2021 ist die PayPal-Aktie mittlerweile über 85 % gefallen.
PayPal Aktie Chart
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt aktuell bei mickrigen 7,7, das Vorwärts-KGV sogar bei 7,5. So billig war der Titel seit Jahren nicht mehr! Vor ein paar Jahren lag das KGV noch locker über 50.
Auf den ersten Blick schreit das nach Schnäppchen – ein echter Value-Traum für geduldige Anleger. Aber genau da liegt die große Frage, die viele Investoren gerade umtreibt: Ist PayPal wirklich ein unterbewertetes Juwel … oder eine klassische Value-Falle?
Eine Aktie, super günstig aussieht, aber aus handfesten Gründen einfach nicht hochkommt und die Anleger weiter bluten lässt?
Starke operative Zahlen 2025 – doch der Kontext zählt
Zunächst ein Blick auf die Umsatzentwicklung der letzten Jahre:
Umsatz PayPal in Milliarden Dollar
| Jahr | Umsatz |
| 2021 | 25,371 |
| 2022 | 27,518 |
| 2023 | 29,771 |
| 2024 | 31,797 |
| 2025 | 33,172 |
Der Umsatz wächst kontinuierlich – von 2021 bis 2025 um mehr als 30 %. Auch der Gewinn zeigt 2025 eine klare Erholung.
Gewinn und Gewinnmarge PayPal
| Jahr | Gewinn (Mrd. Dollar) | Marge (in %) |
| 2021 | 4,169 | 16,4 |
| 2022 | 2,419 | 8,8 |
| 2023 | 4,246 | 14,3 |
| 2024 | 4,147 | 13,0 |
| 2025 | 5,233 | 15,8 |
Der Gewinnrückgang 2022 war ein echter Schock, obwohl der Umsatz eigentlich weiter kletterte. Ein klares Warnsignal, das schon 2021 zu sehen war: Mehr Umsatz, aber weniger Gewinn – das passt einfach nicht zusammen.
Der Vorstand hat reagiert, und zwar richtig hart. Es kam ein umfassender Restrukturierungsplan auf den Tisch, der vor allem eines bedeutete: massiv sparen und vor allem Stellen streichen.
Ende 2025 zählte PayPal weltweit nur noch 23.800 Mitarbeiter. Das sind rund 20 Prozent weniger als Ende 2021, als noch etwa 29.900 Leute an Bord waren. Eine zielgerichtete und konsequente Optimierung der Arbeitsabläufe.
Seit 2023 zeigt die Kurve wieder nach oben. Der Gewinn erholt sich spürbar, und die Marge von 15,8 Prozent im Jahr 2025 ist ein starkes Comeback-Signal. Die Profitabilität wird immer besser.
Trotzdem bleibt die Frage: Reicht das alles, um die alten Probleme wirklich hinter sich zu lassen? Die Restrukturierung hat wehgetan, aber sie hat gewirkt.
Grund 1: Operative Kosten bleiben trotz Einsparungen hoch
Der Vorstand hat früh verstanden: Die laufenden Kosten im Alltagsgeschäft sind einfach zu hoch! Besonders in den Bereichen Kundenservice, Vertrieb & Marketing, Forschung & Entwicklung sowie der ganzen Verwaltung brannte das Geld zu schnell runter.
Um wieder richtig profitabel zu werden, musste da dringend der Rotstift angesetzt werden.
Die harte Restrukturierung hat tatsächlich gezogen: Die Kosten sind nicht nur absolut gesunken, sondern auch im Verhältnis zum Umsatz deutlich zurückgegangen. Ein echter Erfolg auf dem Papier – die Maßnahmen zeigen Wirkung und haben PayPal spürbar Luft verschafft.
Anteil der Ausgaben für das Tagesgeschäft bei PayPal
| Jahr | Anteil (in %) |
| 2021 | 83,2 |
| 2022 | 86,1 |
| 2023 | 83,1 |
| 2024 | 83,3 |
| 2025 | 81,7 |
Der Anteil ist zwar ein kleines bisschen runtergegangen – aber ganz ehrlich: Über 80 % bleibt trotzdem ein richtig hoher Wert! Das ist immer noch ein Hammer, den PayPal da stemmen muss.
Der absolute Hauptgrund? Die hohen Transaktionskosten! Das sind die Gebühren, die PayPal jedes Mal brav an die Kreditkartenanbieter, Banken und andere Zahlungsquellen abdrücken muss. Und die variieren brutal je nach Zahlungsart und Land.
Eine simple Abbuchung direkt vom Bankkonto? Relativ günstig. Aber wehe, der Kunde zahlt mit Kredit- oder Debitkarte – dann wird’s teuer. Und besonders in den USA knallen die Gebühren oft nochmal deutlich höher raus als in vielen anderen Ländern. Das frisst richtig rein und lässt sich kaum wegzaubern, weil PayPal da wenig bis gar keinen Einfluss hat.
Kurz gesagt: Die Kosten sind gesunken, ja – aber die Transaktionsgebühren halten den Anteil am Umsatz weiterhin brutal hoch. Ein echtes Dauerproblem, das PayPal trotz aller Sparmaßnahmen nicht so einfach loswird.
Transaktionsgebühren und Anteil am Umsatz bei PayPal
| Jahr | Gebühren (Mrd. Dollar) | Anteil (in %) |
| 2021 | 10,315 | 40,6 |
| 2022 | 12,173 | 44,2 |
| 2023 | 14,385 | 48,3 |
| 2024 | 15,697 | 49,4 |
| 2025 | 15,987 | 48,2 |
2025 liegt der Anteil bei 48,2 % – nur leicht unter dem Vorjahreswert, aber 7,6 Prozentpunkte über 2021.
PayPal hat wenig Einfluss auf diese Gebühren, da sie von den Zahlungsquellen diktiert werden. Das Dilemma: Um effizienter zu werden, müssen Kosten in anderen Bereichen weiter sinken – doch das Einsparpotenzial schrumpft bereits. Die Restrukturierung wirkt, aber die Transaktionskosten fressen fast die Hälfte des Umsatzes auf.
Grund 2: Die unkalkulierbare Wirtschaftslage und Transaktionsverluste
PayPal betont in jedem Bericht, dass sein Erfolg stark von der Wirtschaftslage abhängt. Transaktionsverluste – durch Rückbuchungen, Betrug oder Insolvenzen – sind volatil und schwer vorhersehbar.
Transaktionsverluste und Anteil am Umsatz bei PayPal
| Jahr | Verlust (Mrd. Dollar) | Anteil (in %) |
| 2021 | 1,060 | 4,2 |
| 2022 | 1,572 | 5,7 |
| 2023 | 1,682 | 5,6 |
| 2024 | 1,442 | 4,5 |
| 2025 | 1,720 | 5,2 |
Die Quote schwankt stark. Der Vorstand gibt offen zu, dass diese Ausfälle die größte Unbekannte bleiben. In Rezessionsphasen oder bei höherer Inflation steigen sie – und PayPal kann sie nur begrenzt managen.
Grund 3: Das Wachstum schwächelt – vor allem bei Händlern
Positiv: Die Zahl der aktiven Konten steigt wieder.
Aktive Kunden bei PayPal
| Jahr | Aktive Konten (Mio.) |
| 2021 | 426 |
| 2022 | 435 |
| 2023 | 426 |
| 2024 | 434 |
| 2025 | 439 |
PayPal präsentiert seine riesige Skaleneffekte immer wieder als echte Stärke – quasi als Turbo für organisches Wachstum.
Im Geschäftsbericht für 2025 heißt es wörtlich, die globale Größe mit 439 Millionen aktiven Konten helfe enorm, um natürlich zu wachsen. Klingt super, oder?
Aber wenn man genauer hinschaut, wirkt der Zuwachs der aktiven Konten um 1,2 % im Vergleich zum Vorjahr plötzlich gar nicht mehr so beeindruckend. Das ist mehr als moderat, Man könnte es auch als Stagnation bezichnen. Dynamisches Wachstum sieht anders aus.
Noch ärgerlicher für Anleger: Bis 2023 hat PayPal noch die separaten Zahlen für Händlerkonten veröffentlicht. Damals waren es 35 Millionen von insgesamt 426 Millionen aktiven Konten – also weniger als 9 Prozent.
Seit 2024? Funkstille. Keine Aufschlüsselung mehr. Und genau das ist schade, denn Händlerkonten sind für PayPal das echte Gold: Hier kassiert das Unternehmen deutlich höhere Gebühren als bei den Privatkonten, wo P2P-Überweisungen oft komplett kostenlos laufen.
Unter der Annahme, dass der Händleranteil konstant bei rund 9 Prozent liegt (eine faire Schätzung), käme man für 2025 auf etwa 39,5 Millionen Händlerkonten. Zum Vergleich: 2021 waren es nur 24 Millionen (damals 7,9 Prozent).
Ja, die Nutzerbasis wächst – aber quälend langsam. Für einen echten Wachstumswert, wie PayPal früher mal wahrgenommen wurde, ist das einfach zu schwach. Kein Wunder, dass viele Anleger skeptisch bleiben: Die Skala ist da, die Zahlen steigen minimal – aber der Schwung fehlt.
Grund 4: Der fehlende Burggraben und die harte Konkurrenz
PayPal hat keinen echten Burggraben mehr – also unüberwindbaren Vorteile, die die Konkurrenz dauerhaft auf Abstand halten. Früher war das mal anders, heute sieht die Realität im Zahlungsmarkt ziemlich brutal aus.
Die globale Branche ist ein echtes Haifischbecken: extrem umkämpft, rasanter Technologiewechsel, Non-Stop-Innovationen und überall strenge Regulierungsbehörden, die genau hinschauen.
Dazu kommen Kunden, die immer preissensitiver werden, ständig neue Bedürfnisse entwickeln und von neuen Produkten und Features überhäuft werden.
Neue Spieler drängen rein, Firmen schließen sich zusammen, schließen Allianzen oder etablierte Riesen aus anderen Branchen mischen plötzlich mit – der Druck steigt und steigt.
Genau das passiert gerade im Payment-Bereich. Neben den ewigen Platzhirschen Visa und Mastercard pushen neue Player wie Klarna, Amazon Pay, Apple Pay, Google Pay und sogar die Supermarktkette Walmart massiv in den Markt.
PayPals großer Trumpf war lange Venmo – das P2P-E-Wallet, mit dem man blitzschnell per Handy-Nummer oder E-Mail Geld schicken konnte, super einfach auch für Händler ohne teure Hardware. Das war jahrelang der absolute Kundenmagnet.
Aber die Konkurrenz schläft nicht. Apple Pay und Google Pay sitzen tief in den Smartphones drin, Cash App von Block (ehemals Square) rockt mit ähnlichen Features, und oft sind die Integrationen in die eigenen Ökosysteme einfach nahtloser.
PayPal selbst beschreibt die Lage im Jahresbericht für 2025 ganz offen als „highlycompetitive“ – also hochintensiv. Der Markt sei dynamisch, innovativ und regulatorisch streng überwacht. Neue Technologien, veränderte Vorlieben und Preissensitivität treiben den Wettbewerb immer weiter an.
Klar, PayPal listet stolz seine Stärken auf: das zweigeteilte Netzwerk (Käufer und Verkäufer), die starken Marken PayPal und Venmo, die Plattform-Unabhängigkeit, die riesige Skala mit 439 Millionen aktiven Konten, kundennahe Innovationen und ein solides Risiko- und Compliance-Management.
Das klingt alles nach solidem Fundament. Aber ehrlich: Der Burggraben schmilzt sichtbar dahin. Digitale Wallets sind mega-populär, und die neuen Anbieter schnappen sich immer mehr Marktanteile – oft mit mehr Tempo und besserer User Experience.
Kurz gesagt: PayPal kämpft in einem Umfeld, in dem fast jeder mitmischen kann. Ohne echten Schutzwall wird’s immer schwerer, die Führung zu halten.
Grund 5: Preiswert – aber mit gutem Grund
PayPal wirkt auf den ersten Blick wie das absolute Schnäppchen: Das KGV liegt bei mickrigen 7,7, das Vorwärts-KGV sogar bei 7,5. Historisch gesehen ist der Titel so billig wie selten zuvor – vor ein paar Jahren lag das KGV locker über 50! Für Value-Jäger ein Traum, oder? Doch: Genau diese niedrige Bewertunghat handfeste, fundamentale Gründe.
Das Einsparpotenzial ist weitgehend ausgereizt, die Transaktionskosten fressen fast 50 % des Umsatzes auf, Verluste aus Rückbuchungen und Betrug bleiben volatil, das Wachstum bei aktiven Konten und vor allem bei den lukrativen Händlern dümpelt vor sich hin und die Konkurrenz drückt mit voller Wucht.
Dazu kommen noch regulatorische Risiken aus den USA: Bestrebungen wie der „Credit Card Competition Act“ wollen Interchange-Gebühren (also die Gebühren, die Händler zahlen) senken. Für PayPal wäre das einerseits positiv, weil eigene Transaktionskosten sinken könnten – andererseits würde es aber auch die eigenen Gebühren an Händler massiv unter Druck setzen. Ein zweischneidiges Schwert.
Kurz gesagt: PayPal ist nicht ohne Grund so preiswert. Die Zahlen verbessern sich ja tatsächlich – Umsatzrekord, Gewinn wieder über 5 Mrd. Dollar, Marge auf Erholungskurs. Die harte Restrukturierung hat geholfen, keine Frage.
Aber reicht das wirklich, um in diesem brutalen Markt gegen die Tech-Giganten und Newcomer langfristig zu bestehen? Die Fantasie für echtes, explosives Wachstum fehlt derzeit komplett. Derzeit spricht leider wenig für einen schnellen Turnaround an der Börse.
Fazit: Value-Falle oder geduldige Chance?
PayPal zeigt 2025 echte Fortschritte – Rekordumsatz, steigender Gewinn, bessere Marge und wieder etwas mehr aktive Konten. Die harte Kostendisziplin wirkt, die Restrukturierung hat spürbar geholfen.
Trotzdem bleiben die großen strukturellen Probleme hartnäckig. Das extrem niedrige KGV spiegelt keine krasse Unterbewertung, sondern pure Skepsis der Börse wider. Eine klassische Value-Falle ist genau das: ein Titel, der billig aussieht, aber aus handfesten Gründen einfach nicht hochkommt. Bei PayPal passt das derzeit perfekt.
Ohne neuen Wachstumsschub oder regulatorischen Rückenwind (der auch nach hinten losgehen kann) dümpelt die Aktie wahrscheinlich weiter seitwärts oder bleibt unter Druck.
Geduldige Value-Jäger könnten irgendwann vielleicht recht behalten – aber das ist keine Garantie, sondern eher Hoffnung. Aktuell überwiegen die Risiken klar. Ich halte mich von PayPal fern.
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