PayPal hat gute Zahlen geliefert. Trotzdem stellt sich für Anleger eine unbequeme Frage: Hat der Markt längst mehr eingepreist, als das operative Geschäft oder eine mögliche Übernahme kurzfristig liefern können?
Die Aktie notiert bei 51,37 Euro und legte binnen 30 Tagen um 32,26 Prozent zu. Der Relative-Stärke-Index steht bei 79,6 — tief im überkauften Bereich. Das Analysten-Kursziel im Konsens liegt bei 46,60 Euro, gut 9 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Die fundamentale Bewertung hinkt der Kursrally also spürbar hinterher.
Die entscheidende Frage: Kommt ein neues Übernahmeangebot?
Der Vorstand hatte ein früheres Gebot von Stripe und dem Finanzinvestor Advent abgelehnt. Beim Earnings Call ließ CEO Enrique Lores die Tür für einen Deal einen Spalt offen. Er sprach von einem möglichen Weg, der „überlegenen Wert“ für die Aktionäre schaffen könnte.
Das aktuelle Gebot von Stripe und Advent liegt bei 60,50 Dollar je Aktie. Lores‘ Wortwahl legt nahe: PayPal sieht diesen Preis nicht als angemessen an. Für die kommenden Wochen bleibt offen, ob die Käufer nachlegen — oder ob PayPal allein auf sein operatives Momentum angewiesen ist.
Das bullische Szenario: Die Wende nimmt Fahrt auf
Die operativen Zahlen stützen den Optimismus. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 5 Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar, mehr als Analysten erwartet hatten. PayPal hob die Gewinnprognose fürs Gesamtjahr auf 5,38 Dollar je Aktie an, nach 5,31 Dollar im Vorjahr — eine Kehrtwende gegenüber der bisherigen Guidance.
Auch bei der Profitabilität dreht der Wind. Die sogenannten Transaction-Margin-Dollars, eine zentrale Ertragskennzahl, sollen aufs Jahr gerechnet auf rund 15,6 Milliarden Dollar steigen, statt wie zuvor prognostiziert leicht zu fallen. Venmo liefert dazu einen kräftigen Wachstumsschub: Die monatlich aktiven Nutzer der Debitkarte legten um mehr als 50 Prozent zu. Braintree, PayPals Zahlungsplattform für Händler, wuchs beim Transaktionsvolumen im mittleren zweistelligen Bereich.
Beim Sparen macht das Unternehmen ebenfalls Fortschritte. Für 2026 peilt PayPal Bruttoeinsparungen von 400 Millionen Dollar an, mittelfristig sollen über die folgenden zwei bis drei Jahre mindestens 1,5 Milliarden Dollar zusammenkommen. Technisch bleibt zudem Luft nach oben: Die Aktie notiert noch 27,42 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 70,78 Euro. Sollte die Übernahmefantasie am Leben bleiben oder das operative Momentum anhalten, ist die Rally möglicherweise noch nicht zu Ende.
Das bärische Szenario: Zu viel Perfektion eingepreist
Der RSI von 79,6 signalisiert eine Aktie, die kurzfristig kaum Enttäuschungsspielraum lässt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei happigen 54,56 Prozent. Jeder Rückschlag bei der Übernahmespekulation könnte die Kurse schnell unter Druck setzen.
Das Kerngeschäft bereitet weiter Sorgen. Das margenstarke Branded Checkout — das eigentliche Herzstück von PayPal — wuchs währungsbereinigt zuletzt nur um 1 bis 2 Prozent pro Quartal. Die Transaction Take Rate, also der Anteil, den PayPal je Transaktion einbehält, sank um 7 Basispunkte auf 1,61 Prozent. Fürs dritte Quartal rechnet das Management selbst mit einem Rückgang des bereinigten Gewinns im niedrigen einstelligen Prozentbereich, verglichen mit 1,34 Dollar je Aktie im Vorjahresquartal.
Sollten Stripe und Advent ihr Gebot nicht erhöhen oder sich ganz zurückziehen, könnte die in den vergangenen 30 Tagen aufgebaute Übernahmeprämie rasch wieder verschwinden. Der Kurs notiert trotz der jüngsten Rally noch immer 16,92 Prozent unter dem Niveau vor zwölf Monaten — die Aktie hat also selbst nach diesem Anstieg viel Boden gutzumachen.
Ausblick: Zwei mögliche Wege
Solange die Übernahmespekulation lebendig bleibt und die Turnaround-Kennzahlen — Venmo-Wachstum, Braintree-Volumen, Kosteneinsparungen — sich weiter verbessern, bleibt das bullische Szenario intakt. Selbst der überkaufte RSI ändert daran wenig.
Kühlt die Übernahme-Story dagegen ohne ein nachgebessertes Angebot ab, oder bestätigt das dritte Quartal den angekündigten Gewinnrückgang ohne neuen Impuls, dürfte sich die Lücke zum Konsens-Kursziel von 46,60 Euro schließen — mit einem möglichen Rückzug in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts bei 44,40 Euro. Der nächste konkrete Test: Melden sich Stripe und Advent in den kommenden Wochen mit einem höheren Gebot zurück? Oder muss PayPal mit den Zahlen zum dritten Quartal 2026, die später im Jahr anstehen, den in dieser Woche skizzierten Kurs allein bestätigen?
PayPal-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue PayPal-Analyse vom 29. Juli liefert die Antwort:
Die neusten PayPal-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für PayPal-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 29. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
