Der Vorstand von PayPal hat ein gemeinsames Übernahmeangebot von Stripe und dem Finanzinvestor Advent International zurückgewiesen. Die beiden Bieter hatten laut Berichten der Los Angeles Times 60,50 Dollar je Aktie geboten, was den Zahlungsdienstleister mit rund 53 Milliarden Dollar bewertet hätte. Das Gremium hält die Offerte für unzureichend – Vorstandschef Lores signalisierte jedoch offen, dass ein höheres Gebot in Betracht gezogen würde.
Die Ablehnung fällt in eine Woche, in der PayPal zugleich seine Quartalszahlen vorlegte. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 5 Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von 8,47 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 1,38 Dollar, ebenfalls über den erwarteten 1,28 Dollar. Das Transaktionsvolumen wuchs um rund 10 Prozent auf etwa 486,5 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr hob das Unternehmen die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie auf rund 5,38 Dollar an.
Free Cashflow schießt nach oben
Besonders deutlich zeigte sich der Fortschritt beim freien Cashflow: Er stieg im Quartal um 175 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr rechnet PayPal mit mindestens 6 Milliarden Dollar freiem Cashflow. Das Management führt einen Teil des Zuwachses auf ein laufendes Sparprogramm zurück, das auf künstliche Intelligenz setzt. Von dem angepeilten Einspareffekt in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar sind nach eigenen Angaben bereits 40 Prozent realisiert. Diese Kombination aus Umsatzwachstum und stark verbessertem Cashflow liefert dem Vorstand ein Argument dafür, das Stripe-Advent-Gebot als zu niedrig einzustufen – schließlich zeigt der Konzern operativ Fortschritte, die eine höhere Bewertung rechtfertigen könnten.
Analysten uneins über den fairen Wert
An der Wall Street gehen die Einschätzungen weit auseinander. Goldman Sachs bleibt bei seiner Verkaufsempfehlung und nennt ein Kursziel von 50 Dollar, was aus Sicht der Analysten ein Abwärtspotenzial von rund 14 Prozent bedeutet. Sie verweisen auf einen Rückgang der bereinigten operativen Marge auf 17,4 Prozent von zuvor 19,8 Prozent sowie auf eine erwartete leicht rückläufige Gewinnentwicklung im dritten Quartal. Cantor Fitzgerald sieht das deutlich anders und beziffert den fairen Wert der Aktie auf rund 70 Dollar – ein Hinweis darauf, wie stark die Einschätzungen zur Übernahmefantasie und zur operativen Substanz derzeit divergieren. Die Übernahmespekulation selbst hatte die Rally der vergangenen Wochen erst ausgelöst, bevor die Quartalszahlen zusätzlichen Rückenwind lieferten.
Kurs kühlt nach starkem Lauf ab
Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen zeigt sich die Aktie zuletzt etwas schwächer: Im deutschen Handel notiert sie aktuell bei 50,31 Euro und gibt am heutigen Donnerstag um 1,20 Prozent nach. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 33,17 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das die Wucht der Übernahmefantasie und der Zahlenvorlage unterstreicht. Zum 52-Wochen-Hoch vom 28. Oktober fehlen dem Titel trotz der Rally weiterhin fast 29 Prozent, ein Zeichen dafür, dass die Aktie trotz des jüngsten Sprungs noch deutlich unter ihren früheren Höchstständen notiert.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein mögliches höheres Übernahmegebot, eine spürbar verbesserte operative Entwicklung und gleichzeitig eine tief gespaltene Analystenmeinung sorgen für erhöhte Schwankungsbreite. Ob sich Stripe und Advent International zu einem nachgebesserten Angebot durchringen, ist offen – der Vorstand hat mit der Ablehnung des ersten Gebots jedenfalls signalisiert, dass er höhere Bewertungen für gerechtfertigt hält.
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