PayPal hat im Juli ein Übernahmeangebot über 53 Milliarden Dollar von Stripe und Advent International abgelehnt. Der Vorstand hielt 60,50 Dollar je Aktie für zu niedrig. Seitdem ist die Aktie um 27,63 Prozent gestiegen und steht nun bei 50,30 Euro. Genau an dieser Marke prallen zwei Kräfte aufeinander: eine echte operative Erholung und ein Markt, der technisch heißgelaufen ist.
Die Ablehnung als Wendepunkt
Der Vorstand hat sich bewusst gegen einen Verkauf und für den Alleingang entschieden. Seine „Preis-zu-Wert“-Strategie soll beweisen, dass PayPal mehr wert ist als das Gebot der Käufer. Ein starkes zweites Quartal gab dieser Wette Rückenwind: Der Gewinn je Aktie lag bei 1,38 Dollar, die Jahresprognose wanderte auf 5,38 Dollar nach oben.
Die Rally seit dem Sommertief beläuft sich mittlerweile auf 33 Prozent. An dieser Stelle beginnt jedoch die eigentliche Debatte. Nähert sich die Aktie hier einem fairen Wert – oder einer technischen Wand?
Die entscheidende Kennzahl: Marktanteil versus Gewinnwachstum
PayPal übertrifft die Erwartungen der Analysten regelmäßig. Trotzdem ist der Marktanteil im Digital-Wallet-Geschäft von 90 Prozent im Jahr 2017 auf geschätzt rund 40 Prozent im Jahr 2026 gesunken. Diese Diskrepanz ist der Kern der Debatte um die Aktie.
Die Frage lautet: Reicht bessere Profitabilität aus, um einen strukturellen Bedeutungsverlust auszugleichen? Der Kurs bewegt sich inzwischen nur noch knapp unter dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten von 50,62 Euro. Das könnte bedeuten, dass die „Ablehnungs-Rally“ ihren Zenit bereits erreicht hat.
Bullen-Szenario: Eine neue Wertuntergrenze
Optimisten sehen im gescheiterten Übernahmeversuch eine Art Gütesiegel. Ein Käufer wie Stripe, gemeinsam mit einem Private-Equity-Riesen wie Advent, wollte 53 Milliarden Dollar zahlen – das setzt eine psychologische Untergrenze für den fairen Wert. Dazu passen harte Zahlen: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 5 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar, parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Dollar.
Auch das technische Bild spricht für die Bullen. Die Aktie notiert 13,72 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 44,23 Euro – ein Zeichen für einen intakten langfristigen Aufwärtstrend. Gelingt es dem Management, mit Initiativen wie „Fastlane“ und der Stablecoin-Partnerschaft mit Mastercard und BVNK den verbliebenen Marktanteil zu verteidigen, könnten weitere Kurszielanhebungen folgen. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 70,78 Euro und markiert die Latte für dieses Szenario.
Bären-Szenario: Überhitzung und Insider-Skepsis
Die Kehrseite zeigt sich im Relative-Stärke-Index. Mit einem RSI von 70,8 gilt die Aktie als überkauft. Historisch folgt auf solche Werte oft eine Korrektur oder zumindest eine längere Konsolidierung.
Hinzu kommt: Der aktuelle Kurs liegt nur noch 0,6 Prozent unter dem Analysten-Konsensziel. Das verbleibende Aufwärtspotenzial ist damit denkbar knapp. Verkäufe von Insidern in Höhe von 0,7 Millionen Dollar in den vergangenen drei Monaten nähren zusätzlich Zweifel – wer dem Geschäft am nächsten steht, verkauft eher, statt nachzukaufen. Hält der Margendruck durch die Konkurrenz an, könnte die Aktie schnell zurück Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei 41,21 Euro fallen.
Ausblick: Die Marke bei 54 bis 55 Euro entscheidet
Der weitere Kursverlauf hängt maßgeblich davon ab, ob die im Juli etablierten Unterstützungszonen halten. Solange die Aktie über dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt, spricht das technische Bild für ein „Halten“-Szenario. Ein Bruch unter den 50-Tage-Durchschnitt wäre dagegen ein deutliches Warnsignal – die Euphorie über die gescheiterte Übernahme wäre dann verpufft.
Im Blick behalten sollten Anleger die Marke von umgerechnet rund 54 bis 55 Euro. Analysten von Cantor Fitzgerald hatten dieses Niveau zuletzt als Schlüsselwiderstand benannt. Scheitert ein Ausbruch über diese Zone bei hohem Handelsvolumen, dürfte sich die Aktie vorerst zwischen 45 und 51 Euro seitwärts bewegen. Der nächste wichtige Test kommt mit den Zahlen zum dritten Quartal, wenn sich zeigt, ob die angehobenen Jahresziele für Ebitda und Gewinn je Aktie Bestand haben.
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