Inmitten einer laufenden Übernahmeschlacht durch Stripe und Advent International setzt der Zahlungsdienstleister PayPal auf eine tiefgreifende strukturelle Veränderung. Wie Konzernchef Enrique Lores am Mittwoch ankündigte, wird das Unternehmen seine Ergebnisse künftig in drei eigenständige Geschäftsbereiche aufteilen. Erstmals sollen diesen Einheiten auch spezifische Umsatzziele zugewiesen werden. Dieser Schritt zielt darauf ab, die Transparenz für Investoren deutlich zu erhöhen und den inneren Wert des Konzerns sichtbarer zu machen.
Strategische Neuausrichtung unter Übernahmedruck
Die organisatorische Neugestaltung erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt. Mitte Juli wurde ein Übernahmeangebot von Stripe und Advent International bekannt, das PayPal mit 60,50 US-Dollar pro Aktie bewertet – ein Gesamtvolumen von rund 53,4 Milliarden US-Dollar. Während des jüngsten Earnings Calls zur Vorlage der Quartalszahlen ließ Enrique Lores die Tür für einen Deal zwar einen Spalt weit offen, betonte jedoch, dass das Unternehmen nur einen Pfad einschlagen werde, der einen überlegenen Wert für die Aktionäre schaffe. Das aktuelle Angebot spiegele den tatsächlichen Wert von PayPal nach Ansicht der Konzernführung nicht korrekt wider.
Diese Einschätzung teilen auch einige Marktbeobachter. Analysten des Finanzdienstleisters Cantor bezifferten den fairen Wert von PayPal zuletzt auf näher an 70 US-Dollar pro Aktie. Die Börse reagierte in den vergangenen Wochen bereits mit einer deutlichen Aufwärtsbewegung auf die Spekulationen und die operativen Fortschritte: Auf Sicht von 30 Tagen verzeichnet die Aktie ein Plus von 31,13 Prozent und schloss am Freitag bei 51,08 Euro.
Starke Quartalszahlen und angehobene Prognose
Die operative Basis für die ambitionierte Eigenständigkeit lieferten die Ergebnisse des zweiten Quartals. PayPal meldete für den Zeitraum bis Ende Juni einen bereinigten Gewinn von 1,38 US-Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt von 1,28 US-Dollar ausgegangen waren. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 8,68 Milliarden US-Dollar.
Besonders positiv bewerteten Anleger die Anhebung der Prognose für das Gesamtjahr 2026. Das Management erwartet nun einen bereinigten Gewinn von 5,38 US-Dollar pro Aktie, nachdem im Vorjahr 5,31 US-Dollar erzielt wurden. Zuvor war das Unternehmen noch von einem leichten Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich ausgegangen. Auch die Transaktionsmarge soll sich verbessern und wird nun bei etwa 15,6 Milliarden US-Dollar gesehen, gegenüber 15,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Parallel dazu unterstreicht das Board das Vertrauen in die Cashflow-Generierung durch die Deklaration einer Bardividende von 0,14 US-Dollar je Aktie, die am 25. September zahlbar sein wird.
Wachstumsimpulse durch Venmo und Braintree
Hinter den nackten Zahlen stehen deutliche Zuwächse bei den Tochtergesellschaften. Die monatlich aktiven Konten der Venmo-Debitkarte wuchsen im Jahresvergleich um mehr als 50 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete die Plattform Braintree ein Wachstum des gesamten Zahlungsvolumens im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Diese Dynamik soll durch ein striktes Kostensenkungsprogramm gestützt werden: PayPal liegt nach eigenen Angaben auf Kurs, im laufenden Jahr Bruttoeinsparungen in Höhe von 400 Millionen US-Dollar zu realisieren. Langfristig ist ein Ziel von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar über die nächsten zwei bis drei Jahre definiert.
Trotz der optimistischen Jahressicht bleibt der Ausblick auf das laufende dritte Quartal konservativ. Hier prognostiziert das Unternehmen einen leichten Rückgang des bereinigten Gewinns im niedrigen einstelligen Bereich gegenüber dem Vorjahreswert von 1,34 US-Dollar. Analysten passten ihre Bewertungen dennoch nach oben an. So hob Barclays Mitte Juli das Kursziel auf 55 US-Dollar an und stufte das Papier von „Underweight“ hoch. Die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf umgerechnet 42,87 Milliarden Euro, was die Dimensionen der aktuellen Übernahmediskussion unterstreicht.
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