PayPal Aktie: Burry hält 60,50 Dollar für zu niedrig

PayPal erhält Übernahmeofferte von Stripe und Advent. Der Verwaltungsrat hält die 53 Milliarden US-Dollar für zu niedrig.

Auf einen Blick:
  • Milliardengebot von Stripe und Advent
  • PayPal-Verwaltungsrat zeigt Skepsis
  • Michael Burry kritisiert Angebotshöhe
  • CEO Lores treibt Transformation voran

Ein Konsortium aus dem Zahlungsabwickler Stripe und der Beteiligungsgesellschaft Advent International hat eine Offerte in Höhe von mehr als 53 Milliarden US-Dollar vorgelegt. Das Gebot von 60,50 US-Dollar pro Aktie entspricht einem Aufschlag von rund 28 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vor Bekanntwerden der Pläne. Während die Anleger euphorisch reagieren, wird hinter den Kulissen bereits um den Preis und die Bedingungen gerungen.

Details zum Milliarden-Angebot von Stripe

Das Konsortium plant laut Berichten von Reuters und anderen Finanznachrichtenagenturen eine paritätische Beteiligung, bei der Stripe und Advent International jeweils die gleiche Anzahl an Anteilen halten würden. Die Finanzierung der Transaktion soll zu einem großen Teil durch Bankkredite in Höhe von etwa 50 Milliarden US-Dollar gesichert werden. Laut Berichten von TradersUnion und Finimize stellen JPMorgan und Morgan Stanley diese Mittel bereit, während Stripe und Advent zusätzlich 17 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital beisteuern.

Die strategische Logik hinter dem Zusammenschluss ist die Schaffung eines globalen Giganten für digitale Zahlungen. Ein kombiniertes Unternehmen könnte ein jährliches Zahlungsvolumen von rund 3,7 Billionen US-Dollar abwickeln. Für Stripe geht es vor allem um den Zugang zu den mehr als 400 Millionen Verbraucherkonten von PayPal sowie die Integration der Stablecoin-Infrastruktur rund um den PYUSD. Der aktuelle Kurs der PayPal-Aktie, die gestern bei 49,62 € schloss, spiegelt die Spekulationen wider, notiert jedoch weiterhin rund 29,90 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 70,78 €.

Skepsis im Verwaltungsrat und bei Analysten

Obwohl das Angebot bereits seit April im Raum steht, hat sich PayPal bisher nicht förmlich dazu geäußert. Quellen aus dem Umfeld des Verwaltungsrats berichten jedoch, dass die aktuelle Offerte als unzureichend angesehen werde. Man prüfe derzeit die Finanzierungssicherheit, regulatorische Hürden und den Zeitplan für eine mögliche Umsetzung. Analysten wie Brett Horn von Morningstar äußerten sich skeptisch über einen schnellen Abschluss und halten an einem fairen Wert der Aktie von 80 US-Dollar fest.

Besonders prominente Kritik kommt von Michael Burry. Der Investor bezeichnete das Gebot von 60,50 US-Dollar laut Berichten von The Motley Fool als „schlichtweg zu niedrig“. Er schätzt den inneren Wert des Unternehmens auf 75 bis 115 US-Dollar pro Aktie. Burry verweist auf den bereinigten freien Cashflow von 1,7 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal, was einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Gebot von Stripe bewertet PayPal lediglich mit dem Elffachen der erwarteten Gewinne, was im Branchenvergleich als günstig gilt.

Strategische Neuausrichtung unter Enrique Lores

PayPal befindet sich bereits in einem umfassenden Transformationsprozess. Seit März 2026 führt CEO Enrique Lores das Unternehmen und hat die Struktur in drei Geschäftsbereiche aufgeteilt: Checkout, Consumer und Crypto. Das Ziel ist es, das Wachstum zu stabilisieren und die Marktposition gegenüber Konkurrenten wie Block oder Visa zu verteidigen. Im ersten Quartal 2026 konnte PayPal den Umsatz um 7 Prozent auf 8,35 Milliarden US-Dollar steigern, während das gesamte Zahlungsvolumen um 8 Prozent auf 464 Milliarden US-Dollar kletterte.

Parallel zur Übernahmeofferte prüft PayPal mit Unterstützung von Goldman Sachs und Evercore verschiedene strategische Optionen, die von einem Verkauf bis zu einer Aufspaltung reichen könnten. Im Gespräch ist unter anderem die Trennung von der Tochtergesellschaft Braintree. Die Aktie hat seit ihrem Tiefpunkt eine deutliche Erholung vollzogen und liegt aktuell 53,05 % über dem 52-Wochen-Tief von 32,42 €. Weitere Klarheit über die finanzielle Verfassung und die Reaktion auf das Übernahmeangebot erwarten Marktteilnehmer am 28. Juli, wenn PayPal die Ergebnisse für das abgelaufene Quartal vorlegt. Zuvor könnte der Verwaltungsrat bereits am 20. Juli tagen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

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