PayPal hat ein Übernahmeangebot über 53 Milliarden Dollar von Stripe und der Private-Equity-Firma Advent International abgelehnt. Der Vorstand hält den Preis für zu niedrig. Das allein wäre schon eine Geschichte — aber die eigentliche Frage lautet jetzt: Reicht dem Board dieser Widerstand, oder braucht es die Quartalszahlen am 28. Juli, um seine Position zu untermauern?
Die Aktie notiert bei 48,86 Euro und liegt damit 33,35 Prozent über dem Niveau vor 30 Tagen. Der jüngste Kurssprung ist fast vollständig durch die Übernahmespekulation getrieben, nicht durch das operative Geschäft. Das zeigt sich auch am RSI von 75,2 — ein Wert, der auf eine überkaufte Situation hindeutet und kurzfristige Rücksetzer wahrscheinlicher macht.
Die Ausgangslage: Abgelehnt, aber nicht beendet
Der PayPal-Vorstand hat laut Reuters entschieden, dass das gemeinsame Angebot von Stripe und Advent International den Konzern unter Wert einstuft. Die Direktoren haben Goldman Sachs und Evercore engagiert, um strategische Optionen zu prüfen — von einem möglichen Verkauf bis zum Verbleib als eigenständiges Unternehmen.
Ein bindendes Gegenangebot gibt es bisher nicht. Was vorliegt, ist ein medial ausgetragener Konflikt zwischen zwei Verhandlungspartnern, kein abgeschlossener Deal. Analysten erwarten mehrheitlich, dass das Konsortium mit einem höheren Gebot zurückkehrt, statt ganz abzuspringen.
Die entscheidende Frage: Was sagen die Quartalszahlen?
Am 28. Juli meldet PayPal die Zahlen zum zweiten Quartal. Analysten rechnen mit 1,28 Dollar Gewinn je Aktie bei 8,52 Milliarden Dollar Umsatz. Diese Zahlen könnten die Verhandlungsposition beider Seiten verschieben.
Übertrifft PayPal die Erwartungen deutlich, gewinnt der Vorstand Argumente für einen höheren Preis. Verfehlt der Konzern die Prognosen, gerät die ablehnende Haltung unter Druck — und ein Deal näher am ursprünglichen Angebot rückt in den Bereich des Möglichen.
Das bullische Szenario: Wachstum trifft Übernahmefantasie
Die Fundamentaldaten liefern durchaus Argumente für Optimisten. Das Zahlungsvolumen stieg im Jahresvergleich um 11 Prozent auf 463,96 Milliarden Dollar, die aktiven Konten wuchsen um 1 Prozent auf 439 Millionen. Der Nettoumsatz legte um 7 Prozent zu.
Mehrere Analysten sehen das Angebot als zu niedrig an. Cantor Fitzgerald taxiert den fairen Wert auf 70 Dollar je Aktie, Davis Park Management kommt auf 65,20 Dollar. Beide Werte liegen deutlich über dem aktuellen Kurs von 48,86 Euro.
Sollte das Quartal stark ausfallen und die Übernahmefantasie bestehen bleiben, könnte der Aufwärtstrend anhalten. Die Aktie notiert bereits 23,62 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 9,58 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt — ein Zeichen, wie stark der jüngste Kursanstieg von der Deal-Spekulation getragen wird.
Das bärische Szenario: Kartellrecht und Finanzierungskonflikt
Die Risiken liegen weniger im Preis als in der Struktur des möglichen Deals. Eine Fusion der beiden größten Online-Zahlungsplattformen für Internethändler würde ein Unternehmen mit rund 3,7 Billionen Dollar jährlichem Zahlungsvolumen schaffen. Kartellprüfungen dieser Größenordnung dauern typischerweise 18 bis 24 Monate und könnten Verkäufe von Unternehmensteilen erzwingen — was die strategische Logik des gesamten Deals aushöhlen würde.
Hinzu kommt ein Interessenkonflikt bei der Finanzierung. Die rund 50 Milliarden Dollar zugesagte Bankfinanzierung des Konsortiums stammt von J.P. Morgan und Morgan Stanley — denselben beiden Häusern, die Stripe und Advent auch beraten. Diese Doppelrolle dürfte PayPals eigene Berater kaum als Nebensächlichkeit betrachten.
Auch die Analystenmeinungen selbst sind ein Warnsignal. Die Kursziele reichen von 50 bis 115 Dollar — mehr als das Doppelte zwischen den Extremen. Mizuho und Macquarie sehen 50 Dollar als fairen Wert, Clear Street 61 Dollar, während Investor Michael Burry den inneren Wert auf 110 bis 115 Dollar taxiert.
Das operative Umfeld bleibt zudem angespannt. PayPal hat für das zweite Quartal ein niedriges einstelliges währungsbereinigtes Umsatzwachstum in Aussicht gestellt, dazu einen Rückgang der Transaktionsmarge im niedrigen einstelligen Bereich und einen Rückgang des bereinigten Gewinns je Aktie im hohen einstelligen Bereich.
Ausblick: Der 28. Juli als nächster Prüfstein
Solange die Spekulation um ein höheres Gegenangebot anhält, dürfte sich die Aktie nahe dem aktuellen Niveau halten. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 39,53 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 44,59 Euro — beide deutlich unter dem aktuellen Kurs. Das unterstreicht, wie stark die jüngste Bewegung vom Übernahmethema getragen wird und wie wenig von den fundamentalen Daten.
Bestätigen die Quartalszahlen die schwächere Prognose des Managements, könnte die Verhandlungsposition des Vorstands leiden. Ein Deal näher an den ursprünglichen Konditionen würde dann wahrscheinlicher. Liefert PayPal dagegen trotz schwieriger Vergleichswerte ein robustes Ergebnis, dürfte der Vorstand länger auf einen höheren Preis pochen — bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 55,09 Prozent bleibt die Aktie in jedem Fall schwankungsanfällig. Der 28. Juli wird damit zum nächsten konkreten Wendepunkt in diesem Übernahmepoker.
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