PayPal sorgt derzeit mit der Ablehnung eines milliardenschweren Übernahmeangebots für Aufsehen am Markt. Der Finanzdienstleister wies eine Offerte der Konkurrentin Stripe und des Investors Advent International zurück. Medienberichten zufolge lag das Gebot bei rund 53 Milliarden US-Dollar, was einem Preis von etwa 60,50 US-Dollar je Aktie entsprochen hätte. Der Vorstand des Unternehmens bezeichnete diesen Betrag als unzureichend und verwies auf den inneren Wert der Gesellschaft sowie das Potenzial des laufenden Turnaround-Plans.
Vorstand sieht Potenzial im Turnaround-Plan
Die Ablehnung des Angebots erfolgt in einer Phase, in der sich PayPal unter der Führung von CEO Enrique Lores neu ausrichtet. Lores, der sein Amt im März antrat, hat das Unternehmen in drei eigenständige Geschäftsbereiche umorganisiert und plant Kosteneinsparungen von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar. Der Vorstand ist davon überzeugt, dass die aktuelle Marktbewertung die langfristige Substanz nicht widerspiegelt. Analysten bezeichnen die Offerte von Stripe und Advent ebenfalls als zu gering, während am Markt bereits über mögliche höhere Gegenangebote spekuliert wird.
Trotz der strategischen Zuversicht gab es zuletzt auch Insider-Transaktionen zu verzeichnen. So verkaufte Chris Natali (CAO) am Mittwoch 1.337 Aktien zu einem Preis von 58,10 US-Dollar. Am selben Tag veräußerte Frank Keller, der für das Checkout-Geschäft zuständige Präsident, 732 Anteile zum gleichen Kursniveau. Diese Verkäufe erfolgten im Rahmen automatisierter Handelspläne und machten nur einen Bruchteil des gesamten Handelsvolumens aus.
Positive Quartalszahlen und angehobene Prognose
Flankiert wird die ablehnende Haltung gegenüber dem Übernahmeangebot durch solide operative Fortschritte. Für das zweite Quartal meldete PayPal einen Gewinn von 1,38 US-Dollar pro Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die im Konsens von 1,28 US-Dollar ausgegangen waren. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp fünf Prozent auf 8,68 Milliarden US-Dollar. Aufgrund der positiven Entwicklung und der beschleunigten Neuausrichtung hob der Zahlungsdienstleister zudem seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 an.
In den vergangenen 30 Tagen verzeichnete die Aktie eine deutliche Erholung und legte um 28,11 Prozent zu. Am Freitag lag der Schlusskurs bei 49,61 Euro. Damit notiert der Wert aktuell 21,08 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 40,97 Euro, was den kurzfristigen Aufwärtstrend untermauert.
Strategische Kooperation mit Amazon und Fokus auf KI
Ein wichtiger operativer Impuls geht von neuen Partnerschaften aus. Ab August startet in Deutschland und Österreich eine Kooperation mit Amazon, die es Kunden ermöglicht, Einkäufe per Ratenzahlung über PayPal abzuwickeln. Technologisch setzt das Unternehmen verstärkt auf Künstliche Intelligenz, Stablecoins und biometrische Verfahren, um die Sicherheit und Geschwindigkeit der Transaktionen zu erhöhen. Das gesamte Zahlungsvolumen (TPV) belief sich im zweiten Quartal auf 486,4 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von zehn Prozent entspricht.
Die Analysten haben ihre Einschätzungen an die neue Nachrichtenlage angepasst. Laut JPMorgan wurde das Kursziel für PayPal massiv von 46 auf 65 US-Dollar angehoben, wobei die Einstufung auf „Neutral“ belassen wurde. Auch die Experten von Robert W. Baird passten ihr Ziel nach oben an und nennen nun 57 US-Dollar statt zuvor 50 US-Dollar. Trotz der Kurszielanhebungen bleibt der Konsens der Analysten bei einem „Hold“-Rating, mit einem durchschnittlichen Zielwert von 55,50 US-Dollar. Anleger achten nun darauf, ob die Ablehnung des Stripe-Gebots weitere Bieter auf den Plan ruft oder ob PayPal seine Unabhängigkeit durch die prognostizierte Gewinnsteigerung untermauern kann.
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