Es war ein Aufstieg, wie ihn die Schweizer Finanzwelt selten gesehen hat. Drei ehemalige Goldman-Sachs-Banker gründen 1996 in Zug ein Unternehmen, legen ein Jahr später ihren ersten Private-Equity-Fonds auf, gehen 2006 an die Börse, und wachsen auf 185 Milliarden Dollar verwaltetes Vermögen. Marcel Erni, Alfred Gantner und Urs Wietlisbach wurden zu einigen der reichsten Männer der Schweiz, Forbes schätzt ihr Vermögen auf je knapp 3 Milliarden Dollar. Dann kam diese Woche.
Zwei Fonds eingefroren
Die Partners Group setzte die Rücknahmen bei einem 8,6 Milliarden Dollar schweren Private-Equity-Fonds aus. Kunden hatten massiv Kapital abgezogen, getrieben von Sorgen über die Qualität der Portfolioinvestitionen. Am Donnerstag folgte die nächste Meldung: Auch ein noch größerer US-Fonds soll eingefroren werden, dort hatten sich die Abflüsse ebenfalls beschleunigt.
Die Aktie reagierte entsprechend. Am Mittwoch brach sie um 16 Prozent ein. Im laufenden Jahr steht die Partners Group Holding AG-Aktie nun mit rund 27 Prozent im Minus.
Grizzly hatte den Stein ins Rollen gebracht
Überraschend kam das nicht, zumindest nicht für alle. Ende April veröffentlichte der Leerverkäufer Grizzly Research einen Bericht, in dem behauptet wurde, Partners habe Anlagen mit mäßiger Wertentwicklung zu hoch bewertet. Das Unternehmen wies die Vorwürfe entschieden zurück und kündigte rechtliche Schritte an. CEO David Layton räumte jedoch ein, dass der Bericht dem Unternehmen geschadet habe.
Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel, brachte es nach dem Kurseinbruch am Mittwoch auf den Punkt: „Der Markt ist zu dem Schluss gekommen, dass das langfristige Wachstumspotenzial der Partners Group Schaden genommen hat. Das Sentiment wurde erschüttert.“
Evergreen-Fonds als Knackpunkt
Das eigentliche Problem sitzt tiefer. Die sogenannten Evergreen-Fonds, mit denen Partners Privatanlegern einen leichteren Zugang zu ihrem Kapital ermöglichen wollte, erwiesen sich als zweischneidiges Schwert. Leichter rein bedeutet eben auch leichter raus. Und wenn die Abflüsse sich beschleunigen, gerät das Modell unter Druck. Daniel Regli, Analyst bei der ZKB, verwies auf die makroökonomische Verwundbarkeit: „Die Partners Group ist aufgrund ihrer tiefen Verwurzelung in der Realwirtschaft unweigerlich von makroökonomischen Sorgen betroffen.“
Partners Group Holding AG Aktie Chart
Mächtige Freunde, aber wackelnde Allianzen
Partners Group ist kein kleines Haus ohne Rückhalt. Gantner spielte im vergangenen Jahr eine führende Rolle in einer Schweizer Wirtschaftsdelegation im Weißen Haus, die dazu beitrug, Trump zur Senkung der Zölle gegen die Schweiz zu bewegen. Die UBS stellte sich in dieser Woche in einem ungewöhnlich direkten Schritt öffentlich hinter das Unternehmen: „Wir betrachten sie weiterhin als einen geschätzten Partner.“
Doch die Partners Group warnte selbst am Donnerstag, dass sich das Wachstum der verwalteten Vermögenswerte in diesem und im nächsten Jahr verlangsamen könnte. Mächtige Freunde helfen wenig, wenn die Anleger ihr Kapital anderweitig investieren wollen. Immerhin zeigte die Aktie am Donnerstag mit einem Tagesplus von 3,73 % bereits eine erste Erholung. Nächste Earnings: 3. September 2026.
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