Ein Shortseller zieht den Abzug, Fonds sperren Rücknahmen, und das Management kauft gegen den Trend. Bei Partners Group überschlagen sich die Ereignisse.
Der Auslöser war der US-Leerverkäufer Grizzly Research. Er stellte die Bewertungsmethoden der Evergreen-Fonds öffentlich in Frage und behauptete, bis zu 40 Prozent der Investments könnten falsch bewertet sein. Partners Group wies die Vorwürfe als haltlos zurück und leitete rechtliche Schritte ein. Mitgründer Fredy Gantner macht Grizzly Research direkt für den Kurseinbruch verantwortlich und kündigte ein Strafverfahren an.
Rücknahme-Gate als Brandbeschleuniger
Die Vorwürfe trafen das Unternehmen in einem empfindlichen Moment. Der USD 8,6 Milliarden schwere Global Value SICAV-Fonds aktivierte am 3. Juni sein Rücknahme-Gate. Die Rücknahmeanträge lagen bei rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts — knapp das Doppelte des vertraglichen Quartalslimits.
Hinzu kommt ein in Delaware domizilierter Private-Equity-Fonds. Dort stiegen die Rücknahmeanträge auf rund 6 Prozent des Nettoinventarwerts. Partners Group prüft, auch diesen Fonds zu gaten.
Drei weitere Evergreen-Fonds mit zusammen rund 9,7 Milliarden Dollar AuM dürften im zweiten Quartal Rücknahmen zwischen 3,5 und 5 Prozent verbuchen. Das Unternehmen warnte selbst: Die Evergreen-Plattform könnte das Netto-AuM-Wachstum im zweiten Halbjahr 2026 um ein bis zwei Prozentpunkte bremsen. Für 2027 rechnet das Management mit einem ähnlichen Effekt.
Der Rücknahmedruck kommt fast ausschließlich aus dem Privatkundengeschäft. Dieses Segment steht für ein Fünftel der verwalteten Vermögen.
Analysten korrigieren nach unten
Das Kursbild spricht für sich. Die Aktie notiert bei 715,80 Euro — rund 41 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch und nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 703 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie 34 Prozent verloren.
Die Analysten reagieren. AlphaValue/Baader Europe senkte in einer Note vom 19. Juni die EPS-Schätzung für 2026 auf 46 Schweizer Franken — ein Minus von gut 7 Prozent. Für 2027 fiel die Schätzung sogar um fast 21 Prozent auf 49,7 Franken. Das Kursziel rutschte von 1.078 auf 1.008 Franken.
Das Muster zieht sich durch den Konsens. Mehrere Häuser strichen ihre EPS-Prognosen für 2026 und 2027 um 10 bis 22 Prozent zusammen. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut cash.ch bei 957 Franken. Barclays hält mit 1.200 Franken das höchste Ziel. Neun Häuser empfehlen Kaufen, sieben Halten, eines Verkaufen.
Management kauft massiv nach
Gegen den Trend stemmt sich die Unternehmensführung mit Eigeninvestitionen. Allein im Juni kauften Insider Aktien im Wert von rund 31 Millionen Franken. Seit Anfang Februar summieren sich die Käufe auf insgesamt 59,2 Millionen Franken. Gantner selbst hat zuletzt weitere Aktien erworben.
An der operativen Guidance hält Partners Group fest. Das Unternehmen peilt für 2026 eine Brutto-Neukundennachfrage von 26 bis 32 Milliarden Dollar an — gestützt durch eine sichtbare Fundraising-Pipeline.
Den ersten konkreten Stresstest liefert der 15. Juli. Dann veröffentlicht Partners Group das AuM-Update per 30. Juni. Die zentrale Frage: Haben die Nettozuflüsse die Rücknahmen aus dem Global Value SICAV kompensiert — und halten die Wachstumsziele für das zweite Halbjahr?
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