Palo Alto Networks Aktie: Rekordzahlen, roter Kurs

Symbolbild, KI-generiert

Palo Alto Networks meldet starkes Quartalswachstum und hebt den Ausblick an, doch sinkende Margen und höhere Cloudkosten drücken die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Quartalsumsatz erreicht 3,41 Milliarden Dollar
  • ARR steigt binnen Jahresfrist um 63 Prozent
  • Bruttomarge sinkt auf 74,8 Prozent
  • Aktie verliert regulär 5,25 Prozent

Bessere Zahlen als erwartet, trotzdem ein Kursrutsch: Palo Alto Networks liefert im vierten Geschäftsquartal auf allen wichtigen Kennzahlen einen Beat – und die Aktie verliert im regulären Handel 5,25 Prozent auf 362,08 Dollar, nachbörslich geht es weiter runter. Was auf den ersten Blick wie eine klassische Überreaktion wirkt, hat einen konkreten Auslöser: die Marge.

Wachstum ohne Wenn und Aber

Der Umsatz kletterte im vierten Quartal um 34 Prozent auf 3,41 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie stieg auf 1,02 Dollar – beides über den Erwartungen. Noch beeindruckender fällt der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) aus: Er wuchs um 63 Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar, angetrieben von starker Nachfrage nach der neuen Sicherheitsgeneration.

Die Remaining Performance Obligations, also bereits vertraglich gesicherte künftige Erlöse, kletterten um 34 Prozent auf 21,2 Milliarden Dollar und knackten damit erstmals die Marke von 20 Milliarden Dollar.

Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet der Konzern mit einem Umsatz zwischen 14,10 und 14,20 Milliarden Dollar, ein Plus von 23 bis 24 Prozent. Auch das liegt über dem, was der Markt vorher erwartet hatte.

Warum die Aktie trotzdem fällt

Der Haken liegt in der Kostenstruktur. Die Bruttomarge sank im Jahresvergleich um 100 Basispunkte auf 74,8 Prozent, und das Management kündigte an, dass die Cloud-Hosting-Kosten 2027 schneller wachsen werden als der Umsatz – eine Folge der Verschiebung hin zu Software-as-a-Service. Hinzu kommen steigende Speicher- und Hardwarekosten, die das klassische Firewall-Geschäft belasten.

Nach der Rallye der vergangenen Monate reagieren Anleger offenbar empfindlich auf jedes Signal, das die Profitabilitätsausweitung infrage stellen könnte.

Die Aktie hatte sich seit dem 7. April um 113 Prozent verteuert und war zuvor 2026 zeitweise im Minus gelegen. Vor diesem Hintergrund wirkt der aktuelle Rücksetzer eher wie eine Verschnaufpause nach starkem Lauf als wie ein fundamentaler Bruch.

Die KI-Wette des CEO

Konzernchef Nikesh Arora sieht in der Kostenlast zugleich die größte Wachstumschance der Firmengeschichte. Nach seiner Einschätzung müssen Unternehmen weltweit veraltete Sicherheitsinfrastruktur im Wert von rund einer Billion Dollar modernisieren, weil klassische Systeme dem Tempo KI-gestützter Angriffe nicht gewachsen sind.

Palo Alto hat nach eigenen Angaben bereits mit rund 2.000 Unternehmen Gespräche über sein im August gestartetes Frontier-AI-Programm geführt, das Kunden bei der Härtung ihrer Abwehr unterstützen soll.

Getragen wird das Wachstum auch von der Plattform-Strategie: Rund 2.500 Kunden nutzen inzwischen mehrere Produktfamilien gleichzeitig, diese Gruppe erwirtschaftet über 65 Prozent des NGS-ARR bei einer Nettoretention von mehr als 120 Prozent. Bis zum Geschäftsjahr 2030 peilt der Konzern mehr als 4.000 solcher Platformisierungen und ein NGS-ARR von 20 Milliarden Dollar an.

Der nächste Test kommt schnell: Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 hat Palo Alto ein RPO-Wachstum von 34 bis 35 Prozent und einen NGS-ARR-Anstieg auf 9,54 bis 9,56 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Ob die Marge bis dahin stabilisiert werden kann, dürfte darüber entscheiden, ob die aktuelle Kursschwäche nur eine Episode bleibt.

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