Wolfe Research hat seine jahrelange Skepsis gegenüber Palantir aufgegeben. Das ist eine klare Botschaft. Aber der Kurs reagierte kaum — und das sagt fast noch mehr.
Upgrade ohne Kaufempfehlung
Wolfe-Analysten stuften Palantir von „Underperform“ auf „Peer Perform“ hoch. Ein Kursziel nannten sie nicht. Die Begründung: Palantirs Wachstumsprofil sei für Investoren inzwischen schwer zu ignorieren. Konkret verwies Wolfe auf die AIP-Plattform, die Ontology-Datenbank und das sogenannte Forward-Deployed-Engineering-Modell als Kern der Differenzierung.
Die Zahlen, die Wolfe zitiert, sind beeindruckend. Die Nettoumsatzbindung liegt bei 150 Prozent, das US-Geschäft wuchs zuletzt um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der verbleibende Auftragsbestand stieg um 97 Prozent. Für den Zeitraum 2026 bis 2029 erwartet Wolfe im Basisszenario ein jährliches Umsatzwachstum von 39 Prozent — im Aufwärtsszenario sogar 55 Prozent.
Trotzdem kein Kaufvotum. Der Grund: Die Aktie wird mit dem rund 30-Fachen des 2027er-Umsatzes bewertet, das 65-Fache des Gewinns. Das ist etwa doppelt so viel wie vergleichbare Unternehmen. Kein Wunder, dass Wolfe bei aller Anerkennung des Geschäftsmodells zurückhaltend bleibt.
Moat unter Druck
UBS sieht das anders. Die Bank hält an ihrem Kaufvotum fest und nennt ein Kursziel von 200 US-Dollar. Allerdings wächst die Skepsis am Markt, ob Palantirs Burggraben wirklich hält. OpenAI, Anthropic und Databricks bauen eigene Deployment-Teams auf. Sie entwickeln Datenschichten, die Palantirs Ontology-Ansatz ähneln.
Palantir selbst argumentiert, sein System gehe weit über reine Sprachmodell-Anwendungen hinaus. Der Fokus liege auf operativen Ergebnissen und Entscheidungsunterstützung — nicht nur auf Datenabruf. Ob das reicht, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten, bleibt offen.
Frankreich als politisches Signal
Aus Europa kam eine unangenehme Schlagzeile. Frankreichs Premierminister kündigte an, den inländischen Sicherheitsdienst auf eine heimische Lösung umzustellen. Palantir-Manager widersprachen öffentlich und betonten, der bestehende Vertrag laufe weiter. Der Kontrakt war im Dezember 2025 verlängert worden.
Finanziell ist das Frankreich-Geschäft für Palantir überschaubar. Symbolisch ist es das nicht. Wenn Datensouveränität in Europa zum politischen Argument gegen US-Anbieter wird, könnte das künftige Ausschreibungen beeinflussen — weit über Frankreich hinaus.
Kurs weit unter den gleitenden Durchschnitten
Die Kursreaktion auf all das war verhalten. Auf Wochensicht legte die Aktie 0,74 Prozent zu. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 111,48 Euro. Damit notiert das Papier rund sechs Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 104,96 Euro — aber fast 40 Prozent unter dem Novemberhoch von 179,98 Euro.
Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte liegen oberhalb des aktuellen Kurses: der 50-Tage-Schnitt bei 118,55 Euro, der 200-Tage-Schnitt bei 136,94 Euro. Der RSI von 41,8 signalisiert keine Überhitzung, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 53 Prozent zeigt aber, wie nervös der Markt bleibt.
Eigene Prognose als Messlatte
Palantir hat seine Jahresziele im ersten Quartal angehoben. Der Konzern erwartet für 2026 einen Umsatz von rund 7,65 Milliarden US-Dollar. Das US-Geschäft soll mehr als 3,2 Milliarden Dollar bringen. Der freie Cashflow soll zwischen 4,2 und 4,4 Milliarden Dollar liegen.
Das sind die Zahlen, an denen Palantir gemessen wird. Wolfe hat die Bären-Fahne eingeholt, aber kein grünes Licht gegeben. Solange der Kurs unter dem 50-Tage-Durchschnitt bleibt und Europa politisch unruhig ist, dürfte die Prämie, die Anleger für Palantir zahlen, weiter unter Rechtfertigungsdruck stehen.
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