Während sich der Kurs von Palantir nach der jüngsten Berichtssaison weiter in Bewegung befindet, sorgt eine andere Nachricht für Diskussionsstoff: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) plant laut Berichten vom heutigen Samstag, seinen Datenanalyse-Vertrag mit dem Softwarekonzern zu verlängern und auszuweiten – trotz Bedenken, die ein durchgesickerter interner Prüfbericht aufgeworfen hat. Details zu Art und Umfang der beanstandeten Punkte wurden nicht bekannt, die Entscheidung selbst dürfte in der ohnehin intensiven Debatte um Palantirs Rolle bei sensiblen Behördendaten neue Nahrung liefern.
Kritischer Prüfbericht ändert nichts an der Fortsetzung
Dass eine UN-Organisation trotz aufgedeckter Kritikpunkte an der Zusammenarbeit mit Palantir festhält, unterstreicht, wie tief das Unternehmen inzwischen in öffentlichen Institutionen verankert ist. Genau dieses Geschäft mit Behörden und internationalen Organisationen gilt als einer der Wachstumstreiber, die Palantir zuletzt in seinen Zahlen auswies. Am Montag hatte der Konzern für das zweite Quartal einen Umsatzsprung von 93 Prozent auf 1,935 Milliarden Dollar gemeldet, das US-Regierungsgeschäft wuchs dabei um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar. Konzernchef Alex Karp brachte die Entwicklung damals auf die Formel: „Unser Geschäft hat sich in zwölf Monaten fast verdoppelt.“ Vor diesem Hintergrund wirkt der Fall des WFP wie ein Testfall dafür, ob Kritik an der Datenpraxis das Momentum in Palantirs Behördengeschäft bremsen kann – oder eben nicht.
Analysten streiten über die Bewertung
Genau an dieser Frage scheiden sich auch die Meinungen der Analystenhäuser, und zwar deutlicher als bei den meisten anderen Technologiewerten. Die Bank of America bleibt bei Buy und einem Kursziel von 255 Dollar. Morgan Stanley stuft die Aktie mit Equal-Weight und einem Kursziel von 205 Dollar dagegen deutlich zurückhaltender ein. Am pessimistischen Ende positionieren sich RBC mit einem Verkaufsrating und einem Kursziel von 90 Dollar sowie Jefferies-Analyst Brent Thill, der sein Kursziel zwar auf 80 Dollar anhob, aber bei einem Underperform-Rating bleibt. Thill begründet seine Skepsis mit den steigenden Wachstumshürden: Während Palantir in der zweiten Jahreshälfte 2026 an einer Vergleichsbasis von 67 Prozent Wachstum gemessen wird, dürfte diese Hürde bis zum ersten Halbjahr 2027 auf 89 Prozent steigen – ein Tempo, das sich nach seiner Einschätzung kaum durchhalten lässt. Der Starinvestor Michael Burry äußerte am Mittwoch öffentlich, er wünschte, er hätte Palantir-Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar leerverkauft, während ARK Invest seine Position reduzierte.
Institutionelle bauen ab, Kurs bleibt sprunghaft
Auch auf Investorenseite zeigt sich ein gemischtes Bild. Mehrere institutionelle Anleger bauten im zweiten Quartal ihre Palantir-Positionen ab, gleichzeitig verkauften Unternehmensinsider innerhalb von 90 Tagen Aktien im Wert von rund 150,7 Millionen Dollar. Andere große Adressen wie Vanguard oder State Street stockten ihre Bestände dagegen weiter auf – ein Hinweis darauf, dass die Skepsis einzelner Häuser nicht von der Mehrheit der Marktteilnehmer geteilt wird.
Der deutsche Kurs spiegelt diese Nervosität: Am Freitag schloss die Aktie bei 148,84 Euro, ein Plus von 9,88 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro, das Anfang November erreicht wurde, fehlen der Aktie trotz der jüngsten Erholung noch 17,30 Prozent. Der Fall des WFP-Vertrags dürfte in den kommenden Wochen zeigen, ob Bedenken an der Datenpraxis Palantirs Behördengeschäft tatsächlich belasten – oder ob Kunden wie Investoren dem Wachstumstempo weiterhin mehr Gewicht geben als der Kritik.
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