Nach einer dreimonatigen Kursrally von rund 60 Prozent im abgelaufenen dritten Quartal setzt Palantir Technologies seinen Aufwärtstrend an den Finanzmärkten fort. Die Aktie notiert aktuell bei 170,22 Euro und liegt damit nur 5,4 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro. Während das US-Geschäft rasant expandiert, sieht sich das Softwareunternehmen zunehmend mit wachsender Skepsis im europäischen Markt konfrontiert.
Wachstumsboom in den USA trifft auf Gewinnmitnahmen
Treiber der jüngsten Kursdynamik bleibt die starke Nachfrage nach Unternehmenslösungen im Heimatmarkt. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Palantir den kommerziellen Umsatz in den Vereinigten Staaten im Jahresvergleich um 149 Prozent auf 764 Millionen US-Dollar.
Der Gesamtumsatz kletterte im selben Zeitraum um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Management Konzernerlöse zwischen 8,15 Milliarden und 8,16 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Die steile Bewertung ruft am Markt jedoch auch vorsichtigere Töne hervor. Cathie Woods Investmentgesellschaft ARK Invest nutzte das Kursniveau gestern für Verkäufe und trennte sich von insgesamt 20.805 Palantir-Aktien im Gegenwert von knapp vier Millionen US-Dollar. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 100 auf Basis der erwarteten Gewinne preist der Titel bereits erhebliche künftige Erfolge ein.
Karp warnt vor Regulierung nach europäischem Vorbild
Zusätzliche Debatten entfachte Palantir-CEO Alex Karp mit deutlicher Kritik an der internationalen Wettbewerbspolitik. Er warnte die US-Regierung davor, die regulatorischen Ansätze der Europäischen Union im Bereich der künstlichen Intelligenz zu übernehmen, und bezeichnete diese als Vorlage dafür, was nicht funktioniere.
Zugleich plädiert Karp für den Einsatz offener KI-Modelle, da diese für viele Kunden optimal seien und kommerzielle Spitzenmodelle teilweise übertreffen könnten.
Die Äußerungen fallen in eine Phase spürbarer Zurückhaltung auf dem europäischen Kontinent. In Frankreich wurde Palantir beim Inlandsgeheimdienst ersetzt, während das deutsche Militär neue Auftragsvergaben vorerst ausschließt. Auch Schweizer Bundesbehörden lehnten die Software zuletzt ab.
Zudem formierte sich Widerstand im Vereinigten Königreich: Am 30. September wurde bekannt, dass mehr als 44.000 Einwände von Bürgern gegen die Datenverarbeitung durch Palantir im staatlichen Gesundheitsdienst NHS eingereicht wurden.
Analysten bleiben vor den Quartalszahlen gespalten
Die Wall Street blickt mit gemischten Erwartungen auf die weiteren Aussichten vor den für Anfang November angekündigten Ergebnissen zum dritten Quartal. Das Analysehaus Goldman Sachs stuft die Aktie mit einer neutralen Bewertung und einem Kursziel von 204 US-Dollar ein. Deutlich optimistischer zeigt sich Rosenblatt Securities mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 225 US-Dollar.
Das Papier behauptet sich ungeachtet der regionalen Dissonanzen in einem robusten Aufwärtstrend und notiert heute mit einem Plus von 0,7 Prozent. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf dürfte bleiben, ob das extreme Wachstum im US-Geschäft die drohenden Verwerfungen auf den Auslandsmärkten auch in den kommenden Quartalen kompensieren kann.
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