Palantir Technologies legt heute nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Der Softwarekonzern hat in den vergangenen acht Quartalen jedes Mal die Erwartungen übertroffen – eine Serie, die Anleger nun erneut auf die Probe stellt. Der Optionsmarkt preist für die Reaktion auf den Bericht eine Kursschwankung von rund zehn bis zwölf Prozent ein.
Im ersten Quartal hatte Palantir einen Umsatz von 1,63 Milliarden US-Dollar gemeldet, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und damit das elfte Quartal in Folge mit beschleunigtem Wachstum geliefert. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,33 US-Dollar und damit deutlich über der Analystenschätzung von 0,27 US-Dollar. Für das zweite Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 1,797 und 1,801 Milliarden US-Dollar in Aussicht, was einem Wachstum von rund 80 Prozent entspricht. Der Analystenkonsens für den Gewinn je Aktie liegt bei etwa 0,34 US-Dollar. Besonders im Blick steht das US-Geschäft: Im ersten Quartal wuchs der US-Umsatz um 104 Prozent auf 1,28 Milliarden US-Dollar, getragen von einem Plus von 133 Prozent im US-Commercial-Segment und 84 Prozent bei US-Regierungsaufträgen. Die Kundenzahl stieg im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 1.007, der Umsatz mit den zwanzig größten Kunden legte um 55 Prozent auf 108 Millionen US-Dollar zu.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Meinungen zu Palantir gehen weit auseinander. RBC Capital hat ein Kursziel von 90 US-Dollar ausgegeben und stellt die Nachhaltigkeit des Wachstums infrage – die Analysten verweisen auf zunehmende Konkurrenz durch OpenAI und Anthropic im Markt für KI-Software. Auf der anderen Seite bekräftigt Baird sein Kursziel von 200 US-Dollar, ebenso wie Oppenheimer, das die Einstufung „Outperform“ bestätigt. DA Davidson stuft die Aktie mit einem Kursziel von 175 US-Dollar als Kauf ein. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt bei rund 192 US-Dollar, was gegenüber dem zuletzt genannten US-Kurs von etwa 123 US-Dollar ein deutliches Aufwärtspotenzial implizieren würde. Insgesamt bewerten 15 Analysten die Aktie mit Kauf, vier mit Halten und zwei mit Verkaufen. Cleveland Research warnt zugleich vor einer möglichen Abschwächung der kommerziellen Ausgaben.
Palantir-Chef Alex Karp hatte die jüngsten Geschäftszahlen offensiv verteidigt und erklärt, die Ergebnisse übertreffen jede Softwarefirma in der Geschichte. Unternehmensseitig fordert Palantir zugleich, offene KI-Modelle politisch nicht einzuschränken. Im operativen Geschäft konnte das Unternehmen zuletzt punkten: Die US-Armee wählte Palantirs Foundry-Plattform im Juli für ihr NGC2-Programm aus, zudem besteht eine Partnerschaft mit Nvidia im Bereich souveräner KI-Infrastruktur. Ein Auftrag der US-Geheimdienstbehörde DIA wurde dagegen nach einem Einspruch zurückgezogen.
Politischer Gegenwind in Europa
Während das US-Geschäft wächst, wächst in Europa der Widerstand. Deutschland und Frankreich prüfen Berichten zufolge Alternativen zu Palantir, etwa das Angebot von ChapsVision. In Baden-Württemberg lehnen die Grünen den Einsatz der Software ab, und der Bürgermeister von London blockierte einen Vertrag mit der Polizei über 67 Millionen US-Dollar. Ergänzend berichtete das Onlinemagazin SatMeteo über ein deutsches Unternehmen namens Orcrist, das mit seiner Plattform „Sentinel“ gezielt als europäische Alternative zu Palantir für Sicherheitsbehörden positioniert wird.
Aktie so günstig wie seit drei Jahren nicht
An der Börse hat sich die Skepsis bereits in den Kursen niedergeschlagen. Die Palantir-Aktie schloss am Freitag bei 106,82 Euro, ein Plus von 0,77 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Verlust von 32,01 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro, erreicht am 3. November 2025, trennen die Aktie mittlerweile 40,65 Prozent. Diese Kursabschläge haben die Bewertung spürbar reduziert – ein Umstand, den mehrere Analysten als günstigsten Stand seit drei Jahren einordnen. Der RSI von 43,5 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von gut 53 Prozent auf die hohen Erwartungen vor dem heutigen Zahlenwerk verweist. Ob die Aktie die Trendwende schafft, dürfte sich mit der Reaktion auf die Zahlen am heutigen Abend entscheiden.
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