Die Palantir-Aktie sprang am 28. Mai 2026 um über acht Prozent nach oben — getragen von einer breiten Rallye im Enterprise-AI-Segment. Auslöser war ein Quartalsbericht von Snowflake, der die zentrale These bestätigte, auf die Palantir seine gesamte Jahresprognose aufgebaut hat: Unternehmen setzen KI nicht mehr nur testweise ein, sondern produktiv und in großem Maßstab.
Snowflake-Funke zündet Sektor-Rallye
Snowflake meldete beeindruckende Ergebnisse für das erste Quartal und sprach von einem „klaren Wendepunkt“ bei der Nachfrage nach Unternehmens-KI. Die Zahl der AI-Accounts kletterte innerhalb eines Quartals von 9.100 auf 13.600. ServiceNow und Oracle legten daraufhin mehr als sechs Prozent zu, Palantir über acht Prozent. Microsoft, Palo Alto Networks und Atlassian gewannen jeweils mindestens drei Prozent.
Die Bedeutung für Palantir geht weit über eine Sympathie-Bewegung hinaus. Snowflake und Palantir besetzen benachbarte, aber unterschiedliche Ebenen des Enterprise-AI-Stacks: Snowflake strukturiert und speichert die verwalteten Daten, Palantirs AIP baut die Ontologie- und Entscheidungsschicht darüber. Wenn Snowflake aus völlig eigenem Blickwinkel bestätigt, dass die Welle der KI-Einführung real ist, wird die Investorenthese schwerer haltbar, wonach AI-Ausgaben auf der Infrastrukturebene steckenbleiben, statt in Software-Umsätze zu konvertieren — die sogenannte „AI Ghost Trade“-Diskontierung.
Drohnen-Finanzierung stützt Defense-Seite
Parallel dazu beflügelten Berichte über mögliche US-Investitionen in heimische Drohnentechnologie die Hoffnung auf indirekte Vorteile für Palantir. Das Wall Street Journal nannte Unusual Machines, Performance Drone Works und Neros Technologies als potenzielle Empfänger staatlicher Finanzierung. Palantir könnte über seine Defense-Sparte von einer Ausweitung der Drohnen-Infrastruktur profitieren.
Fundamentale Stärke, angespannte Bewertung
Die fundamentalen Eckdaten bleiben robust. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar — die höchste Wachstumsrate der Unternehmensgeschichte. Das US-Geschäft mit kommerziellen Kunden sprang um 133 Prozent auf 595 Millionen Dollar. Das Management hob die Jahresprognose auf rund 7,65 Milliarden Dollar an, was einem Wachstum von 71 Prozent entspricht. Der verbleibende Deal-Wert im US-Geschäft stieg um 112 Prozent auf 4,92 Milliarden Dollar. Der bereinigte Free Cashflow erreichte 925 Millionen Dollar bei einer Marge von 57 Prozent.
Die Bewertung bleibt dennoch das zentrale Spannungsfeld. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 98 für das laufende Jahr und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 44 ist das Risikoprofil hoch. Insider verkauften in den letzten drei Monaten Aktien im Wert von 422 Millionen Dollar.
Am Freitag notierte die Aktie bei 126 Euro, ein Plus von 2,4 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp zwölf Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch bei 179,86 Euro fehlen 30 Prozent, zum Tief bei 104,86 Euro beträgt der Abstand gut 20 Prozent. Die Volatilität liegt annualisiert bei 48 Prozent, der RSI bei 89,9 — ein Signal für überkaufte Bedingungen.
Die Rallye zeigt, dass der Markt die Snowflake-Zahlen als bedeutsam wertet. Ob sie ausreicht, um die Bewertungsdebatte zu beenden, bleibt offen.
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