Palantir steckt tief in der Korrektur. Trotzdem traut ihr Rosenblatt Securities einen Kurssprung von mehr als 100 Prozent zu. Diese Kluft zwischen Kursverlauf und Analystenerwartung wird kurz vor den Quartalszahlen zum zentralen Thema.
Die Aktie notiert aktuell bei 105,92 Euro, ein Minus von 1,47 Prozent im Tagesverlauf. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast ein Drittel seines Wertes verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 179,98 Euro trennen die Aktie mittlerweile über 41 Prozent.
Rosenblatt Securities ließ sich von der Talfahrt nicht beeindrucken. In einer Analyse vom 30. Juli bestätigte die Bank ihr „Buy“-Rating und ihr Kursziel von 225 US-Dollar. Bei aktuellem Kurs entspräche das mehr als einer Verdopplung.
Der Quartalsbericht als Belastungstest
Anfang August legt Palantir seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Markt erwartet einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Dollar, ein deutliches Plus zum Vorjahr. Beim Gewinn pro Aktie rechnen Analysten mit etwa 0,35 Dollar.
Diese Werte passen zur bisherigen Prognose des Managements. Vorstand und Investoren rechnen mit anhaltendem Schwung im US-Geschäft mit Unternehmen und Behörden. Besonders im Blick steht die sogenannte „Rule of 40“ — eine Kennzahl aus Umsatzwachstum und Gewinnmarge, die im Vorquartal bei 145 Prozent lag. Bleibt Palantir auf diesem Niveau, dürfte das die Wachstumsstory weiter stützen.
Druck aus dem eigenen Sektor
Der gesamte Software-Sektor kämpft 2026 mit Gegenwind. Anleger ziehen sich aus Unternehmenssoftware zurück, und Palantir bekommt das besonders zu spüren. Konkurrenten wie Salesforce und Adobe haben sich zuletzt stabilisiert. Bei Palantir bleibt der Druck bestehen — die hohe Bewertung und aufkommende Konkurrenz durch große KI-Modellanbieter verunsichern Anleger.
Im Zentrum der Debatte steht die sogenannte „Ontologie“ von Palantir. Diese Software bildet die Betriebsabläufe eines Unternehmens digital ab und automatisiert damit Arbeitsprozesse. Andere KI-Werkzeuge konzentrieren sich auf reine Texterstellung. Palantirs Plattform zielt dagegen auf kontrollierte, handlungsorientierte Entscheidungen in komplexen Organisationen ab. Ob große Modellanbieter dieses Konzept kopieren können, bleibt fraglich — genau das gilt als Palantirs wichtigster Schutzwall.
Neue Partnerschaften trotz schwachem Kurs
Während der Kurs konsolidiert, expandiert Palantir munter weiter. Das Unternehmen kündigte eine Partnerschaft mit Zeta Global an, um KI-Infrastruktur ins Marketing zu integrieren. Mit dem Versicherer GNP Seguros baut Palantir zudem seine Präsenz in Mexiko aus.
Auch institutionelle Investoren zeigen Interesse. Laut aktuellen Meldepflichten hat IFS Group LLC im ersten Halbjahr eine neue Position in Palantir aufgebaut. Die Aktie handelt derzeit unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 130,64 Euro — ein Abstand von fast 19 Prozent.
Die Kombination aus optimistischen Analystenstimmen und robusten Wachstumszielen macht den Bericht Anfang August zu einem möglichen Wendepunkt. Bestätigt Palantir die Umsatzerwartung von 1,8 Milliarden Dollar und hält die „Rule of 40“ nahe 145 Prozent, dürfte das die Bullen-These von Rosenblatt untermauern. Verfehlt das Unternehmen diese Marken, dürfte der Abwärtstrend seit Jahresbeginn kaum enden.
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