Palantir mischt sich gerade in eine Debatte ein, die über das eigene Geschäft weit hinausreicht: Wer verdient eigentlich das Geld mit künstlicher Intelligenz? Die Antwort des Unternehmens fällt eindeutig aus – und trifft ausgerechnet OpenAI und Anthropic.
Ein Manifest gegen die KI-Abhängigkeit
Palantir hat in der vergangenen Woche ein umfangreiches Positionspapier veröffentlicht. Der Titel: „Institutional Sovereignty in the Age of AI“. Darin listet das Unternehmen 15 Schritte auf, mit denen sich Firmen und Regierungen vor der Marktmacht von KI-Laboren wie OpenAI und Anthropic schützen können.
Das Papier gießt in eine formale Strategie, was CEO Alex Karp zuvor schon in Fernsehauftritten wiederholt angedeutet hatte. Seine Kritik an den großen KI-Laboren wird damit greifbarer und aggressiver.
Im Kern geht es um eine einfache Frage: Wer sichert sich den Wert, den KI schafft? Die Labore, die die Basismodelle bauen. Oder die Unternehmen, die diese Modelle für Kunden nutzbar machen.
David Sacks, ehemaliger KI-Berater im Weißen Haus, unterstützt Karps Argumentation. Er warnt, Anthropic habe bereits Geschäftsfelder besetzt, die früher von Firmen bedient wurden, die auf den Modellen der Labore aufbauten. Das Muster sei immer gleich: Erst die Modellebene dominieren, dann die lukrativen Nischen darüber übernehmen.
Weder OpenAI noch Anthropic haben bislang öffentlich auf Palantirs Vorwürfe reagiert. Beide Unternehmen betonen lediglich, Kundendaten würden nicht für das Training ihrer Modelle verwendet.
Ganz uneigennützig ist Karps Vorstoß dabei nicht. Palantirs eigenes Geschäftsmodell sitzt genau in der Schicht zwischen KI-Modell und Endkunde – eine Position, von der das Unternehmen wirtschaftlich profitiert.
Die Aktie bleibt unter Druck
Während Karp öffentlich Grundsatzfragen aufwirft, kämpft die Palantir-Aktie mit einem längeren Abwärtstrend. Am Montag notiert das Papier bei 111,20 Euro, nur leicht über dem Freitagsschluss von 111,02 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro aus dem November fehlen über 38 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22,29 Prozent zu Buche. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt der Rückgang 13 Prozent. Immerhin: Seit dem 52-Wochen-Tief von 93,30 Euro Ende Juni hat sich die Aktie um rund 19 Prozent erholt.
Der Kurs bewegt sich weiterhin unterhalb der wichtigen gleitenden Durchschnitte. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 114,50 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt sogar bei 133,38 Euro. Beide Marken signalisieren: Der langfristige Trend zeigt trotz der jüngsten Erholung noch nach unten.
Die fundamentale Entwicklung erzählt eine andere Geschichte. Der Umsatz stieg im letzten Quartal auf 1,632 Milliarden Dollar – ein Plus von fast 85 Prozent im Jahresvergleich und die höchste Wachstumsrate seit dem Börsengang. Das US-Geschäft wuchs um 104 Prozent, das US-Commercial-Segment sogar um 133 Prozent auf 595 Millionen Dollar.
Trotz der Kursschwäche kletterte die Marktkapitalisierung über die Marke von 300 Milliarden Dollar. Wachstum und Bewertung laufen bei Palantir derzeit in unterschiedliche Richtungen.
Geteiltes Echo aus der Tech-Branche
Die Debatte um Palantirs Souveränitäts-Vorstoß hat längst Kreise gezogen. Microsoft-Chef Satya Nadella äußerte sich unabhängig davon zu einem ähnlichen Thema. Wer nur Konsument eines Basismodells sei, könne kaum erklären, wie er dauerhaft Unternehmenswert schaffen oder halten wolle, so Nadella.
Nicht jeder in der Branche teilt diese Sichtweise. Ein Insider aus einem KI-Labor wird mit deutlichen Worten zitiert: Die Labore wären „Narren“, wenn sie auf „Karps Theatralik“ reagierten. Karp rede schließlich vor allem für sein eigenes Buch.
Ausblick
Palantir meldet in den kommenden Wochen die nächsten Quartalszahlen. Investoren werden genau beobachten, ob die Souveränitäts-Debatte auch neue Vertragsabschlüsse bringt – besonders im Regierungsgeschäft und in regulierten Branchen, wo Palantir bereits stark vertreten ist.
Die 30-Tage-Volatilität liegt bei über 51 Prozent, der RSI bei 49. Beide Werte deuten auf einen Markt hin, der sich noch nicht entschieden hat. Wie Kunden aus Wirtschaft und Politik auf das Positionspapier reagieren, dürfte in den kommenden Wochen mit über die Stimmung an der Börse entscheiden.
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