Sadiq Khan hat ein Problem. Oder genauer: Er bekommt eines. Palantir, das US-Technologieunternehmen von Alex Karp, hat dem Londoner Bürgermeister über seine Anwälte mitgeteilt, dass man seine Entscheidung vor Gericht anfechten wird. Der Anlass: Khan hatte im Mai einen 50-Millionen-Pfund-Vertrag zwischen der Metropolitan Police und Palantir gekippt, mit dem Scotland Yard KI-gestützte Ermittlungstechnologie erhalten hätte.
Werte oder Politik?
Khans Büro begründete das Veto mit Bedenken am Beschaffungsprozess. Die Met habe keine anderen Anbieter angefragt, nur Palantir. Dazu kamen Hinweise auf die „Ethik“ des Unternehmens und die Sorge, öffentliches Geld in Firmen zu stecken, die nicht den Werten Londons entsprächen.
Palantir lässt das nicht auf sich sitzen. Ein Unternehmenssprecher nannte Khans Werturteil eine „subjektive Einschätzung“. Man nehme diese Entscheidung nicht auf die leichte Schulter, könne aber nicht tatenlos zusehen, wenn die Beschaffung der Software auf diese Weise politisiert werde.
Mosley greift Khan direkt an
Palantirs UK-Chef Louis Mosley war bereits Ende Mai auf Times Radio deutlich geworden. Khan stelle „Politik über öffentliche Sicherheit“, sagte er. Ohne die Software hätten feindliche Staaten und Kriminelle einen Vorteil. Die Met könne damit auch nicht mehr Beamte auf die Straße bringen.
Harte Worte. Und nicht ganz aus der Luft gegriffen: Palantir arbeitet bereits mit dem NHS, dem britischen Verteidigungsministerium sowie mehreren Polizeibehörden in Bedfordshire und Leicestershire zusammen. Ausgerechnet London soll nun eine Ausnahme sein.
Khan redet über Leitplanken
Der Bürgermeister wiederum erklärte gegenüber City AM, die Menschen wollten Sicherheit beim KI-Einsatz durch öffentliche Stellen. „Was sind die Leitplanken? Was sind die Regeln?“, fragte Khan. Er sei nicht so begeistert von KI, dass er die Bedeutung von Regeln vergesse.
Das klingt vernünftig. Nur: Palantir hält bereits Dutzende Verträge mit britischen Behörden. Die Frage, ob das Unternehmen Londons Werte erfüllt, stellt sich bei der Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium offenbar nicht. Für die Met Police schon. Irgendwie.
Palantir Technologies Inc. Aktie Chart
Aktie unter Druck
Die Palantir-Aktie notiert seit Jahresbeginn gut 25 Prozent im Minus. Ein verlorener 50-Millionen-Pfund-Auftrag ist für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 303 Milliarden US-Dollar kein Erdbeben. Aber der Rechtsstreit mit einem der bekanntesten Stadtpolitiker Europas ist auch keine Werbung, auf die man sich freut. Ob Khan am Ende recht behält oder Palantir, entscheiden britische Gerichte. Die Aktie wartet derweil auf bessere Nachrichten.
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