Dreißig Prozent an einem einzigen Tag. Wer die Palantir-Aktie in den Tagen vor dem Q2-Ergebnis noch zögerlich beobachtet hatte, dürfte sich danach an den Kopf gegriffen haben. Die Zahlen kamen rein, der Markt reagierte, und zwar nicht verhalten.
Was hinter dem Kurssprung steckt
Palantir hat das zweite Quartal 2026 mit einem Umsatz abgeschlossen, der die Konsensschätzungen um 7 Prozent übertroffen hat. Nicht knapp, sondern satt. Treiber waren sowohl das Regierungs- als auch das kommerzielle Geschäft, beide auf beschleunigtem Wachstumspfad. Die Zahl der Deals mit einem Volumen von mindestens 10 Millionen Dollar stieg um 55 Prozent im Quartalsvergleich. In Summe schloss Palantir kommerzielle Buchungen von 2,337 Milliarden US-Dollar und Regierungsbuchungen von 3,4 Milliarden ab. Der verbleibende Gesamtauftragswert liegt bei 13,1 Milliarden Dollar.
Das Unternehmen erreichte dabei eine sogenannte „Rule of” 155 Prozent, also Umsatzwachstum plus bereinigte operative Marge kombiniert. Das ist eine Zahl, bei der selbst hartgesottene Wachstumsskeptiker kurz innehalten.
Nur 17 Prozent sind bisher dabei
Hier wird es interessant. Gartner hat erhoben, dass im April 2026 erst 17 Prozent der Unternehmen weltweit irgendeine Form von Agentic AI einsetzen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen es mehr als 60 Prozent sein. Wer das als Rückenwind für Palantir liest, liegt nicht falsch, aber der Haken ist die Geschwindigkeit. Ein ERP-System braucht in großen Organisationen bis zu 24 Monate für die Einführung, und das ist ein System, das seit Jahrzehnten auf dem Markt ist. Agentic AI ist komplexer, nicht einfacher. Governance, Compliance, Cybersicherheit, Integration, Schulung, das alles kostet Zeit.
Das kann zweierlei bedeuten: Die Adoption läuft langsamer als erhofft, oder der Markt ist größer und langlebiger als gedacht. Beides gleichzeitig ist möglich.
Eine kleine Anpassung mit Folgen
Palantir hat im zweiten Quartal die Cloud-Hosting-Kosten für Regierungskunden selbst übernommen, um die Einführungszeit zu verkürzen. Das kostet kurzfristig Marge, brachte aber eine bereinigte Bruttomarge, die um 399 Basispunkte gestiegen ist. Für Q3 2026 rechnet der Analyst mit 2,2 Milliarden Dollar Umsatz und einem bereinigten EPS von 0,51 Dollar. Die bereinigte operative Marge soll sich für das zweite Halbjahr bei rund 46 bis 47 Prozent einpendeln, bevor sie 2027 weiter steigt.
Das Kursziel und was dahintersteckt
Die Aktie handelt aktuell bei rund 67,49x Umsatz, was deutlich unter dem Zwölf-Monats-Hoch von etwa 125x liegt. Das ist also immer noch sehr ambitioniert, aber immerhin näher dran an einer realistischeren Einschätzung. Jetzt hängt vieles dran, wie schnell Unternehmen weltweit tatsächlich KI-Agenten einführen. 17 Prozent sind bisher dabei. 83 Prozent noch nicht. Das ist entweder ein Problem oder eine Chance. Palantir wettet auf Letzteres.
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