Eine milliardenschwere Investitionswelle in künstliche Intelligenz soll der Softwarebranche langjährigen Schub verleihen. Analyst Daniel Ives von Yorkville Ives hat Palantir Technologies nun zu einer seiner fünf wichtigsten Technologieaktien für das Geschäftsjahr 2027 gekürt. Ives startete die Einstufung der Aktie mit „Buy“ und setzte ein Kursziel von 250 US-Dollar an.
Rückenwind durch neue Brancheneinschätzung
Nach Einschätzung des Analysten steht der weltweite Ausbau der KI-Infrastruktur erst am Anfang. Ives verglich den Zyklus mit dem dritten Abschnitt eines typischen Neun-Inning-Spiels. Für die kommenden Jahre prognostiziert er ein branchenweites Ausgabenvolumen von vier Billionen US-Dollar.
Palantir nehme dabei die Rolle einer zentralen Betriebsschicht für Unternehmen und Behörden ein. Während Konkurrent Oracle von Yorkville Ives lediglich eine Halteempfehlung mit einem Kursziel von 155 US-Dollar erhielt, sieht Ives bei Palantir eine deutlich stärkere operative Hebelwirkung. Bei Goldman Sachs zeigt man sich dagegen zurückhaltender und stuft das Papier unverändert mit „Hold“ ein.
An der Börse notiert das Papier im vorbörslichen Handel bei 172,98 Euro. Damit beträgt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro lediglich minus 3,9 Prozent.
Starkes Wachstum im US-Kommerzgeschäft
Fundamentale Unterstützung erhält die optimistische Branchensicht durch die jüngste Geschäftsentwicklung. Im Quartal bis zum 30. Juni 2026 steigerte Palantir den Konzernumsatz im Jahresvergleich um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn legte parallel von 326,73 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 1,06 Milliarden US-Dollar zu.
Treiber dieser Dynamik ist vor allem die zivile Nachfrage nach der Artificial Intelligence Platform (AIP). Die Erlöse mit US-Geschäftskunden kletterten im Vergleich zum Vorjahr um 149 Prozent auf 764 Millionen US-Dollar. Die Kennzahl der Net Dollar Retention erreichte 157 Prozent.
Das Unternehmen wandelt sich zusehends von einem reinen Dienstleister für Regierungsorganisationen zu einem breiter aufgestellten Softwareanbieter. Die hohe Softwaremarge verschafft dem Management Spielraum, die Plattformlösungen ohne teure bilanzielle Belastungen im Markt zu verankern.
Öffentliche Aufträge und Gegenwind in Übersee
Neben der Skalierung im kommerziellen Sektor bleibt das Behördengeschäft ein wichtiges Standbein. Gleichzeitig verläuft das Geschäft mit öffentlichen Institutionen nicht völlig reibungslos. In Großbritannien steht der großvolumige Vertrag zur Datenplattform des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS seit Längerem auf dem Prüfstand, begleitet von Datenschutzbedenken und Protesten von Bürgergruppen. Diese Kontroversen im Ausland änderten zuletzt jedoch nichts am robusten US-Kerngeschäft.
Mit einer Marktkapitalisierung von 412,35 Milliarden Euro gehört der Softwarekonzern mittlerweile zu den Schwergewichten des Sektors. Für die kommenden Quartale wird entscheidend sein, ob die Wachstumsraten im Unternehmenskundengeschäft das hohe Bewertungsmultiplikator dauerhaft rechtfertigen können.
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