Palantir gerät in Europa zunehmend unter Druck. Während das US-Geschäft wächst, wenden sich Frankreich und Deutschland demonstrativ von dem Daten-Spezialisten ab. Die beiden Schwergewichte planen eine eigene Software-Basis für ihre Verteidigung.
Frankreich und Deutschland planen Eigenweg
Emmanuel Macron und die deutsche Führung unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung für einen „europäischen souveränen digitalen Backbone“. Dieses Projekt soll Daten-Sicherheit, Cloud-Lösungen und KI-Tools für das Militär bündeln. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Anbietern aus Übersee massiv zu reduzieren.
Das Vorhaben nutzt die französische KI-Plattform „Arcadia“ als Grundlage. Indes ziehen erste Sicherheitsbehörden bereits praktische Konsequenzen. Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI und das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz ersetzen Palantir-Anwendungen durch das System ArgonOS.
Die Bundeswehr geht noch einen Schritt weiter. Sie hat den US-Anbieter komplett von der Vergabe ihrer Verteidigungs-Cloud ausgeschlossen. Damit verliert Palantir wichtige Ankerpunkte im europäischen Regierungsgeschäft. Marktbeobachter werten dies als deutliches Signal für einen wachsenden digitalen Nationalismus in Europa.
Widerstand im Gesundheitswesen
Zwar nutzt die NATO für die Verarbeitung von Gefechtsdaten weiterhin die Palantir-Software Maven. Doch auch im zivilen Bereich mehren sich die Zweifel. Im britischen Gesundheitsdienst NHS regt sich Widerstand gegen die zentrale Datenplattform des Konzerns.
Rund 30 Prozent der beteiligten englischen Kliniken führen weniger Operationen durch als vor der Einführung des Systems. Behörden räumten zudem ein, dass sich Leistungsverbesserungen nicht eindeutig auf die Software zurückführen lassen. Erste regionale Gesundheitsboards lehnten die Plattform bereits zugunsten eigener Lösungen ab.
Kursplus trotz politischem Gegenwind
Die Aktie reagiert am Montag mit einem Plus von knapp drei Prozent auf 119 Euro. Damit erholt sie sich moderat vom Junitief bei rund 93 Euro. Dennoch notiert das Papier seit Jahresbeginn noch etwa 24 Prozent im Minus.
Palantir versucht die Bedenken zur Datensouveränität mit neuen Partnerschaften zu zerstreuen. Zusammen mit Nvidia entwickelt der Konzern lokale KI-Modelle für streng gesicherte Umgebungen. Diese technologische Antwort muss sich bei den anstehenden Ausschreibungen für Regierungsaufträge im Herbst beweisen.
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