Eine internationale Recherche des Journalistennetzwerks Follow the Money und 18 Partnermedien lenkt den Blick auf das europäische Geschäft des US-Datenanalysten Palantir. Demnach summieren sich die dokumentierten Staatsaufträge in europäischen Ländern und Institutionen auf mehr als 1,4 Milliarden Euro.
Der Großteil davon entfällt auf Großbritannien, wo Verträge im Umfang von rund 1,17 Milliarden Euro erfasst wurden, während auf das kontinentaleuropäische Geschäft mindestens 264 Millionen Euro entfallen. Gleichzeitig wächst auf dem Kontinent die Skepsis gegenüber dem US-Konzern.
Debatte um Souveränität und Datenschutz
Hintergrund der Vorbehalte sind vor allem Bedenken hinsichtlich der digitalen Datensouveränität und Sicherheitsrisiken durch den US CLOUD Act. Dieses US-Gesetz gestattet den Behörden der Vereinigten Staaten unter bestimmten gerichtlichen Voraussetzungen den Zugriff auf Daten, die bei US-verbundenen Technologieanbietern gespeichert sind.
Mehrere europäische Behörden ziehen daraus Konsequenzen. Frankreichs Inlandsgeheimdienst DGSI und das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz entschieden sich 2026 für europäische Ersatzlösungen. Auch die Bundeswehr lehnte den Einsatz von Palantir-Software ab und setzt stattdessen auf ein eigenes System.
In Spanien soll ein mit 16,5 Millionen Euro dotierter Kontrakt Ende 2026 auslaufen, während die Niederlande binnen zwei Jahren den Wechsel zu einer europäischen Alternative anstreben. Zudem beabsichtigt die norwegische Polizei, ihren bis 2027 laufenden Vertrag nicht zu verlängern.
Londoner Großaufträge auf dem Prüfstand
Auch in Großbritannien, Palantirs größtem europäischen Markt mit mindestens 34 staatlichen Verträgen, verschärft sich das Umfeld. Zwar einigten sich das Unternehmen und das Londoner Polizeiamt MOPAC in einem Rechtsstreit vor dem High Court über einen blockierten Vertrag über 50 Millionen Pfund ohne gegenseitige Zahlungen. Allerdings bleibt der zweijährige Auftrag neu ausgeschrieben, wenngleich sich Palantir erneut bewerben darf.
Zusätzlich geraten weitere Schlüsselaufträge in den Fokus. Die britische Regierung prüft den 2023 vergebenen NHS-Datenplattformvertrag im Wert von bis zu 330 Millionen Pfund vor dem Greifen einer vertraglichen Ausstiegsklausel im Februar 2027. Bereits Anfang des Monats gab es Signale aus London, Abhängigkeiten im Verteidigungsministerium und im Gesundheitswesen mittelfristig verringern zu wollen.
Hohes Wachstum stützt den Aktienkurs
Abseits der europäischen Souveränitätsdebatte zeigte sich das operative Geschäft zuletzt hochdynamisch. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Palantir den Gesamtumsatz im Jahresvergleich um knapp 93 Prozent auf rund 1,94 Milliarden US-Dollar, getrieben vor allem von einer starken Nachfrage im US-Heimatmarkt.
Die Analysten von Goldman Sachs beurteilten die Aussichten des Softwareunternehmens optimistisch, versahen die Aktie mit einer Kaufempfehlung und setzten das Kursziel auf 230 US-Dollar an.
Am Markt notiert das Papier bei 178,72 Euro und liegt damit rund 6,1 Prozent unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch von 190,36 Euro. Ob die Zurückhaltung europäischer Regierungsstellen den Wachstumspfad nachhaltig dämpfen kann, wird sich unter anderem bei den anstehenden Zahlen zum dritten Quartal zeigen.
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