Palantir Technologies liefert seit Monaten ein Bild, das kaum zusammenpasst. Die Aktie notiert bei rund 172 Dollar und liegt damit über die vergangenen zwölf Monate leicht im Minus, während das operative Geschäft von Quartal zu Quartal schneller wächst. Genau in dieser Lücke steckt die eigentliche Geschichte, und sie dreht sich um eine Zahl, die im jüngsten Bericht überraschend wenig Beachtung fand.
Ein Auftragspolster größer als der Jahresumsatz
Palantir sitzt auf einem sogenannten Remaining Deal Value von 13,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dahinter stehen Aufträge, die bereits verkauft, aber noch nicht als Umsatz verbucht sind. Dieser Wert übersteigt den gesamten Umsatz der zurückliegenden zwölf Monate und gilt als bester Hinweis darauf, wohin das Wachstum als Nächstes läuft. Für Anleger ist das die Kennziffer, die viele Diskussionen über die Aktie entscheiden dürfte.
Zahlen, die selbst Skeptiker aufhorchen lassen
Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 93 Prozent auf 1,935 Milliarden Dollar und übertraf damit die eigene Prognose deutlich. Bemerkenswert ist, wie stark die Profitabilität mitzog. Die operative Marge stieg von 27 auf 47 Prozent, weil die Kosten mit rund 39 Prozent viel langsamer wuchsen als der Umsatz. Fast jeder zusätzlich verdiente Dollar landete also als Gewinn. Der Nettogewinn erreichte gut eine Milliarde Dollar. Zur Einordnung: Der oft zitierte Rule-of-40-Wert, der Wachstum und Marge zu einer Art Gesundheitscheck addiert, lag bei 155 Prozent, wobei alles über 40 Prozent bereits als stark gilt.
Palantir Aktie Chart
Ein Engpass löst sich, und das verändert das Tempo
Lange galt als Bremse, dass jeder neue Kunde ein kleines Heer eigener Palantir-Ingenieure benötigte. Die Nachfrage war selten das Problem, die verfügbare Mannschaft schon. Über die Partnerschaft mit Rackspace, die von 30 auf mehr als 250 geschulte Fachkräfte ausgebaut werden soll, könnte sich dieser Flaschenhals öffnen. Damit ließen sich unterschriebene Verträge schneller in Umsatz verwandeln, und plötzlich rücken auch mittelgroße Firmen als Kunden in Reichweite, für die sich das Geschäft vorher rechnerisch nicht lohnte.
Nicht alles glänzt jedoch. Außerhalb des starken US-Kommerzgeschäfts gingen die neuen Auftragseingänge im Jahresvergleich um rund 13 Prozent zurück, was am Markt als Klumpenrisiko ausgelegt werden könnte. Bleibt die Frage, ob das riesige Auftragspolster tatsächlich im erhofften Tempo in Erlöse fließt oder ob genau hier die Wette kippt.
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