Palantir hat gestern Bedenken über eine mögliche Abschaltung des NATO-Systems Maven Smart System zurückgewiesen. Laut Reuters erklärte Louis Mosley, Palantirs Verantwortlicher für Großbritannien und Europa, weder das Unternehmen noch die US-Regierung könnten das System abschalten.
Die Aussage adressiert europäische Sorgen über die Abhängigkeit von US-Technologie. Für Anleger berührt sie damit eine Frage der Akzeptanz von Palantirs Software im staatlichen Bereich.
Zusicherung zur Kontrolle über Maven
Reuters zufolge reagierte Mosley auf Befürchtungen, die nach Unterbrechungen des Starlink-Dienstes in der Ukraine entstanden waren. Seine Aussage bezieht sich konkret auf Maven Smart System. Sie ist damit eine Zusicherung zur Kontrolle über dieses NATO-System, keine pauschale Aussage über sämtliche Produkte oder staatlichen Einsatzgebiete von Palantir.
Die Unterscheidung ist für die Einordnung wichtig: Die Möglichkeit einer Abschaltung und die weiter gefasste Frage technologischer Abhängigkeit sind nicht dasselbe. Mosleys Erklärung richtet sich gegen ein konkretes Szenario. Bedenken zur Datensouveränität werden dadurch nicht automatisch ausgeräumt.
Schweizer Entscheidungen zeigen die Hürden
Wie konkret solche Vorbehalte sein können, illustriert ein am 15. Oktober veröffentlichter Bericht von Republik und WAV. Demnach prüften die Schweizer Armee und Armasuisse Palantir-Produkte fünfmal und entschieden sich jedes Mal dagegen. Zu den Gründen zählten Bedenken hinsichtlich der Datensouveränität.
Diese Entscheidungen betreffen einen anderen Beschaffungskontext als das NATO-System. Sie zeigen aber, weshalb Aussagen zur technischen Kontrolle für Anleger relevant sind: Interesse an Software bedeutet noch keine positive Beschaffungsentscheidung. Die Schweizer Ablehnungen lassen sich umgekehrt nicht als Urteil über Maven Smart System lesen.
Analysten setzen auf Nachfrage
Den Vorbehalten stehen positive Erwartungen an das Geschäft gegenüber. Medienberichten zufolge erhöhte Citi gestern das Kursziel für Palantir von 245 $ auf 250 $ und hielt an der Kaufempfehlung fest. Als Begründung nannte das Haus positive unterjährige Prüfungen im US-Geschäft mit kommerziellen Kunden und Bundesbehörden.
Damit richtet sich der Blick neben der politischen Akzeptanz auch auf die tatsächliche Nachfrage. Die Analysteneinschätzung ist allerdings eine Erwartung und noch kein gemeldetes Geschäftsergebnis.
StoneX bekräftigte am Dienstag die Einstufung „Halten“. Das Haus erwartet ebenfalls ein starkes Quartal, getragen von der Nachfrage kommerzieller US-Kunden und staatlicher Auftraggeber. Die unterschiedliche Empfehlung zeigt: Eine positive Geschäftserwartung führt nicht zwangsläufig zu einem Kaufvotum.
Den nächsten konkreten Prüfstein liefert Palantir am 2. November 2026 nach US-Börsenschluss mit den Zahlen zum dritten Quartal 2026. Bis dahin stehen zwei Aspekte nebeneinander: Analysten erwarten starke Nachfrage, während europäische Kunden Fragen der Kontrolle und Datensouveränität prüfen. Mosleys Zusicherung adressiert einen Teil dieser Bedenken, ersetzt aber keinen Nachweis zusätzlicher Aufträge.
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