Palantir Technologies hat mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal 2026 einmal mehr bewiesen, dass es die eigenen Erwartungen sprengen kann – und die der Analysten gleich mit. Für mich ist die entscheidende Frage nach diesem Bericht nicht mehr, ob das Unternehmen wächst, sondern ob der Kurs diesem Wachstum noch etwas Neues abgewinnen kann. Die Antwort fällt differenzierter aus, als es die Schlagzeilen der vergangenen Tage vermuten lassen.
Die Zahlen sprechen für sich
Am 3. August meldete Palantir einen Umsatz von 1,94 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das US-Regierungsgeschäft legte um 90 Prozent auf 809 Millionen US-Dollar zu. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 0,41 US-Dollar und übertraf den Konsens von 0,35 US-Dollar deutlich. Erstmals überhaupt knackte der GAAP-Nettogewinn die Marke von einer Milliarde US-Dollar. Das Unternehmen schloss im Quartal 220 Deals über einer Million US-Dollar ab, darunter 73 Verträge mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen US-Dollar. Die Prognose für das Gesamtjahr 2026 wanderte auf einen Mittelwert von 8,154 Milliarden US-Dollar nach oben, für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 2,160 und 2,164 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Diese Dynamik hat auch die Wall-Street-Analysten zum Umdenken gezwungen. UBS erhöhte am 4. August das Kursziel auf 220 US-Dollar und verwies auf die Beschleunigung des Umsatzwachstums sowie die kräftige Anhebung der Jahresprognose. Piper Sandler bekräftigte am selben Tag seine Overweight-Einstufung mit einem Kursziel von 230 US-Dollar und hob dabei besonders den Sprung des US-Commercial-Umsatzes um 149 Prozent hervor. Truist zog mit einem Ziel von 223 US-Dollar nach, Benchmark hingegen beließ es bei einer Hold-Einstufung und argumentierte, die starke Performance sei im aktuellen Kurs bereits eingepreist.
Ontologie als Argument, Bewertung als Bremse
Was mich an dieser Debatte überzeugt, ist der Verweis auf die sogenannte „Ontologie“ von Palantir als Differenzierungsmerkmal gegenüber reinen Foundation-Model-Anbietern – ein Argument, das Analysten am 6. August aufgriffen. Es beschreibt, warum Kunden offenbar bereit sind, für die Integrationsfähigkeit der Plattform zu zahlen, nicht nur für rohe Rechenleistung. Das Management selbst untermauerte dies mit der Aussage, man signiere derzeit schneller neue Aufträge, als man sie abrechnen könne – inklusive eines Zehn-Millionen-Dollar-Jahresvertrags, den Palantir in einem direkten Wettbewerbsvergleich gegen ein führendes KI-Labor gewann.
Gleichzeitig warnte Morningstar am 6. August trotz „ostentativen“ Wachstums vor einer anspruchsvollen Bewertung und hält an einem Fair-Value-Schätzwert von 153 US-Dollar fest. Auch Citigroup senkte sein Kursziel bereits am 24. Juli auf 200 US-Dollar, ohne die Kaufempfehlung aufzugeben – ein Hinweis darauf, dass selbst wohlwollende Beobachter die Bewertungsspanne im SaaS-Sektor kritisch sehen. Für mich zeigt genau diese Spanne zwischen 153 und 230 US-Dollar Kursziel, wie unsicher selbst Profis bei der Einordnung dieses Geschäftsmodells bleiben.
Der Kurs hat die Euphorie schon halb verdaut
Aktuell notiert die Aktie bei 134,68 Euro und gibt heute um 1,84 Prozent nach – ein deutliches Zeichen, dass der erste Schwung der Rekordzahlen bereits wieder abflaut. Zum 52-Wochen-Hoch von November 2025 fehlen dem Papier noch 25,17 Prozent, was mir zeigt: Trotz der jüngsten Kursgewinne ist von Euphorie ohne Grenzen aktuell keine Spur. Diese Distanz relativiert für mich auch die Kritik an einer angeblich überhitzten Bewertung – der Markt hat längst begonnen, selbst nachzujustieren.
Nicht ganz ins Bild passt eine Recherche der Organisation Cictar vom 5. August, laut der Palantir 2024 trotz öffentlicher Aufträge in Höhe mehrerer Hundert Millionen Pfund nur zwei Millionen Pfund Unternehmenssteuer in Großbritannien zahlte. Gewerkschaften kritisierten dies scharf – ein Reputationsthema, das operativ zwar keine unmittelbaren Folgen zeigt, langfristig aber politischen Gegenwind erzeugen könnte, gerade weil das Unternehmen so stark von Regierungsaufträgen abhängt.
Unterm Strich überzeugt mich die operative Story von Palantir nach wie vor: Wachstumstempo, Margenentwicklung und die Fähigkeit, Aufträge schneller zu gewinnen als abzurechnen, sprechen für ein Unternehmen im Aufwind. Die Bewertungsdebatte zwischen 153 und 230 US-Dollar Kursziel zeigt aber, dass hier viel Zukunft bereits vorwegverhandelt wird. Für mich überwiegt das operative Momentum knapp die Bewertungssorgen – ein Urteil, das sich mit jedem weiteren Quartalsbericht neu bestätigen muss.
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