Palantir-Chef Alex Karp hat Anfang Juli mit scharfer Kritik an den Preismodellen von OpenAI und Anthropic für Aufsehen gesorgt. In einem knapp 20-minütigen Auftritt bei CNBC’s Squawk Box am 1. Juli 2026 bezeichnete er die tokenbasierte Abrechnung der Konkurrenten als „völlig verrückt“ und warf den Anbietern vor, den Wert der Kundendaten einseitig abzuschöpfen. Die Aussagen sorgten für Diskussionen in der gesamten Branche: Der frühere Weiße-Haus-Berater für KI-Politik, David Sacks, griff die Debatte auf, und auch Microsoft-Chef Satya Nadella äußerte sich kritisch dazu, wie Unternehmen den Wert ihrer Daten gegenüber KI-Anbietern behalten können. Am Tag von Karps Auftritt legte die Palantir-Aktie an der Nasdaq zwischen 8 und 9 Prozent zu, je nach Quelle.
Parallel zur öffentlichen Debatte veröffentlichte Palantir Ende Juni ein Positionspapier mit dem Titel „Institutional Sovereignty in the Age of AI“, das in 15 Punkten Maßnahmen zum Schutz von Institutionsdaten vor KI-Anbietern skizziert. Zudem baute das Unternehmen seine Partnerschaft mit Nvidia aus: Gemeinsam mit dem Chiphersteller sollen auf Nemotron-Modellen basierende, quelloffene KI-Systeme speziell für Regierungskunden entstehen.
Wachstum bei 84,7 Prozent, Prognose angehoben
Untermauert wird Karps Selbstbewusstsein von den jüngsten Geschäftszahlen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 steigerte Palantir den Umsatz um 84,7 Prozent auf 1,63 Milliarden US-Dollar. Das US-Geschäft mit kommerziellen Kunden wuchs überproportional: Hier kletterte der Umsatz auf 595 Millionen US-Dollar, ein Plus von 133 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die bereinigte operative Marge verbesserte sich von 44 auf 60 Prozent. Auf dieser Basis hob Palantir die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf ein Wachstum von 71 Prozent an. Der gesamte Auftragswert im US-Commercial-Segment (Remaining Deal Value) belief sich zuletzt auf 4,92 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 112 Prozent.
Trotz dieser Dynamik bleibt die Aktie unter Druck. Am Freitag schloss das Papier bei 111,02 Euro, ein Minus von 1,70 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,12 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 1,65 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 22,42 Prozent verloren und notiert damit auch 8,84 Prozent unter ihrem Stand vor rund zwölf Monaten. Vom 52-Wochen-Hoch bei 179,98 Euro, erreicht am 3. November 2025, trennen das Papier mittlerweile 38,32 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 93,30 Euro vom 26. Juni 2026 beträgt der Abstand dagegen noch 18,99 Prozent nach oben. Der Kurs liegt derzeit 3,27 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 114,78 Euro und 16,90 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 133,60 Euro. Der RSI von 48,8 signalisiert eine neutrale Marktlage, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 53,07 Prozent hoch bleibt. Die Marktkapitalisierung liegt bei umgerechnet 281,98 Milliarden Euro.
Bewertung spaltet die Analysten
An der Wall Street gehen die Meinungen zur Bewertung weit auseinander. D.A. Davidson-Analyst Gil Luria stufte Palantir Anfang Juli auf Buy mit Kursziel 175 US-Dollar hoch und begründete dies damit, dass das Unternehmen doppelt so schnell wachse wie Vergleichsunternehmen wie Snowflake, Shopify, Datadog oder CrowdStrike. Wolfe Research lobt zwar die Produktakzeptanz, belässt die Einstufung aber bei Neutral und verweist auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 176 auf Basis der Trailing-Gewinne sowie ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 71,83. Andere Berechnungen kommen auf ein Forward-KGV von rund 81 bis 91 – in jedem Fall ein Vielfaches des Branchendurchschnitts im Software-Sektor, der bei etwa 29 liegt.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt eine bekannt gewordene Short-Position von Investor Michael Burry. Laut einer Wertpapiermeldung hält dessen Fonds Scion Put-Optionen auf 5 Millionen Palantir-Aktien mit einem Nominalwert von rund 912 Millionen US-Dollar. Als konkretes Geschäftsrisiko gilt zudem ein Vertrag mit dem britischen Gesundheitsdienst NHS im Volumen von rund 440 Millionen US-Dollar, der Anfang 2027 zur Verlängerung ansteht. Auf der Kostenseite zeigt sich unterdessen, wie sensibel Geschäftskunden auf KI-Ausgaben reagieren: Uber hat die Ausgaben seiner Mitarbeiter für KI-Werkzeuge auf 1.500 US-Dollar pro Monat gedeckelt – ein Beispiel für genau jene Preisdiskussion, die Karp öffentlich angestoßen hat.
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